Die Kunst der schönen Bücher – ein Verlags- und Leseabend mit Michael Schikowski

Die Andere Bibliothek schreibt seit mehr als 33 Jahren Verlagsgeschichte. In ihr gehen Text und Buchgestalt eine sich reflektierende Verbindung ein, die jedes Buch zu einem besonderen Erlebnis des Kopfes und der Sinne machen.

Mit editorischen Großwerken von Humboldt, Forster und Montaigne schrieb die Andere Bibliothek Literatur- und Buchgeschichte. Neben der besonderen Berücksichtigung des Essays und der Reiseliteratur besitzt die Andere Bibliothek einen weiten und offenen Blick für die Literaturen der Welt, der Reportage und Feuilleton einschließt.

Herausgeber der Anderen Bibliothek ist Christian Döring. Er war Lektor bei Suhrkamp und Programmleiter bei Dumont. Der Spiegel bezeichnet ihn zu Recht als „eine der markanten Gestalten des deutschen Buchhandels“. Er wird unterstützt von Ron Mieczkowski im Lektorat und Katja Jaeger in der Herstellung.

   

Am Verlagsabend der Anderen Bibliothek geht Michael Schikowski diesen phänomenalen Erlebnissen aufgrund der einzigartigen inhaltlichen wie handwerklichen Qualität der Bücher nach, er bespricht, erläutert und liest die zuletzt erschienenen Bücher dieser außergewöhnlichen Buchreihe.

TERMINE:

Buchhandlung am Markt, Detmold
Mittwoch, den 9. Januar 2019
Beginn: 19.00 Uhr

Plakat – A1, 59,4 x 84,1 cm Siebdruck und Relieflackierung.

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

 

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacHeinrich BöllDie Schwestern BrontëCharles DickensFjodor DostojewskiGeorge EliotHans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainAnna SeghersLew Tolstoi

Zu Einzelwerken: HyperionMoby DickRobinson CrusoeTristam Shandy

Historische Leseabende: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegDer Deutsch-Französische Krieg 1870/71NapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Immer schön sachlich

// Bücher

Meine Tage ergeben doch ein Leben

Zsuzsa Bánk
Weihnachtshaus
edition chrismon 2018

Es muss weiter gehen. An dieser Stelle in ihren angefangenen Leben stehen die beiden Frauen in diesem Kurzroman. Ein kleiner Roman in Rückblicken und Ausblicken. Der Tod des Mannes der Erzählerin, die wilde Zeit von Lilli im Rückblick. Und im Ausblick das gemeinsame Wochenendhaus im Odenwald, das die Betreiberinnen eines Cafés herrichten.

Ich habe oft gedacht, wie verrückt es ist, ein Stück Land zu kaufen und ein altes Haus wieder zum Leben zu erwecken, wie verückt von Lilli und mir, zwei Frauen mit zu vielen Verpflichtungen und zu wenigen Freiheiten, ausgerechnt wir nehmen uns vor, ein Haus auf dem Land zu besitzen.

Das Weihnachtshaus ist ein ebenso rührender wie unsentimentaler Roman, so kurz und knapp, wie es eben ist in solchen Situationen, in denen es weiter gehen muss. So heißt es an einer Stelle im Roman:

Ich hatte die Kinder damals angeschaut und gedacht, es geht weiter, mein Leben geht weiter, selbst ohne Clemens kann es weitergehen. Meine Tage ergeben doch ein Leben, trotz allem ergeben sie mein Leben. Ich hatte Lilli angeschaut und gedacht, sie dreht mein Leben weiter, sie dreht mein Leben ohne Clemens weiter.

// Bücher

Brief an den Heimatminister

Kathrin Gerlof
Nenn mich November
Roman
Aufbau 2018

Das Land war einmal der zurückgebliebene Raum. Nun ist es der Raum, der industriell vollkommen erschlossen ist. Ein Raum, aus dem die Natur, die Tiere vor allem, in die Stadt ausweichen, weil nichts als Mais angebaut wird, für die Biogasanlagen von Kramer. Kramer ist der eine Großbauer, der andere ist Schulz. Was Marthe nur fehlt, ist das Internet. Dafür muss man auf eine Anhöhe in der Nähe.

Marthe und David Lindenblatt sind in der Stadt gescheitert und ziehen in ein Dorf von siebzig Seelen, in das alte Schusterhaus, das ihnen Tante Wally hinterlassen hat. Gescheitert sind sie an der bloß verbalen Aufgeschlossenheit der Städter für ökologisches Handeln. Auf sie bezogen haben sie ihr Geld in biologisch abbaubares Einweggeschirr investiert – mit der städtischen Verhaltensstarre nicht rechnend, die sie auf dem produzierten Geschirr sitzen bleiben lässt.

Das Leben ist einfacher, als die meisten glauben. Wenn man Grundsätze hat. Marthe weiß es. Sie hat. Ich habe nicht umsonst einen ganzen Tag damit zugebracht. Wann war das? Vor zwei Jahren.

Da kamen sie und ihr Mann auf die Idee, kompostierbares Wegwerfgeschirr zu produzieren. Kathrin Gerlof wechselt die Fokalisierung der Erzählung mitten im Satz. Ein Stilmittel, das den Perspektivwechsel deutlich markiert. Und statt Marthe hören wir dann von der Frau, die sich November nennt. Wir wechseln von der Stadt aufs Land, von Marthe zu November.

Marthe, die fahrig redende Städterin, erinnert die Dörfler an einen Mann, der eine Bibliothek besaß. Ein Studierter, wie es dann weiter heißt, der tatsächlich im Dorf geblieben war und Woche für Woche an die Universität der Bezirksstadt fuhr. Ein Germanistikprofessor, dem die meisten mit einer Mischung aus Skepsis, Unverständnis und jener Arroganz der werktätigen Bevölkerung begegneten, wie sie dieser kleine Staat gezüchtet hatte.