Das geglückte Leben - Ratgeber in Ihrer Buchhandlung

Auch ein Profi braucht mal Hilfe!

G. Umbreit GmbH & Co. KG
Mundelsheimer Str. 3
74321 Bietigheim-Bissiningen

Dienstag, den 27.03.2012
Uhr 10.00 - 17.00

Ratgeber sind eine äußerst vielgestaltige Warengruppe. In diesem Seminar sollen Ratgeber als Publikationen der Bereiche Lebenshilfe, Gesundheit und Hobby in den Blick genommen werden. Durch die elektronischen Medien gelten Ratgeber als eine bald durch das Internet ersetzte Warengruppe. Aber ist es nicht längst so, dass diese elektronischen Medien selbst eine Fülle von Ratgebern haben entstehen lassen?

Ratgeber stellen an ihre Leser die geringfügigsten Anforderungen. Zugang zu verschaffen, Einblick zu ermöglichen, Verständnis zu erzeugen ist ihr Wesen. Die Botschaft eines jeden Ratgebers ist der ungetrübte Optimismus: So geht das! Du schaffst das! Das kannst du auch! Das reduzierte Anforderungsprofil eines Ratgebers sollte aber nicht dazu führen, ihn mit trivialen Überlegungen abzutun. Die Einfachkeit des Ratgebers entsteht nicht dadurch, dass Autoren das Schwierige an der Sache einfach weglassen!

Im Seminar werden die Zielgruppen der Ratgeber ausführlich vorgestellt. Von den Kundengruppen lassen sich dann die Möglichkeiten der erweiterten Warengruppenpräsentation ermitteln.

Im Seminar sollen Ratgeber zur Hand genommen und analysiert werden. Nur so ist zu verstehen, dass Ratgeber mitunter höchst genau ihre Zielgruppe erreichen.

Im Seminar sollen Ratgeber zudem in Hinsicht auf ihre soziale Funktion erläutert werden, die das Familienleben stabilisieren, kommunikative Geselligkeit unterstützen und dem Selbstverständnis der jeweiligen Kundengruppe legitimen Ausdruck verschaffen.

Schließlich sollen die buchhändlerischen Maßnahmen erläutert werden, Maßnahmen, die eine echte Wertschöpfung des Ratgebers bedeuten und die durch keinen Internetauftritt substituiert werden können.

Inhalt

- Die wichtigsten Trends im Ratgeber
- Wählen und Sortieren: Ordnung in kreativer Unordnung
- Präsentation von Ratgebern in der Buchhandlung
- Ratgeber beraten? Möglichkeiten und Grenzen
- Doppelspitze im Verkauf: Ratgeber und e-Book
- Ratgeber: das Veranstaltungshighlight in der Buchhandlung
- Vorstellung von Neuerscheinungen

Inhaber, Geschäftsführer und Mitarbeiter in Buchhandlungen,
Warengruppenbeauftragte

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Literatur zum Seminarthema hier als pdf:

Michael Schikowski:Bücher entstehen im Gespräch. Verdrängt das Internet wirklich das Lesen von Büchern? BuchMarkt Februar 2010. S. 42 - 47.
Hier die Datei des Artikels im pdf-Format.

Stephan Porombka: „Junge, wenn Du aus dem Haus gehst, steck dir ein Taschentuch ein“. Michael Schikowski über Ratgeber. Ein Interview. www.lit06.de 2006
Link zum Interview: http://www.lit06.de/archiv_rat/index_ratgeber.html

Michael Schikowski:Der aktuelle Sachbuchmarkt. Vortrag auf dem XV. Kolloquium “Sachbuch und Sachbuchmarkt”. Institut für Buchwissenschaft. Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 29.02.2010
Hier der Link zum Podcast des Vortrags

Michael Schikowski:Der ungebetene Ratgeber. texturen-online.net September 2011
http://www.texturen-online.net/2011/09/23/der-ungebetene-ratgeber/

Weitere Materialien hier: http://www.immer-schoen-sachlich.de/materialausgabe/

// SachBuchforschung


Stiefkind des Literaturbetriebs - ein Radioprogrammhinweis

Wer absonderliche Sendezeiten und ausbleibende Wahrnehmung als Ausdruck von Geringschätzung interpretiert und dies persönlich nimmt, sollte sich von der Beschäftigung mit Sachbüchern rasch verabschieden. In der Sachbuchforschung ist man darauf angewiesen, in der Wahrnehmung des Sachbuchs nicht auf Sendezeiten zu achten und in Fällen, wo selbst die Wahrnehmung ausbleibt, seine Hoffungen auf eine ferne Zukunft zu richten.

Die Hoffnung hielt zuletzt Erhard Schütz hoch anlässlich seiner Besprechung des letzten Bandes von Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Bd. 9 Nationalsozialismus und Exil der 2009 das über dreissig Jahre erscheinende Werk abschloss. Schmerzlich vermisste Schütz die für diese Zeit so charakteristische Sachliteratur in Form von Reportagen und sogenannten Tatsachen- und Rohstoffromanen. (Germanistik, Heft 1, 2010) Begnügen muss man sich also weiterhin mit nur ganz gelegentlichen Beiträgen zum Sachbuch, wie den von Florian Felix Weyh. Weyh schreibt zu seinem Radiofeature:

Der erste deutsche Literaturnobelpreisträger war ein Sachbuchautor, der Historiker Theodor Mommsen. Er erhielt den Preis 1902 für seine ‘Römische Geschichte’. Als 1908 ein zweiter Deutscher gekürt wurde, traf es mit Rudolf Eucken wiederum keinen Belletristen, sondern einen Philosophen. Das Sachbuch hat eine lange, ruhmreiche Geschichte bis zurück ins frühe 19. Jahrhundert. Doch im Feuilleton und bei den Buchkäufern gilt es weiterhin als zweitrangige Textsorte. Nur rein nutzenorientierte Leser, so das Vorurteil, zögen das Sachbuch dem höherwertigen Roman vor. Ein Blick in die Geschichte des populären Sachbuchs zeigt jedoch, dass sich die Highlights des Genres weder sprachlich noch ästhetisch zu verstecken brauchen. Längst hat das Sachbuch eigene erzählerische Standards etabliert – und wer viele Sachbücher liest, wird zumindest nicht dümmer. Höchste Zeit also, dem Stiefkind des Literaturbetriebs mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Florian Felix Weyh: Stiefkind des Literaturbetriebs. Eine Geschichte des Sachbuchs. (mit Ines Geipel, David Oels, Jens Petersen, Michael Schikowski) Erstsendung am 18.02.2010, Uhr 8.30 SWR 2.
Hier der Link zum Podcast.

Wiederholung der Sendung:
SR 2 Kultur-Radio
Donnerstag, den 25.03.2010
09.05 - 09.30

Hier der Link zur Ankündigung des Senders.

Wilhelm Haefs (Hrsg.)
Sozialgeschichte der deutschen Literatur Band 9: Nationalsozialismus und Exil 1933-1945.
Hanser Verlag 2009

Die 100 Sachbuch Klassiker - ein Kanon

Wilhelm Bölsche, Das Liebesleben in der Natur (1898)

Ricarda Huch, Der dreißigjährige Krieg

Julius Meier-Graefe, Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst (1904)

Oscar Bie, Die Oper (1913)

Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit

Arthur Fürst, Das Weltreich der Technik

Werner Hegemann, Das steinerne Berlin

Emil Ludwig, Goethe

Valeriu Marcu, Lenin (1927)

Friedrich Sieburg, Gott in Frankreich? (1929)

Siegfried Kracauer, Pariser Leben. Jacques Offenbach und seine Zeit. Eine Gesellschaftsbiographie.

Heinrich Eduard Jacob, Sage und Siegeszug des Kaffees. Biographie eines weltwirtschaftlichen Stoffes (1934)

Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler

Barbara Beuys, Familienleben in Deutschland

Joachim-Ernst Berendt, Nada Brahma. Die Welt ist Klang (1983)

Dieter Hildebrandt, Pianoforte. Geschichte des Klaviers im 19. Jahrhundert (1985)

Rüdiger Safranski, Schopenhauer oder die wilden Jahre der Philosophie

Literaturverzeichnis Methoden und Theorien Literatursoziologie

Aufstieg durch Bildung

Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt: Suhrkamp 1982. *

John Carey: Hass auf die Massen. Intelektuelle 1880-1939. Steidl: Göttingen 1996.

Andreas Dörner, Ludgera Vogt: Literatursoziologie. Literatur, Gesellschaft, Politische Kultur. Opladen: Westdeutscher Verlag 1994. *

Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt 1971 (=Fischer Taschenbuch). *

Levin Ludwig Schücking: Die Soziologie der literarischen Geschmacksbildung. München 1923. *