Wertstoffhandel - Wie Bücher Werte werden
Man sieht Daten nicht an wie alt sie sind. Büchern schon.
Florian Felix Weyh, Toogle
3. Workshop von Nachdruck NRW
Sonntag, 9. September 2012
Beginn: Uhr 11.00
Ende: ca. Uhr 15.30
Börsenverein des deutschen Buchhandels
Regionalgeschäftsstelle NRW
Kaiserstr. 42a
40479 Düsseldorf
Gast: Florian Felix Weyh
Leitung: Michael Schikowski
Anmeldung zum Workshop bitte nur unter: nachdruck.nrw(a)googlemail.com
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Diese Veranstaltung wird unterstützt von:
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Bücher sind eine Ware, bei der der Preis eine nur untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend ist die Qualität. Die Qualität aber ist Sache der Kultur. Bücher sind also eine Ware, die auf der Basis des Verständnisses der Luxus-und Kulturgüter besser verstanden werden.
Wer sich dagegen an Tucholskys populärem Diktum “Macht die Bücher billiger!” orientiert, verfehlt diese Perspektive unter Umständen. In die heutige Zeit übertragen, würde daraus vielleicht ein Appell, eine Flatrate der Kulturgüter für Bücher, Musik und Filme einzurichten. Die Kriterien, nach denen der Wert der Bücher bestimmt wird, sind Rezensionen, Diskussionen, Markenbildung und Ranglisten.
Ziel des Workshops ist es, einen sachnahen, illusionslosen und präsisen Blick auf die heutige Gesellschaft, den Buchhandel und die Kundenstruktur zu werfen.

Aus dem Wertstoffhandel: Sieht aus wie von Omas Sofa - kostbare Seide aus dem Schrein des heiligen Severin
Die Diskussionen um das ACTA-Abkommen, die Flächenreduzierung bei den Filialisten und die weitere Entwicklung bei den E-Readern sollen im Zentrum stehen. Bedoht diese Entwicklung vielleicht den Wert von Büchern? Autorschaft orientiert sich noch heute vornehmlich daran gedruckt zu werden. Erhält ein Text seinen Wert indem er in einem Buch erscheint?
Da es sich um einen Workshop und nicht um eine Informationsveranstaltung handelt, wird die Kenntnis der grundlegenden Sachverhalte vorausgesetzt. Den Auszubildenden wird dadurch Gelegenheit gegeben, ihre Zukunft und Karriere im Buchhandel oder Verlag an den realen Gegebenheiten auszurichten und konkret zu planen.
Gastreferent: Florian Felix Weyh
Die Fragestellungen, mit denen wir uns auf diesem Workshop befassen wollen, sind nicht trivial. Erfreulich ist daher, dass uns mit dem Schriftsteller Florian Felix Weyh ein intimer Kenner der Diskussion als Gastreferent zur Seite steht.
Florian Felix Weyh lebt als Publizist und Journalist mit seiner Familie in Berlin. Seit 1988 ist er ständiger Mitarbeiter des Deutschlandfunks. Beiträge und Essays erschienen in Zeitungen und Zeitschriften wie Du, StadtAnsichten, Financial Times Deutschland, Berliner Zeitung, Lettre International, Leviathan, Universitas, Cicero. Einen besonderen Schwerpunkt legt er auf die gedankliche und publizistische Verbindung von Wirtschaft und Kultur. Er veröffentlichte zuletzt Toogle einen Thriller über die Wirklichkeit und Möglichkeit des Informationszeitalters.
Mit ein Grund, warum die Debatte so breit geführt wird, liegt sicherlich darin, dass in ihr Kreise in Berührung miteinander kommen, die bislang herzlich wenig miteinander zu tun haben wollten: Geisteswissenschaft und Technik, Ökonomie und Freizeitgestaltung, Musik und Rechtspflege. Die Ausdifferenzierung dieser Funktionsbereiche ging mit einer scharfen Abgrenzung gegenüber ihrer Umwelt einher.
Nun scheinen die Grenzen weich zu werden, durchlässig. Die Sprachen, die innerhalb der genannten Funktionsberreiche zur Selbstbeschreibung ausgebildet wurden, scheinen die neuen Phänomene immer weniger zu erfassen.
Unausrottbar ist die digitale Mythe, dass Kindergärten Abmahnungen der Rechteverwerter zugegangen seien (s. u. Stefan Niggemeier). Dabei gibt es Anzeichen, dass es sich genau umgekehrt verhält: Buchinhalte werden nur darum in Internetcontent umgewandelt, um Abmahnungen als Geschäftsmodell zu installieren (s. u. Holger Bleich).
Gewiss ist der Höhepunkt der Debatte längst überschritten. Michael Hassemer, Professor für Zivilrecht, Wirtschaftsrecht und Geistiges Eigentum und sein Vater der Strafrechtswissenschaftler Winfried Hassemer fassten unlängst den Stand der Diskussion so zusammen: “Nun aber sind wir angeregt und aufmerksam, und das ist für Rechtspolitik keine schlechte bürgerliche Disposition.” (FAZ, 29.5.12, Nr. 123)
Die TeilnehmerInnen erhalten eine Teilnahmebescheinigung, die ihre Bereitschaft, sich den erhöhten Anforderungen der Branche zu stellen, dokumentiert.
Aktuelle Beiträge
Offener Antwortbrief von 51 Hackern des Chaos Computer Clubs
Vorstellung der Urheberechtspositionen der Piratenpartei und Aufklärung von Mythen, 15.04.2012
Holger Bleich: Abgekocht. Wie ein Webmaster mit Lebensmittelfotos Kasse macht
Wichtige Dokumente
Adolf Kröner über die Buchpreisbindung (1888)
Gesetz über die Preisbindung für Bücher
(Fassung vom 14. Juli 2006)
Wettbewerbsregeln des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Fassung vom 9. November 2006)
Verkehrsordnung für den Buchhandel (Fassung vom 9. November 2006)
Zur Einführung in das Thema
Die elektronischen Reiter. Die Zerstörung der Wertschöpfungskette als Selbstzerstörung der Kreativwirtschaft. BuchMarkt Januar 2012. In ungekürzter Fassung bei texturen-online.net Zeitschrift für den Literaturbetrieb Januar 2012 erschienen.
Hier zur ungekürzten Fassung des Artikels.
Bücher entstehen im Gespräch. BuchMarkt Februar 2010. S. 42 ff.
Hier die Datei des Textes im pdf-Format
Schule des Unrechts. Warum unsere Gesellschaft derartig lässig mit geistigem Eigentum umgeht.
Börsenblatt 179. Jahrgang. 19. April 2012. Heft 16. S. 15
Online unter: http://www.boersenblatt.net/526289/
Weiterführende Literaturempfehlungen:
Chris Anderson, Free. Kostenlos. Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets. Campus Frankfurt 2009
Chris Anderson, The Long Tail. Nischenprodukte statt Massenmarkt. Hanser München 2007
Oliver Bendel, Die Rache der Nerds. UVK München 2012
Holm Friebe, Thomas Ramge, Marke Eigenbau. Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion. Campus Frankfurt 2009
Werner Fuld: Das Buch der verbotenen Bücher. Universalgeschichte des Verfolgten und Verfemten von der Antike bis heute. Galiani 2012
Lucien Karpik: Mehr Wert. Die Ökonomie des Einzigartigen. Campus Frankfurt 2011.
Christian Mikunda: Warum wir uns Gefühle kaufen. Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt, Econ Berlin 2009
Lothar Müller: Weisse Magie. Die Epoche des Papiers. Hanser 2012
Florian Felix Weyh: Toogle. Roman. Galiani 2012
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RÜCKBLICK
1. Workshop 2010
Woher wohin? - Kunden, Buchhandel, Gesellschaft 2020
2. Workshop 2011
Reine Einstellungssache - Karriereplanung