// SachBücher
Henriette Kaiser, Joachim Kaiser
“Ich bin der letzte Mohikaner”
Ullstein 2008
Wer sich als Der letzte Mohikaner bezeichnet, erzählt eine Geschichte vom Ende her. Die Lebensgeschichte des Joachim Kaiser beschreibt eher ein anderer Titel von J. F. Cooper: Der Lederstrumpf. Es mag ja sein, dass er heute der letzte seiner Art ist, wichtiger aber ist, dass er zu den Pionieren gehörte. Wie Lederstrumpf gehört er der Art von Pionieren an, die mit der Ausstattung einer fortschrittlichen Moderne (dem Vorderlader oder den neuen atemberaubenden Aufnahmetechniken) in den letzten übrig gebliebenen Jagdgründen der Hochkultur herumstreifen, einiges von der ursprünglichen Genialtät der Ureinwohner bewahren konnten (der Wurftechnik des Tomahaws wie artistische Perfektion am Klavier), ansonsten aber den Untergang bloß moderierten.
Wir tun alle immer so, als sei Wissenwollen, das Behalten und Bewundern unsere persönliche Leistung. Dass das Wissenwollen auch immer ein Versprechen war, ein Jobversprechen in jedem Fall, manchmal ein Versprechen auch auf eine kleine Karriere und dann aber auch, wie im Falle einer Biografie wie sie Joachim Kaiser gelang, auf eine bewundernswürdige große Karriere, bleibt da zu sehr unberücksichtigt. Joachim Kaiser ist zweifellos eine Ausnahmeerscheinung, die den Vorderlader nicht weniger als den Tomahawk beherrscht. » weiter lesen