Über Beethoven. Ein Leseabend zum Beethovenjahr 2020

Dichter und Musiker über Ludwig van Beethoven

Beethovens Leben und Werk hat in der Literatur zahlreiche Spuren hinterlassen. Ihnen folgt dieser Leseabend in den Werken u. a. von Marcel Proust, Thomas Mann und Lew Tolstoi.

Die Ambivalenz seiner Musik, die von Überwältigung und Befreiung bis zum Ausdruck direkter Gewalt reicht, zeigt sich in den Texten von Romain Rolland, Carson McCullers und Anthony Burgess.

E.T.A. Hoffmann urteilte: Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes.

Termine:

Forum Archiv und Geschichte Neuss e.V.
Sonntag, den 9. Februar 2020
Beginn: 18.00 Uhr

Buchhandlung Ute Hentschel e.K.
Mittwoch, den 18. März 2020
Hauptstr. 26
51399 Burscheid

VHS Bonn – Haus der Bildung „Kulturkalender 2020″
in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn
Donnerstag, den 14. Mai 2020
Beginn: 20.00 Uhr

 

Neuerscheinungen zum Beethovenjahr

Bücher zum Leseabend.

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacÜber BeethovenHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor Dostojewski George EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliAnna SeghersLew Tolstoi

Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Immer schön sachlich

// Bücher

Die neue Arbeitsplatzbeschreibung

Elizabeth Anderson
Private Regierung
Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden)
Suhrkamp 2019

Es sind die jedem zugänglichen Beobachtungen, die ein Theoriewerk verständlich machen. Wer also als Einzelunternehmer in seinem Laden steht, weiß sofort, wovon hier die Rede ist. Denn er verrichtet die Arbeit, die auch seine Mitarbeiter tun, und zwar unter ganz ähnlichen Bedingungen. Und diese Verhältnisse waren, folgt man Elizabeth Anderson, bis nahe an die Ära Lincoln das Ideal des freien Marktes und seiner erwarteten Segnungen. Das Ideal blieb bestehen, die Realität des Marktgeschehens wurde aber ganz anders. Die industrielle Revolution veranlasste die Entstehung großer Unternehmen mit einer streng hierarchisierten Struktur. Eine Struktur der Herrschaft, die Ernst Kantorowicz einmal, als er über die mesopotamischen Großreiche schrieb, als „managerial und hydraulisch“ bezeichnete.

Das Buch von Elizabeth Anderson ist mit Kommentaren und Aufsätzen ausgestattet. Darin schreibt Ann Hughes: Andersons erstes Kapitel ist eine beispielhafte Vorführung, wie man historisches Material als eine Schatzkammer für die Vorstellungskraft einsetzen kann und als ein Vermächtnis für die Gegenwart behandelt.

Die Pointe bei Andersons Blick in die tiefe Vergangenheit des Marktes und seiner Theoretiker wie Adam Smith und Thomas Paine ist, dass das Marktdenken zu dieser Zeit wesentlich links war. Der Einzelunternehmer stand den vielen alten bevorrechtigten Institutionen gegenüber, vor allem den Gilden und dem Adel, und sollte gestärkt werden. Unter den heutigen Bedingungen aber erleben wir die Unternehmen als Staat im Staate.

Der historische Rückgriff ist notwendig, denn der öffentliche wirtschaftspolitische Diskurs ist nach Elizabeth Anderson intellektuell zu dürftig ausgestattet, um mit diesen Herausforderungen fertig zu werden.

Da die heutigen Unternehmen zutiefst kollektivistisch und nahezu absolutistisch organisiert sind, ist Elizabeth Anderson davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten (…) im Arbeitsleben von kommunistischen Diktaturen regiert wird. Diese Regierungen verdanken sich keiner Wahl der Arbeitnehmer. Sie sind ihr an ihrem Arbeitsplatz vollständig ausgeliefert, heute mehr als jemals zuvor.

// Bücher

Im Land der Blassen

Mahir Guven
Zwei Brüder
Roman
Aufbau 2019

Wozu sind Romane gut, als die Perspektive eines anderen einzunehmen. Wenn es die zwei Brüder nur mit Mühe schaffen, einander so verstehen, dass der eine nicht die Katastrophe des anderen wird, dann ist schon viel erreicht. Ist der Ältere mit dem Vater überkreuz, weil er nicht Taxi fährt, sondern bei Uber anheuert, ist der Jüngere derjenige, den die kommunistischen Überzeugungen des Vaters kalt lassen und der im Koran neue Überzeugungen gewinnt.

Beide wenden sich vom Vater ab und zugleich ihm zu, da sie sein Leben fortführen, in der Ideologie und im Berufsleben, nur mit einigen entscheidenden Änderungen. Beide erleben die Widrigkeiten der Kinder Pariser Banlieue, der Ältere kommt aus der kriminellen Karriere heraus – durch den Polizisten Le Guen, der ihn allerdings auch als Informanten aus dem Milieu verpflichtet.

Je mehr Zeit verging, umso mehr wurde ich wie der Alte, ein Arschloch von ‚Kom-mu-nist‘. Weil ich an der amerikanischen Traum geglaubt habe. Im fairen Wettbewerb ein Steak erringen. Aber das war dann schnell für den Arsch. Über einen Gast im Auto schreibt er: Er ist irgendwo bei Marx-Dormoy aus meinem Auto gehüpft. Wie ein Immobilienmakler hatte er versucht, mir sein Viertel zehn Minuten lang schmackhaft zu machen. So Dinger machen die Blassen, leben in einem Viertel voller Fixer und sagen, sie mögen den Mix hier.

Der Jüngere verschwindet nach ‚al-Scham‘, wie sie im Viertel sagen. Viele sprechen das Wort ängstlich aus. Andere – na ja, Einzelne – sind ganz ekstatisch. In der Welt der Normalen sagen sie Syrien, mit erstickter Stimme und ernstem Blick, als sprächen sie von der Hölle. Dort schließt sich der Jüngere der Kämpfern gegen Assad an, als Pfleger und später in der Funktion des Arztes. Den Emir des Gebiets, in dem das Krankenhaus betrieben wird, nennt er Blondbart.

Beide gewinnen neue Väter, die sie beeinflussen, und die sie verraten, verraten müssen, um sich zu retten. In „Zwei Brüder“ gewinnen beide auf unvorhergesehene Art und Weise die Herrschaft über ihr Leben zurück. Mahir Guven dringt tief ins Milieu ein, mit den Mitteln des Thrillers.

// Bücher

Das fotografische Gedächtnis

Barbara Frischmuth
Verschüttete Milch
Roman
Aufbau 2019

Im Jahre 1968 debütierte Babara Frischmuth mit dem Roman „Klosterschule“. Ein Buch, das es in Österreich bis zur Schullektüre brachte. Nun erzählt sie in „Verschüttete Milch“ die Vorgeschichte ihrer Heldin.

Dort wächst sie in den 1940er Jahren in einer Hoteliersfamilie in einem kleinen Ort im Salzkammergut auf. Die tiefen Eindrücke des Kindes, im ersten Teil stets die Kleine, dann Juli, schließlich Juliane. Juliane soll das Hotel übernehmen.

Es sind die Fotografien, nach denen sich ihre Heldin Juliane ihre Erinnerungen an ihre Kindheit aufruft. Mit den Fotos erinnert sie sich zahlreicher Details ihrer Kindheit. Und mitten im Buch greift die Erzählerin voraus: Ein englischer Adeliger kaufte das Haus Ende der fünfziger Jahre und ließ es abreißen, da ihm die Sanierung als zu aufwändig erschien. Wie sagt schon das entsprechende englische Sprichwort dazu: Who cries about spilled milk?