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Das Leben der müßigen Klasse

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Fabelhafte Mrs. Bridge
Roman
ebersbach & simon 2017

Connells Roman einer amerikanischen Frau der Mittelschicht ist auch ein Buch über Konversation, die von Konvention manchmal kaum zu unterscheiden ist. An einer Stelle im Roman ist India Bridge im Gespräch mit Willem Van Metre, dem Mann eines mit den Bridges befreundeten Ehepaars. Sie kommen im Laufe eines harmlosen Geplauders auf ein Hotel zu sprechen, in dem Van Metre einmal übernachtete und das in dem Ort Gilman steht. Mrs. Bridge meint dann über die Stadt:

„Ich glaube, ich bin nie dort gewesen. Es muß hübsch sein.“
Van Metre hielt seine Serviette vor den Mund und hustete.
„Also India,“, fuhr er dann fort, „dort möchte ich ja nun wirklich nicht leben. Doch Andrew und ich übernachteten, wie gesagt in Gilman, obwohl ich jetzt nicht mehr weiß warum. Es war ein Fehler, das kann ich euch versichern.“
„Das hört sich gräßlich an.“
„So schlimm war es nun auch wieder nicht.“
„So habe ich es auch nicht gemeint, aber diese kleinen Landstädtchen können schrecklich deprimierend sein.“
„Ich würde Gilman nicht gerade als Landstädtchen bezeichnen.“
„Oh, das habe ich damit nicht behaupten wollen.“
„Gilman ist gar keine so kleine Stadt. Hat viel Industrie. Es hat vielleicht sogar eine Zukunft.“
„Wirklich? Wahrscheinlich ist es ganz anders, als ich es mir vorstelle.“
Wilhelm Van Metre starrte eine Weile die Tischdecke an, als hätte ihn jemand irritiert.

Das Buch, das so fein und schön gebunden daherkommt, hat den gemeinen Reiz einer fast schon traurigen Heiterkeit und komischen Verzweiflung – was ja nicht das Schlechteste ist, was man über ein Buch sagen kann. Ein Buch, das genau den Punkt beschreibt, an dem die Frauenbewegung ihren Anfang nehmen musste. India Bridge ist perfekt eingefügt in eine Welt, der sie intellektuell wie emotional ziemlich verständnislos gegenüber steht. Und den überall ausgelegten Chancen, diese zähe Außenwand der Warenwelt und Konvention zu durchstoßen, versagt sie sich:

Auf dem Weg zu Bancroft, der die hübschesten Sachen auf der Plaza hatte, kaufte sie in einer Apotheke eine Schachtel Aspirin und blieb vor einer Buchhandlung stehem, wo ihr Blick auf ein Buch im Schaufenster fiel: ‚Das Leben der müßigen Klasse‘. Groll wallte in ihr auf. Einige Augenblicke starrte sie das Buch ausgesprochen feindselig an, als lebe es und sei sich ihrer bewusst. Sie ging in den Laden und ließ sich das Buch zeigen. Mit ihren Handschuhen fiel es ihr schwer, die Seiten umzublättern; deshalb reichte sie es dem Verkäufer zurück, dankte ihm und setzte mit unzufriedener Miene ihren Weg zum Warenhaus Bancroft fort.

Es ist die Ausstattungswelt selbst, ihre Handschuhe, die sie daran hindern, sich über ihre eigene Situation klar zu werden. In diesem von Connell wunderbar gestalteten Augenblick ist das Buch über die Klassenlage (Thorstein Veblens „Theorie der feinen Leute“) wie lebendig und der entfremdete Mensch zum Ding geworden. Eine marxistische Dialektik, die von Mrs. Bridge undurchschaut in der Buchhandlung zurückbleibt. Sie hätte etwas über sich erfahren.

Paul Auster sah das Buch bei Gelegenheit seines Besuchs in einer Buchhandlung in Süddeutschland und war voll des Lobes für den deutschen Buchhandel, der dieses für seinen Weg zur Schriftstellerei so wichtige Buch wieder zeigt und liest.

Nachdem ihr Mann verstorben ist und die Kinder aus dem Haus, bleibt India Bridge, die von der Welt ebenso versorgt wie von ihr unberührt ist, allein zurück. Sie fährt den alten Lincoln aus der Garage. Der Motor stirbt ab und sie kann die Türen nur noch einige Zentimeter öffnen.

Geraume Zeit saß sie da, die behandschuhten Hände im Schoß gefaltet, und wusste nicht, was sie tun sollte. Einmal betrachtete sie sich im Spiegel. Schließlich zog sie den Schlüssel aus der Zündung, klopfte gegen die Scheibe und rief nach irgendjemandem, der es vielleicht hören könnte: „Hallo? Hallo?“
Aber keiner antwortete, es sei denn der fallende Schnee.

// Buchhandel

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