Fjodor Dostojewski. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Fjodor Dostojewski

 

Dostojewski beginnt seine schriftstellerische Laufbahn als Anhänger der westlichen Literatur und ihrer Emanzipationsbestrebungen. Er schreibt mit Arme Leute den ersten bedeutenden sozialen Roman Russlands. Nach seiner Verhaftung und in der Verbannung wandelt er sich. Die Ideen Europas werden ihm zum Gegenbild. Vor allem das Europa des beschleunigten Kapitalismus und des wachsenden Unglaubens.

In seinen Romanen, vor allem Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasoff, entwickelt er die Idee einer historischen Aufgabe Russlands. Hier entsteht die Idee der russischen Seele.

Dostojewski gestaltet die Welt der Menschen als durch religiöse Mächte und philosophische Motive bestimmt. Dass er dies als Psychologe unternimmt und in der Form des Romans gestaltet, im Medium der großen europäischen Kunstform, macht ihn zum modernsten Schriftsteller, den wir im Augenblick haben.

 

Buchhandlung am Markt, Hennef
Mittwoch, 17. Februar 2027
Beginn 19 Uhr

 

// Immer schön sachlich

// MÜLHEIMER LITERATURCLUB

Saison 2026

 

 

 

 

Musa Deli: Unsichtbare Mauern

Moderation: Michael Schikowski

Musa Deli beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Paradigma der Integration. Trotz zahlreicher Programme, Konzepte und politischer Bekenntnisse scheitert sie allzu oft. Deli zeigt, dass viele dieser Bemühungen nur an der Oberfläche wirken – als Versprechen, die unsere Strukturen, Institutionen und Denkweisen, unser Selbst- und Weltbild also, kaum erreichen.

Was Integration blockiert, sind nicht nur fehlende Maßnahmen, sondern unausgesprochene Erwartungen, stille Normen und tief verankerte Bilder von Zugehörigkeit. „Die Mauern, die uns trennen, stehen nicht zwischen Kulturen – sie stehen in den Köpfen derer, die glauben, sie hätten keine.“

Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen jene unsichtbaren Mauern, die Teilhabe erschweren: unbewusste Haltungen, vertraute Muster der Ungleichheit und Bilder von Normalität, die häufig unausgesprochen bleiben. Sie formen unser gesellschaftliches Zusammenleben stärker, als es uns bewusst ist. Deli zeigt, dass Integration nicht nur an Migranten scheitert, sondern auch an einer Dominanzgesellschaft, die Vielfalt nur akzeptiert, wenn sie möglichst unsichtbar bleibt. Diese Mauern wirken nicht laut, sondern leise – in Klassenzimmern, Ämtern, Betrieben und Alltagsbegegnungen. Gerade weil sie unsichtbar sind, prägen sie Biografien, Selbstwert und Chancen über Generationen.

Auch das Stadtbild, so Deli, ist nicht einfach eine Kulisse, sondern Ausdruck dessen, wer sichtbar wird und wer unsichtbar bleibt. Gesellschaft ist kein festes Bild, sondern ein Prozess. Was in Biografien, Wirtschaft und Politik selbstverständlich ist – Entwicklung –, muss auch für das gesellschaftliche Miteinander gelten. Doch viele erleben Veränderung als Verlust, und genau dort entstehen jene unsichtbaren Mauern, die Deli beschreibt.

Deli macht sichtbar, wie sich Zugehörigkeit und Abgrenzung im Stadtbild spiegeln – und wie sehr sie unsere innere Haltung prägen. Er zeigt, dass der Mythos „gelungene Integration“ zusammenbricht, sobald knappe Ressourcen wie Macht, Wohnraum oder Chancen ins Spiel kommen.

Als Sozialpsychologe und Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten in Köln ist Musa Deli seit Jahren teilnehmender Beobachter einer Gesellschaft, die sich zwischen dem Wunsch nach Stabilität und der Realität des Wandels bewegt. Er lädt dazu ein, gemeinsam über unser Stadtbild, unser Selbstbild und unser Weltbild zu reflektieren – und darüber, wie Integration gelingen kann, wenn wir das Unsichtbare sichtbar machen.

Sein Blick verbindet persönliche Erfahrung, psychologische Analyse und gesellschaftliche Realität – und zeigt, warum Integration keine Frage von Anpassung, sondern von gleichberechtigter Teilhabe ist. Deli warnt: Jede Wahlkampfrhetorik beschädigt Zugehörigkeit nachhaltiger, als Maßnahmen sie heilen könnten.

Musa Deli ist Sozialpsychologe und Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten in Köln. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Migration, Integration und gesellschaftlichem Wandel. 2022 erschien sein Buch Zusammenwachsen. Die Herausforderungen der Integration, 2023 folgte eine Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Im April 2026 erscheint sein neues Buch Unsichtbare Mauern: Warum unser Paradigma der Integration scheitert – und Migration Zukunft statt Bedrohung bedeutet im Bonifatius Verlag, Paderborn.

Kalker Buchladen
Kalker Hauptstr. 170
Freitag, den 29. Mai 2026
Beginn 19 Uhr
Eintritt frei

 

 

Lyrischer Landgang

Christoph Danne bekommt Besuch von der Lyrikerin Simone Scharbert. Gemeinsam sprechen sie über aktuelle Lyrik, ihre und die der anderen, verborgene Einflüsse und Vorbilder. Von Rilke über Bachmann, von Villon bis heute. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 30. Mai 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

Mülheimer Literaturclub zu Besuch

Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben
Sommer 2026
Beginn 20.30 Uhr, Eintritt frei

 

 

 

Max von der Grün

Lesung zum 100. Geburtstag von Max von der Grün am 25. Mai 2026

Mit Irrlicht und Feuer von Max von der Grün erschien 1963 eine für das lesende Publikum vollkommen neue Art von Literatur. War sein Erstling Männer in zweifacher Nacht aus dem Jahr zuvor noch weitgehend unbeachtet geblieben, wurde diese Provokation der restaurativen Zeit der frühen 60er Jahre sehr viel ernster genommen.

Das literarische Neuland, das der Bergmann und Autor Max von der Grün damit betrat, mündete schließlich in die Gründung der Dortmunder Gruppe 61 – wurde von der Grüns Darstellung der Arbeitswelt unter Tage doch auch von der IG Bergbau scharf zurückgewiesen.

Von der Grüns Anspruch war, wie es bei ihm heißt, frei von politischen und staatlichen Aufträgen und Richtlinien mit den sozialen und menschlichen Problemen der industriellen Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Von der Welt und Menschen verändernden Kraft der Literatur war er überzeugt: Ob Literatur die Welt verändern kann? Mich hat die Literatur verändert – und in bin Teil dieser Welt.

An diesem Leseabend wird das Beste aus Max von der Grüns Romanen zu hören sein.

Mülheimer Literaturclub
Samstag, 11. Juli 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt 10/8 €

 

 

 

 

KLANGRAUM – Holz, Blech und Blumen

Talking Horns und Mülheimer Literaturclub

Die Talking Horns – das sind: Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Bernd Winterschladen und Stephan Schulze  – erzählen ihre Geschichten mit Blech- und Holzinstrumenten. Die Facetten ihrer Musik reichen von schlichter, auch idyllischer Homophonie und kammermusikalischer Qualität bis hin zu komplexer Polyphonie und Polyrhythmik. Ein apartes Erlebnis musikalischer Tiefe ohne Verstärker, Pixel und Pomp, bereichert durch die poetischen Blumen von Dada bis Unsinn, die Michael Schikowski auf den Irrwegen des Absurden eingesammelt hat.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS und KLANGRAUM Klassik.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 4.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 18/10 €

 

 

 

 

 


Franz Kafka und Dora Diamant

mit Ronka Nickel und Hans Schwab

Die Regisseurin Ronka Nickel und der Schauspieler Hans Schwab lassen Franz Kafka und seine Welt lebendig werden. Projizierte Fotos laden ein zum Eintauchen in das Prag von Kafka und seiner damaligen Zeit. Hans Schwab liest aus Originaltexten, Briefen und Erinnerungen über diesen einzigartigen Menschen Kafka. Ronka Nickel spannt den Bogen durch sein Leben. Seine Familie, seine Freunde, die Frauen seines Lebens machen neugierig auf diesen Autor und sein Werk. Kafka gilt als schwieriger Autor, der in Rätseln spricht und gleichzeitig völlig modern wirkt. Gerade deshalb ist er bis heute so spannend. Sein kurzes Leben ist steter Kampf, zähes Ringen um seine Kunst und dichtes, lebendiges Erleben. Das wird spürbar gemacht durch Ronka Nickel und Hans Schwab. Und es blitzen überraschende Seiten des Franz Kafka auf: komische, zärtliche und zugewandte.

Nach der Pause erzählen Nickel & Schwab über das Leben der Dora Diamant. Wieder unterstützt mit projizierten Originalaufnahmen. Sie war die letzte Liebe Kafkas und mit ihr erlebte er ein nie geahntes Ausmaß an Glück. Ihr Leben führte sie aus der tiefsten Provinz in die Großstadt Berlin, zu Kafka und dann mitten in die irrsinnigen Wirren des 20. Jhdt. Moskau, London, Israel sind die Stationen einer Biographie, die erschüttert und berührt. Trotzdem: Das Leben einer Frau, das Mut macht, anrührt und die Zuhörer voll Bewunderung für Dora Diamant zurücklässt. Ein leidenschaftlicher und spannender Abend.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 24.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 15/10 €

 

 

Joseph Roth. Ein Leseabend

Joseph Roth zählt zu den bedeutendsten Erzählern des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Romanen HiobRadetzkymarsch und Die Kapuzinergruft hat er Weltliteratur geschaffen. Im Untergang der Habsburgermonarchie erzählt Roth den Untergang des alten Europa.

Als Erzähler und bedeutender Journalist gehört er zu den seinen Lesern zugewandten Autoren. Mit seinen Feuilletons wurde Roth zu den gefragtesten Journalisten seiner Zeit. Genauigkeit und lebendige Bildlichkeit machen seine Texte zu einer auch heute noch unbedingt fesselnden Lektüre.

Was kann also näher liegen als einen Erzähler der Über- und der Untergänge zu entdecken, der mit sicherem erzählerischen Instinkt und unverwechselbaren Stil das Leben der Zwischenkriegszeit zeichnet. Roth, der selbst den Weg vom jüdischen Außenseiter zum Starjournalisten der Weimarer Republik ging, schafft Figuren, die von Unsicherheit, Melancholie und oft nihilistischer Verzweiflung geprägt sind. Roth wurde 1894 im galizischen Brody geboren und starb 1939 im Pariser Exil.

An diesem Leseabend wird das Beste von Joseph Roth zu hören sein.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 31.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

Heinrich Heine – Deutschland. Ein Wintermärchen

ein musikalisch-poetischer Konzert- und Leseabend
mit dem Velvet Quartett und Michael Schikowski

Heinrich Heine (1797 – 1856) veröffentlicht 1821 seine erste Liedersammlung. Bald darauf machen ihn seine Reisebilder berühmt.
1831 geht er als politischer Korrespondent nach Paris. Von dort berichtet er über die französischen Zustände und schreibt für die Franzosen über Deutschland. Ab 1835 sind alle seine Schriften laut Bundestagsbeschluss in Deutschland verboten.

Erst 1843 sieht er die Heimat wieder. Diese Reiseeindrücke liegen dem Wintermärchen zugrunde. Zusammen mit den Neuen Gedichten erscheint es zuerst im September 1844. An seinen Verleger Campe schreibt Heine: Es ist ein gereimtes Gedicht, welches die ganze Gärung unserer deutschen Gegenwart in der kecksten, persönlichsten Weise ausspricht.

Sein geistreich-spielerischer Prosastil macht ihn auch heute noch zu einem herausragenden Autor. Im Wintermärchen aber erlaubt er sich unzählige Frechheiten, die, wenn schon vom Zensor verboten, dann auch in den Reimen den Regelbruch auskosten – zum Vergnügen seiner Zuhörer.

Ich bin diesmal sicher, so schreibt er weiter an Campe, dass ich ein Werkchen gegeben habe, das mehr Furore machen wird als die populärste Broschüre, und das dennoch den bleibenden Wert einer klassischen Dichtung haben wird.

Das Velvet Quartett spielt Werke von Robert Schumann und Joseph Haydn.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 14.  November 2026
Beginn 20 Uhr, Eintritt: 22/20 €

 

 

Die schönen Seiten des Lesens

Carina Giesen, Mirjam Seelbach-Geese, Julia Schönewolf, Nina Maibücher und Pia Ciesielski sind Buchhändlerinnen, die mit ihren eigenwilligen Literaturempfehlungen nach Mülheim kommen. Wie jedes Jahr im Herbst stellen sie ihre Entdeckungen und Lieblinge im Mülheimer Literaturclub vor. Romane, die unterhalten und begeistern, spannende und berührende Geschichten – das Beste aus der Fülle der Neuerscheinungen aus diesem Jahr.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 15. November 2026
Beginn 18 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

 

 

Lieblingsstücke

Musik und Lesung

Die Klavier-Studierenden der HfMT Köln und der Mülheimer Literaturclub präsentieren ihre Lieblingsstücke. Werke der Literatur, die wir gerne hören. Werke der Klavierliteratur, die wir gerne spielen. Der Abend wird von den Studierenden der Klavierklasse Prof. Gesa Lücker und dem Mülheimer Literaturclub gemeinsam gestaltet. Lesung: Michael Schikowski.

Eine Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln, Wiener Platz. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der HfTM Köln und der Kölner VHS.

Tickets unter: vhs-kundenzentrum (at) stadt-koeln.de

Bezirksrathaus Wiener Platz
Donnerstag, 26. November 2026
Beginn 18 Uhr – Eintritt frei

 

 

 

Und kerzenhelle wird die Nacht

der 7. Weihnachtsabend mit dem Mülheimer Literaturclub und den Dellbrücker Symphonikern

Lieder, Geschichten und Gedichte zur Vorweihnachtszeit mit Barbara Böhler und Michael Schikowski. Das Ensemble der Dellbrücker Symphoniker unter der Leitung von Albert Otto-Gaede begleitet diesen Abend mit weihnachtlichen Glanzstücken klassischer Musik.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 6. Dezember 2026
Beginn 18 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

Robert Walser. Ein Leseabend

Robert Walser (1878-1956) ist einer der wichtigsten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Romane, Jakob von Gunten, Geschwister Tanner und Der Gehülfe beschäftigen sich mit einer neuen Sozialfigur: dem Angestellten.

In der modernen auf Service und Dienstleistung fixierten Welt der Kunden und Könige wird vor allem einseitige Unterordnung verlangt. Im Angestellten sind Anpassung und Flexibilität das Entscheidende – ein Profil wie ein Kochlöffel.

In diese Welt der zahllosen hilfreichen Handreichungen eines stets unsichtbar agierenden Personals, die das Gerede von der Servicewüste nur immer noch lauter werden lässt, wirken die Figuren Robert Walsers wie bei einer sogenannten Arbeitsagentur bestellt. Man lernt hier sehr wenig, so beginnt einer seiner Romane, wir werden es zu nichts bringen, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein.

In seinen zahlreichen eigensinnigen Feuilletons ist er, der Meister der Selbstverkleinerung, der Meister der kleinen Formen. In Zeiten allgemeiner Selbstausstellung und spezieller Selbstüberschätzung ist Walser ein herrlich dagegen stehendes Antidot.

Man täusche sich aber nicht, denn aus dieser immer besonders herausgestrichenen Unbrauchbarkeit ergibt sich bei Robert Walser eine erhebliche Renitenz wie ein großer Humor. Franz Kafka hat das gleich gesehen und schrieb bereits 1909 über Walser: Mit leichtem Gepäck und offenen, unbestechlichen Augen wandert dieser moderne Taugenichts durch die Welt, und am Ende wird nichts aus ihm als das Vergnügen des Lesers. 

Lesung: Michael Schikowski

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 2. Januar 2027
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

// Allgemein

Johann Wolfgang Goethe. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

 

 

Goethe ist für die zeitgenössische Literatur von besonderer Bedeutung. Mit ihm beginnt eine Entwicklung, die sich zuerst in Deutschland, dem Land der Übersetzungen, Weltliteratur nennt. Ihr erster und wichtigster Repräsentant, als Übersetzer von Diderot und Hafis, ist Goethe.

Mit ihm wird außerdem eine neue Stufe kultureller Differenzierung erreicht, nach der Autor und erzählerisches Ich fortan zu unterscheiden seien. Vor allem seit seinem Werther distanzieren wir das Geschriebene als sogenannte Rollenprosa vom Autor, ein Kulturfortschritt, der gerade in Fällen von heutigen Skandalisierung verloren zu gehen scheint.

In Dichtung und Wahrheit, mit dem Goethe für das Genre der Autobiographie Maßstäbe setzt, erweist sich die spezifische immer wieder als kalt und wenig enthusiastische beschriebene Haltung Goethes, die sich aber aus den Erfahrungen von Krisen und Kriegen ergibt, nachvollziehbar. Zumal auch wir nun davon betroffen sind. Goethe ist vom Erdbeben von Lissabon, dem Siebenjährigen Krieg, der Französischen Revolution bis zu den napoleonischen Kriegen zeit seines Lebens umgeben von Ereignissen, die ihn in der Konzentration auf sich und das, was ihn betrifft, was ihn interessiert und angeht, abbringen wollen.

Neben einigen Gedichten wird vor allem die Prosa aus Goethes Werken wie Die Leiden des jungen Werthers, die Wahlverwandtschaften und Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre im Mittelpunkt dieses Abends stehen.

Goethe ist der Repräsentant einer Literatur, die sich allein an dem orientiert, das ihr gemäß ist – auch über den Punkt hinaus, der die Naturwissenschaft vorgibt. In Zeiten der Kriege und Krisen ist darum Goethe derjenige, der weder Nachrichten beachtet noch Zeitungen liest. Goethe ist uns näher als wir selbst jemals vermutet hätten.

 

// Leseabend

Wilhelm Busch: Max und Moritz mit Michael Schikowski und Salonbrass Rodenkirchen

Eine Bubengeschichte in 7 Streichen

mit Michael Schikowski und Salonbrass Rodenkirchen

Max und Moritz von Wilhelm Busch ist für seinen Bild- und Wortwitz, aber auch den gelegentlich derben Humor unsterblich geworden. Die unverdrossen und bierernst vorgetragene Moral, die die Verse von der „Übeltäterei“ der Knaben begleiten, stehen in krassem Widerspruch zur Freude an der Überzeichnung der Episoden.

Zudem verabschiedet sich mit Max und Moritz von 1865 das Genre der Verserzählung endgültig von der Literaturbühne. Wir erleben hier den letzten Seufzer eines altehrwürdigen Genres. Danach hat das Moralische als Aufgabe der Literatur ausgedient.