Fjodor Dostojewski. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Fjodor Dostojewski
200. Geburtstag Dostojewskis

Dostojewski beginnt seine schriftstellerische Laufbahn als Anhänger der westlichen Literatur und ihrer Emanzipationsbestrebungen. Er schreibt mit Arme Leute den ersten bedeutenden sozialen Roman Russlands. Nach seiner Verhaftung und in der Verbannung wandelt er sich. Die Ideen Europas werden ihm zum Gegenbild. Vor allem das Europa des beschleunigten Kapitalismus und des wachsenden Unglaubens.

In seinen Romanen, vor allem Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasoff, entwickelt er die Idee einer historischen Aufgabe Russlands. Hier entsteht die Idee der russischen Seele.

Dostojewski gestaltet die Welt der Menschen als durch religiöse Mächte und philosophische Motive bestimmt. Dass er dies als Psychologe unternimmt und in der Form des Romans gestaltet, im Medium der großen europäischen Kunstform, macht ihn zum modernsten Schriftsteller, den wir im Augenblick haben.

Homburger Lesezeit
Dienstag, 5. Oktober 2021
Beginn: 19 Uhr

Ev. Erwachsenenbildung Jülich
1. Teil
Montag, 25. Oktober 2021
Beginn: 17 Uhr

Ev. Erwachsenenbildung Jülich
2. Teil
Montag, 8. November 2021
Beginn: 17 Uhr

VHS Bonn – Kulturkalender
Donnerstag, 9. Dezember 2021
Beginn: 20 Uhr

Mülheimer Literaturclub
Sonntag, 12. Dezember 2021
Beginn: 18 Uhr

Zu Michael Schikowski.

Hörproben zum Leseabend

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacÜber BeethovenHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor Dostojewski George EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerGustave FlaubertTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliAnna SeghersLew Tolstoi

Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

 

// Immer schön sachlich

// Bücher

Der Lehnsherr

 

 

Manfred Quiring
Russland – Auferstehung einer Weltmacht?
Ch. Links Verlag 2020

Manfred Quiring ist der Idee des kritischen Journalismus verpflichtet. Wenn er über Russland schreibt, dann schreibt er nach diesen Regeln (Vorortrecherche, Gegenchecken, Quellenangabe) über ein Land, das dieser Idee des Journalismus längst abgeschworen hat.

Eine Haltung, die das schlüssige Argument durch fragwürdige Schnippchen, Volten und Drehungen ersetzt hat. Was im Übrigen gar nicht geleugnet wird, da man die Niedertracht, die es dazu braucht, längst für eine Funktion des brusterweiternden Gefühls der Überlegenheit hält. Mit erstaunt aufgerissenen Augen wird einem dann Naivität bescheinigt. Eine Haltung, die auch hierzulande bis in private Diskussionen vorgedrungen scheint. Hinzu kommt eine Relativität der Meinungen, die gut demokratisch jede gleich berechtige und darum also auch jede bestehen lassen müsse. Dies ausnützend, wird dann jede Information zum Projektil des Informationskriegs.

Damit positioniert sich Quiring anders als der frühere Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck, der mit seinem bei Propyläen erschienenen Buch die Konfrontation in einen Dialog auf Augenhöhe zu verwandeln versucht. In Hinsicht der diplomatischen Fragen ist das gewiss richtig. In den Niederungen des Alltags aber hat Quiring es mit Gesprächspartnern zu tun, die die Merkmale des seit 1999 herrschenden Putinismus, Klientelismus, Korruption und Rentenökonomie, schlicht leugnen.

Mit Hilfe seiner loyalen Helfer, schreibt Quiring über Putin, kontrolliert er praktisch alle und alles: den Staatsapparat, die Geheimdienste, die keiner parlamentarischen Kontrolle unterworfen sind, die Justiz und die Staatsunternehmen, deren Anteil an der Wirtschaftsleistung seit 2005 stetig zunimmt. Selbst die Privatwirtschaft untersteht der Kuratel des Kremls, der mit Hilfe willfähriger Sicherheitsdienste und Richter das Recht auf Privateigentum praktisch aufgehoben hat. Auch private Unternehmen sind in Putins Russland letztlich nur Lehen.

Das wenigstens in Ansätzen zu sehen oder auch nur mit zu sehen, ist in Russland kaum möglich. Denn Russland führt den Informationskrieg außen und innen. Jede abweichende Meinung muss sofort öffentlich sanktioniert werden. Die Sanktion ist damit die Nachricht der Putinisten. Je wehrloser, je harmloser, je weniger gefährlich der Gegner, je unterschiedlicher, ja gelegentlich absurder das Kräfteverhältnis, desto deutlicher die Drohung. Über der Schlagersängerin Laima Waikule brach, nachdem sie öffentlich sagte, dass sie für kein Geld der Welt auf der von Russland okkupierten Krim auftreten wolle, ein, wie Quiring schreibt, Hass-Sturm los.

Auf dem Cover des Buches wird in einer Montage von russischen Soldaten Russland in Großbuchstaben an die Wand geschrieben. Russland wird in Serifen zur Großmacht. Auf welcher Grundlage geschieht das? Von Quiring werden die Jahre des Putinismus übersichtlich klar berichtet. Beim Ertrag der vielen außen- und innenpolitischen Manöver ist Quiring skeptisch. Von wirtschaftlichem Erfolg kann nach ihm keine Rede sein. Quiring fällt dazu das russische Wort Pokasucha ein: So tun, als ob.

// MÜLHEIMER LITERATURCLUB

Saison 2021/22

692 Lyrischer Landgang

mit Christoph Danne und Adrian Kasnitz

Im Lyrischen Landgang des Mülheimer Literaturclubs liest Christoph Danne aus seinen Büchern und hat das lyrische Werk von Jörg Fauser mit im Gepäck. Christoph Danne lebt in Köln und veröffentlicht seit zwanzig Jahren regelmäßig in Anthologien und Literaturzeitschriften.
Adrian Kasnitz ist Dieter-Wellershoff-Stipendiat 2020, liest aus Kalendarium und stellt das aktuelle Programm der Parasitenpresse vor. Die Parasitenpresse aus Köln ist ein unabhängiger Literatur-Verlag für Lyrik und Prosa. In diesem Jahr wurde er mit dem Deutschen Verlagspreis geehrt.

Sonntag, 3. Oktober 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

Die Verschickungskinder

Mit Hilke Lorenz
Moderation: Bernhard Schmidt

Millionen Kinder wurden zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren auf Anweisung von Ärzten in sogenannte Kindererholungsheime verschickt und kamen verstört oder traumatisiert zurück. Was viele Verschickungskinder dort erleben mussten, prägt sie bis heute: Heimweh, Einsamkeit, Zwang und Gewalt. Ihr Schicksal war lange tabu. Es ist Zeit, die Tür in die Vergangenheit weit aufzumachen: Wie war das möglich und wer war dafür verantwortlich?

Hilke Lorenz hat mit vielen ehemaligen Verschickungskindern gesprochen. Sie erzählt ihre Geschichten und geht ihren Hinweisen nach. Hilke Lorenz ist Profilautorin der Stuttgarter Zeitung mit dem Schwerpunkt recht- und gesellschaftspolitische Themen. Sie publizierte gerade im Beltz Verlag das Buch „Die Akte Verschickungskinder“.

Sonntag, 31. Oktober 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

Die schönen Seiten des Lesens

Neuerscheinungen vorgestellt von Carina Hilbrandt, Carina Giesen und Pia Ciesielski

Carina Hilbrandt, Carina Giesen und Pia Ciesielski sind Buchhändlerinnen, die mit ihren eigenwilligen Literaturempfehlungen nach Mülheim kommen. Sie stellen ihre Entdeckungen und Lieblinge vor. Romane, die unterhalten und begeistern, spannende und berührende Geschichten – das Beste aus der Fülle der Neuerscheinungen aus diesem Jahr. Büchertisch: Buchhandlung Baudach

Sonntag, 7. November 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Die Veranstaltung findet nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung statt.
Begrenztes Platzangebot: Wir bitten wieder um Anmeldung per einfacher Mail an:
muelheimerliteraturclub (at) gmx.de

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

Indian Summer

mit Frauke Buchholz und Michael Schikowski

Frauke Buchholz hat einige Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada verbracht. In ihrem sehr erfolgreichen Roman „Frostmond“ stoßen die Ermittler LeRoux und Garner auf den Fall verschwundener junger Frauen indigener Herkunft. Frauke Buchholz erzählt von ihren Erlebnissen und liest aus ihrem Roman. Ihr Roman wurde mit dem Harzer Hammer 2021 ausgezeichnet.

Als Kennerin des Werkes von Louise Erdrich spricht Frauke Buchholz mit Michael Schikowski über das weit verzweigte und umfangreiche Werk von Louise Erdrich. Erdrichs erster großer Erfolg in Deutschland war „Der Club der singenden Metzger“. In diesem Jahr erhielt sie für ihren Roman „Der Nachtwächter“ den Pulitzer-Preis.

Sonntag, 21. November 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Die Veranstaltung findet nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung statt.
Begrenztes Platzangebot: Wir bitten wieder um Anmeldung per einfacher Mail an:
muelheimerliteraturclub (at) gmx.de

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

Und kerzenhelle wird die Nacht

ein Weihnachtsabend mit den Dellbrücker Symphonikern, Barbara Böhler und Claudia Sledz

Lieder, Geschichten und Gedichte zur Vorweihnachtszeit. Das Ensemble der Dellbrücker Symphoniker unter der Leitung von Albert Otto-Gaede begleitet diesen Abend mit weihnachtlichen Glanzstücken klassischer Musik.

Sonntag, 5. Dezember 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Die Veranstaltung findet nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung statt.
Begrenztes Platzangebot: Wir bitten wieder um Anmeldung per einfacher Mail an:
muelheimerliteraturclub (at) gmx.de

Eintritt frei

 

Fjodor Dostojewski

Lesung: Michael Schikowski, Cello: Frederick Winterson

Dostojewski beginnt seine schriftstellerische Laufbahn als Anhänger der westlichen Literatur und ihrer Emanzipationsbestrebungen. Er schreibt mit Arme Leute den ersten bedeutenden sozialen Roman Russlands. Nach seiner Verhaftung und in der Verbannung wandelt er sich. Die Ideen Europas werden ihm zum Gegenbild. Vor allem das Europa des beschleunigten Kapitalismus und des wachsenden Unglaubens.

In seinen Romanen, vor allem Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasoff, entwickelt er die Idee einer historischen Aufgabe Russlands. Hier entsteht die Idee der russischen Seele. Dostojewski gestaltet die Welt der Menschen als durch religiöse Mächte und philosophische Motive bestimmt. Dass er dies als Psychologe unternimmt und in der Form des Romans gestaltet, im Medium der großen europäischen Kunstform, macht ihn zum modernsten Schriftsteller, den wir im Augenblick haben.

Frederick Winterson begleitet diesen Leseabend mit Werken für Cello von Dmitri Schostakowitsch.

Sonntag, 12. Dezember 2021
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Die Veranstaltung findet nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung statt.
Begrenztes Platzangebot: Wir bitten wieder um Anmeldung per einfacher Mail an:
muelheimerliteraturclub (at) gmx.de

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

Über Beethoven

Lesung: Michael Schikowski, Klavier: Rainer Schrapers

Beethovens Leben und Werk hat in der Literatur zahlreiche Spuren hinterlassen. Ihnen folgt dieser Leseabend in den Werken u. a. von Marcel Proust und Lew Tolstoi. Die Ambivalenz seiner Musik, die von Überwältigung und Befreiung bis zum Ausdruck direkter Gewalt reicht, zeigt sich in vielen Texten der Weltliteratur. E.T.A. Hoffmann urteilte: „Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes.“ Den Abend begleitet Rainer Schrapers am Klavier mit Beethovens Sonaten.

Sonntag, 2. Januar 2022
Beginn 18 Uhr

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Holsteinstr. 1
Köln-Mülheim

Alle Veranstaltungen finden nach Maßgabe der Coronaschutzverordnung statt.
Anmeldung bitte erst ab 20. September möglich. Begrenztes Platzangebot: Wir bitten wieder um Anmeldung per einfacher Mail an:
muelheimerliteraturclub (at) gmx.de

Eintritt 8 €, ermäßigt 6 € (Schüler, Auszubildende,
Studierende, Köln-Pass, Mitglieder Et Kapellche)

 

// Bücher

Ich werde eine Hexe

 

 

Sylivia Townsend Warner
Lolly Willowes
Roman
Dörlemann 2020

Lolly Willowes ist Sylvia Warners Debütroman aus dem Jahr 1926. Ihr Plädoyer für die Freiheit alleinstehender Frauen beginnt wie ein britischer Gesellschaftroman voller Humor.

Fast unbemerkt – man muss, wie viele ausgezeichnete Bücher, auch dieses Buch zweimal lesen – wandelt er sich im weiteren Verlauf zu einem Meilenstein der feministischen Literatur. Warner endet, wo im Laufe der 1970er die Frauenbewegung anknüpft. Zwei Hörproben zeigen beide Aspekte aus diesem Roman: