Corine-Sachbuchpreisträger 2009

Mit dem Corine-Preis werden literarische Leistungen ausgezeichnet, die sich nach Ansicht des Kuratoriums durch Qualität, Aktualität und Interesse beim Publikum hervorgetan haben:

Sachbuchpreis:

Richard von Weizsäcker, Der Weg zur Einheit (C. H. Beck)

Wirtschaftsbuchpreis:

Reinhard Marx, Das Kapital (Pattloch)

Bilderwelten:

Alex MacLean, Over. Der American Way of Life oder Das Ende der Landschaft (Schirmer/Mosel)

Focus-Zukunftspreis:

Nicholas Stern, Der Global Deal (C. H. Beck)

Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten:

Rüdiger Safranski für sein Lebenswerk (Hanser)

Nicht ohne Bedeutung mag sein, dass der Corine-Preis im Fernsehen übertragen wird. Dieser Umstand lässt vermuten, dass es sich bei den Preisträgern um eine Schnittmenge von Sachbuch und Präsentabilität zu handeln scheint. Die Würde der Preisträger und des Kuratoriums scheint dies nicht in jedem Fall zu dienen. Man muss sehen, ob sich dieser Preis dieser medialen Zwangslage auf die Dauer einmal zu entziehen weiß.

Allein, Ehre wem Ehre gebührt. Wenn Safranskis letztes Buch über die Freundschaft von Schiller und Goethe sicherlich nicht preisverdächtig ist, ist er doch neben Barbara Beuys einer der Autoren, die dem Sachbuch als eigenständige Gattung ein neues Gewicht verschafft haben. Diese Ehrung trifft besonders zielgenau, da sie das Lebenswerk meint.

Reinhard Marx erhält seinen Preis doch nicht etwa für schriftstellerische Leistungen? Erst im Innenteil des Buches erfährt man nämlich, dass Dr. Arnd Küppers Mitverfasser ist. Worum also genau handelt es sich? Einem Flickenteppich aus Vorträgen, Predigten und Artikeln von Reinhard Marx.
Der müde Scherz der Namensgleichheit wird auch nicht überzeugt haben. Die Biege zu Marx ist schon auf dem Klappentext von erstaunlicher Naivität: “Die wirtschaftliche Globalisierung wird von vielen Menschen als existentielle Bedrohung erfahren. (…) Auch die Thesen von Karl Marx werden in dieser Debatte genannt und allzu häufig verklärt.” Von wem? Wer hat überhaupt etwas gegen Menschen, dass es nötig wurde “ein Plädoyer für den Menschen”, wie der Untertitel lautet, zu schreiben?
Worin liegt also genau die Qualität dieses Buches? Vermutlich genau darin, dass diesen Texten an keiner Stelle widersprochen wird, dass ihm alle zustimmen können.

Schließlich, auch dies ist ein Ernst zu nehmender Aspekt, wird der Buchhandel schon jetzt von hoch produktiven Autoren bestimmt, die zum Teil weit über achtzig Jahre alt sind: Siegfried Lenz, Günter Grass, Helmut Schmidt, Hans Magnus Enzensberger. Daraus sollte man ihnen keinen Vorwurf machen. Da kommt so leicht kein Jüngerer, schon gar nicht eine Jüngere nach vorne, die im Zugriff auf den Stoff etwas wagt. Zu diesen aufmerksamkeitsökonomischen Klemmbolzen, die ihre Ämter auf Lebenszeit innezuhaben scheinen, gehört auch Richard von Weizäcker. Ein solides Buch in gepflegter Sprache, etwas zu ausgleichend, etwas zu abwägend, etwas zu verantwortungsbewusst, daher aber sicherlich so fernsehtauglich wie sein Autor.


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