Die A-Seite und B-Seite der Kultur

Brian Southall
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Das Album, die Beatles und die Welt 1967
Olms 2017

Man nennt Sgt. Pepper manchmal das erste Konzeptalbum. Allerdings lag das ursprünglich nicht in der Absicht der Band, sondern war viel mehr der Tatsache geschuldet, dass kaum Songs fertiggestellt waren.

Es war vermutlich das erste Mal, dass sie Songs schrieben, als sie schon im Studio waren, schrieb damals Tony Bramwell. Das Konzept selbst war auch nur so eine undeutlich und nicht von allen ernst genommene Idee wie Harrison meinte: Es war Paul, der dauernd von dieser Idee einer fiktiven Band quatschte.

Brian Southall informiert in diesem Buch ausführlich über die Entstehungsbedingungen des Albums und der einzelnen Songs. Die Fiktion der Band Sgt. Peppers’s Lonely Hearts Club Band schiebt sich aber nicht ohne Grund vor die wirkliche Band The Beatles. Seit Mai 1966 traten die Beatles nicht mehr als Band gemeinsam auf, darauf waren die Kontakte untereinander seltener geworden. Mit Sgt. Pepper hatten sie sich den technischen Möglichkeiten des Studios und George Martins verschrieben.

Sensationelle neue Alben erschienen in diesem Jahr viele. Allerdings veränderte Sgt. Pepper die zeitgenössische Rezeption. Sie wurde selbstreflexiv, man nahm hier ein Album erstmals geisteswissenschaftlich und kulturkritisch ernst. Mit Stg. Pepper wurden die kulturellen Produkte popkulturell und hatten fortan zwei Seiten, eine der Gegenwart unmittelbar Ausdruck verleihende A-Seite und eine genau dies kommentierende und kritisch befragende B-Seite. Der Journalist Paul Gambaccini schreibt:

Die Rezeption von Sgt. Pepper am Dartmouth College war emblematisch für den Kulturwandel des Jahrs 1967. Die Beatles waren einzigartig, weil sie unsere Vorlieben sowohl reflektierten als auch formten.


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