Immer schön sachlich. Kleine Geschichte des Sachbuchs. 1870 - 1918

Mit Register und einem Vorwort von Prof. Dr. Erhard Schütz.
Bramann Verlag: Frankfurt 2010.
€ 16,00 ISBN 978-3-934054-42-4

Die seit 2006 unter www.sachbuchforschung.de publizierte Kleine Geschichte des Sachbuchs ist nun für den Zeitraum bis 1918 abgeschlossen. Sie erscheint im Sommer 2010 als erweiterter und um ein Register ergänzter Separatdruck unter dem Titel Immer schön sachlich. Kleine Geschichte des Sachbuchs.1870 – 1918 im Bramann Verlag.

Am Ende dieses ersten Teils der Geschichte des Sachbuchs haben die Leser ein wohl gefülltes und gehütetes Bücherbord, auf dem neben verbilligt produzierter Nationalliteratur zahlreiche Kleinschriften zur Natur, Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft stehen. Zu den Autoren und Verlegern, die in diesem Teil besprochen werden zählen u. a.:

Adler, Alfred; Ament, Wilhelm; Andreas-Salomé, Lou; Bahr, Anna; Bahr, Herrmann; Ball, Hugo; Bard, Julius; Bebel, August; Bechstein, Johann Matthäus; Behrens, Peter; Bekker, Paul; Bernhardi, Friedrich von; Bernstein, Aaron; Bie, Oscar; Bierbaum, Otto Julius; Bismarck, Otto von; Blos, Wilhelm; Blüher, Hans; Bonsels, Waldemar; Bonus, Arthur; Brahm, Otto; Brockhaus, Albert; Brod, Max; Bölsche, Wilhelm; Büchner, Ludwig; Bürgel, Bruno H.; Buber, Martin; Bunsen, Marie von; Burckhardt, Jacob; Carlyles, Thomas; Carnegie, Andrew; Chamberlain, Houston Steward; Churchill, Winston; Christ, Lena; Class, Heinrich; Dehmel, Richard; Dekker, Hermann; Delbrück, Hans; Dewitz, Hans Prehn von; Diederichs, Eugen; Duimchen, Theodor; Dohm, Hedwig; Dreiser, Theodore; Ehrenberg, Richard; Einstein, Albert; Engel, Eduard; Eucken, Rudolf; Eyth, Max; Felder, Franz Michael; Förster, Friedrich W. Förster-Nietzsche, Elisabeth; Freud, Sigmund; Friedegg, Ernst; Friedell, Egon; Frimmel, Theodor von; Fritsch, Theodor; Gansberg, Fritz; George, Henry; Germandt, Otto; Gillhoff, Johannes; Göhre, Paul; Goltz, Joachim von der; Grabowsky, Adolf; Grimm, Herman; Grottewitz, Curt; Günther, Siegmund; Gundolf, Friedrich; Haeckel, Ernst; Haecker, Theodor; Harnack, Adolf von; Hauptmann, Gerhard; Hedin, Sven; Heim Karl; Hellpach, Willy; Hesse, Herrmann; Hirsch, Franz; Hirzel, Salomon; Hofmannsthal, Hugo von; Holitscher, Arthur; Huch, Ricarda; Humboldt, Wilhelm von; James, William; Jacques, Norbert; Kafka, Franz; Kandinsky, Wassily; Kassner, Rudolf; Keller, Walther; Kellermann, Bernhard; Kerr, Alfred; Key, Ellen; Kiepenheuer, Gustav; Kippenberg, Anton; Kirchmayr, Hermann; Koelsch, Adolf; Kunowski, Lothar von; Lagerlöf, Selma; Lamprecht, Karl; Landsberg, Hans; Langbehn, Julius; Langen, Albert; Langenwiesche, Karl Robert; Lettow-Vorbeck, Paul; Lipsius, Marie; Ludwig, Emil; Luschan, Felix von; Luxemburg, Rosa; Mach, Ernst; Maeterlinck, Maurice; Mann Thomas; Marc, Franz; Marholm, Laura; Mehring, Franz; Meier-Graefe, Julius; Meinecke, Friedrich; Merezkowskij, Dimitrj; Meyer, M. Wilhelm; Meyer, Richard M.; Möbius, A. F.; Möbius, Carl; Morgenstern, Christian; Mommsen, Theodor; Montessori, Maria; Müller, Franz Carl; Muther, Richard; Myers, Gustavus; Naumann, Friedrich; Nehmann, Euchar; Nietzsche, Friedrich; Norden, Eduard; Norris, Frank; Otto, Rudolf; Paulsen, Friedrich; Piper, Reinhard; Pfordten, Hermann von der; Plehn, Hans; Poellnitz, Rudolf von; Preuß, Hugo; Rathenau, Walther; Raymond; Reiner, Karl; Riegl, Alois; Riezler, Kurt; Rohrbach, Paul; Rolland, Romain; Ruedorffer, J .J. (pseudonym für Riezler); Saja, Karl; Schillings, Georg; Schleich, Ernst Ludwig; Schmelzer, Karl; Schweninger, Ernst; Seemann, Arthur; Sinclair, Upton; Sombart, Werner; Sonnleitner, A. Th. (pseudonym für Tluchor); Steinhausen, Georg; Steffen, Gustav F.; Stöcker, Helene; Swehn, Jürnjakob; Thomas-San-Galli, W. Alexander; Thompson, William; Tluchor, Alois; Treitschke, Heinrich von; Tucholsky, Kurt; Trotha, Lothar von; Tschudi, Hugo von; Tönnies, Ferdinand; Unruh, Conrad von; Vanderbilt, Astor; Virchow, Rudolf; Waiblinger, Ernst; Weber, Alfred; Weber, Max;Weber, Max Maria von; Wedekind, Frank; Weiniger, Otto; Werner, Anton von; Wiegler, Paul; Wölfflin, Heinrich; Wundt, Wilhelm; Ziegler, Theobald; Zimmermann, Wilhelm.

Hier zur online-Version des Zeitraums 1918 - 1945.

// SachBuchforschung

Hier werden Beobachtungen zur Sachbuchforschung gesammelt. Eigene Mitteilungen, die der Forschung dienlich sein mögen, kommen hinzu.

Hassprediger und Hetzkaplan - Sozialfiguren der Kulturkämpfe in Köln

Innerhalb einer Geschichte des Sachbuchs finden sich zahlreiche öffentliche Debatten dokumentiert, die wie die Blaupausen gegenwärtiger Auseinandersetzungen wirken. War doch gerade Köln um die vorletzte Jahrhundertwende eine Hochburg katholischer, das hieß damals “internationaler”, also staatlicherseits irgendwie unzuverlässiger Zeitgenossen. Die Debatten von damals, in deren Verlauf der preußisch-protestantische Staat katholische Priester von der Kanzel herunter verhaftete, ähneln in vielen Punkten der aktuellen Islam- und Migrationsdebatte. Historiker wie Nipperdey sprechen gar davon, dass das deutsche Reich nahezu am Rande eines Bürgerkriegs gewesen sei. Nun, soweit wird es “pro Köln” nicht bringen. Die verwandten Elemente der Katholiszismus-Debatte damals und Islam-Debatte heute sind: Unannehmbare Dogmen (Unbefleckte Empfängnis Mariens von 1854, Unfehlbarkeitsdogma von 1870), bewusste Ächtung moderner Errungenschaften (Syllabus von 1864 und 1907), Internationalität vor Nationalität (Ultramontanismus), extreme Bildungsdefizite in katholisch geprägten Gebieten Deutschlands und schließlich die Herausbildung der Sozialfigur des „Hetzkaplans“ Da mag es beruhigend wirken, dass am Ende die Gründung einer Partei der Minderheit und nicht etwa der Mehrheit steht. Mehr unter: http://www.sachbuchforschung.de/html/kgds_26.html

Holmes lebt - Taktische Thesenbildung

Pierre Bayard
Freispruch für den Hund der Baskervilles. Hier irrte Sherlock Holmes
Kunstmann 2008

Den Ausgangspunkt für Bayards neueste Untersuchung bildet eine ebenso einleuchtende wie verblüffende Feststellung: sowohl Krimiliebhaber wie auch professionelle Leser scheinen von einem unerschütterlichen Glauben an die Richtigkeit der Ergebnisse der ermittelnden Figuren in Krimis beseelt zu sein. Nachdem sowohl die Autorität des Autors als auch die des Erzählers durch die Literaturwissenschaft erschüttert wurde, scheint die Autoritätsgläubigkeit in ermittelnden Kommissarfiguren ein Rückzugsgebiet gefunden zu haben. Und Bayard nimmt es gleich mit dem prominentesten Vertreter seiner Art auf, mit Sherlock Holmes. » weiter lesen

Drei Reisen in die Dunkelheit

Dass Bücher Moden folgen, ist ihnen schnell nicht mehr anzusehen. Nach zehn Jahren, in der Regel aber schon nach wenigen Monaten, weiß das keiner mehr. Nach hundert Jahren allerdings meint man, eine Vorreiterin vor sich zu haben, die einen gesellschaftlichen Missstand aufdeckt und öffentlich macht. Man könnte das auch bei Else Spillers 1911 in Buchform veröffentlichten Reportagen glauben, weil man wenig über die Zeit und die zu dieser Zeit veröffentlichten Bücher weiß. So erkundete die Jounalistin zwar nicht als erste die Armutsviertel der europäischen Großstädte, aber sicherlich als erste Frau. Über Wien erschienen - so informiert das Nachwort von Peter Payer - vorher schon Titel von Max Winter mit “Im dunkelsten Wien” und Emil Klägers “Durch die Wiener Quartiere des Elends und des Verbrechens”.
Analog zu den Forschungsreisen eines Henry Morton Stanley, Georg Schweinfurth oder Hans Meyer empfand man schon weit vor Else Spiller die wild wachsenden Großstädte als neu zu entdeckende Kontinente. So veröffentlichte Herman Bang bereits 1880 seine Reportage “Armenleben”, in der er in der Begleitung eines Polizisten einen touristischen Abstieg in die Hölle des Armenviertels wagt und seine Leser keineswegs schont. Diese Reportage ist, neu übersetzt von Ulrich Sonnenberg, in dem hier abgebildeten Band von Insel erschienen.
Die Analogie von Afrika und Slum stellte der Begründer der Heilsarmee, William Booth, selbst her: “Wenn es ein dunkelstes Afrika gibt, gibt es nicht auch ein dunkelstes England?” Und: “Können wir nicht Parallelen finden vor unseren Toren und nur einen Steinwurf entfernt von unseren Kathedralen und Palästen ähnliche Schrecken entdecken wie jene, die Stanley in den ausgedehnten Äquatorialwäldern erlebt hat.” Die Verbindungen der Heilsarmee wußte Else Spiller - wie Bang zuvor einen erfahrenen Polizisten - für ihre Erkundungsreisen zu nutzen. Später veröffentlichte sie eine Geschichte der Heilsarmee. Auch in Hinsicht der popularisierten Darstellung zieht man gleich. Wie der Tierfotograf Carl Schillings, der seine sensationellen Bilder von Tieren in freier Wildbahn auf Vortragsreisen vermarktete, ging Elsa Spiller mit dem gesammelten Material auf Vortragsreise und berichtete von ihren Erlebnissen.

Else Spiller, Slums. Erlebnisse in den Schlammvierteln moderner Großstädte. Czernin Verlag 2008
Herman Bang, Exzentrische Existenzen. Erzählungen und Reportagen. Insel 2007
Henry M. Stanley. Wie ich Livingstone fand. Edition Erdmann