Saison 2021

Die Kölner Literaturnacht

im Kapellche

Samstag, den 18. September, ab 16 Uhr
Vorverkauf an allen Vorverkaufstellen und Abendkasse

 
 
 

In der Kölner Literaturnacht finden ingesamt 60 Veranstaltungen mit über hundert Autorinnen und Autoren an 20 Orten Kölns statt.

Hier die Übersicht der Veranstaltungen im Kapellchen in Köln-Mülheim, Holteinstr. 1

Büchertisch: Buchhandlung Gottschalk, Leverkusen

 

Mit Frank Berzbach, Moderation: Michael Schikowski, in Kooperation mit dem Eichborn Verlag

Lesend reisen wir vom fernen Japan bis in die hessische Provinz. Lesend fühlen wir uns in andere Menschen ein. Lesend treten wir in Resonanz mit der Welt.

In diesem Literaturverführer begleiten wir Frank Berzbach durch die Lektüren, die ihn geprägt haben. Und wir ertappen uns auf jeder Seite dabei, selbst ins Schwelgen, Erinnern und Sehnen zu kommen. Frei von Bildungsdünkel, faszinierend und mitreißend, entführt uns Frank Berzbach in die magische Welt der Bücher und Büchermenschen. Ein Buch zum Selbstlesen und Verschenken. Buchpräsentation mit Gesang und Gitarre: Nina Kummetz

 

Mit Roswitha Haring und Sabine Schiffner

 

Orte an den Grenzen Europas: Die Kölner Autorinnen Roswitha Haring und Sabine Schiffner laden zur Lesung ihrer literarischen Texte ein, die nach Reisen in nahe oder ferne Orte bis weit an die Grenzen Europas entstanden. Alltägliches und Besonderes, Auffälliges und Belangloses – die beiden Autorinnen verbindet das Hinschauen und Beobachten, die Neugier und die Aufmerksamkeit für stille, flüchtige Momente, die sie in ihrer Prosa und Lyrik festhalten.

 

Das literarische Köllektiv mit schimpansoidem Einschlag, präsentiert von VielFACH – Design, Kunst, Kultur

In der parasitenpresse erschien im November 2019 das „Nippes Alphabet“ mit 26 Text-Miniaturen, bestehend aus lyrischer Prosa, Kurzgeschichten, Notizen und Sprachexperimenten über Eigentümlichkeiten des Veedels zwischen Mauenheim, Puff, autofreier Siedlung, Zoo und Rhein. Zur 2. Kölner Literaturnacht lesen zwei köllektivistisch abgestellte Petermenschen im Nippeser Laden VielFACH Texte aus dem Alphabet und um das Alphabet herum und veranstalten – ein Affentheater. „Jede Geschichte gleicht einem Blick aus dem noch beschlagenen Fenster an einem frühen Herbstmorgen.“ (Kölnische Rundschau)

 

Mit Benedikt Gollhardt und Christoph Gottwald

Vom Roman zum Drehbuch: Romane dienen zunehmend als Vorlage für Filme und Fernsehserien, aber selten schreiben Autor*innen in beiden Gattungen. Warum ist das so? Sind Romane Kunst und sind Drehbücher Handwerk? Bedeutet das eine Freiheit und das andere Dienstleistung? Oder verwischen mit zunehmender Kommerzialisierung des Buchmarktes die Grenzen? Im Rahmen ihrer Lesung in der Kirche St. Heinrich und Kunigund berichten Benedikt Gollhardt („Westwall“) und Christoph Gottwald („Melatenblond“), beide sowohl Drehbuchautoren als auch Schriftsteller, über ihre beglückenden, grausamen und nicht selten skurrilen Erfahrungen aus der Literatur- und Filmwelt.

 

Eine halbverlassene Stadt, die nach und nach im Nebel versinkt. Helena, eine junge Künstlerin, führt darin ein zurückgezogenes Leben. Da machen Gerüchte die Runde: Die Wölfe sollen zurückgekehrt sein und um die Stadt streichen. Helena selbst wird von bösen Ahnungen geplagt und von Träumen heimgesucht, die nicht ihre eigenen sind. Sie lernt Johannes kennen, der so verloren scheint wie sie. Aber Johannes trägt ein Geheimnis in sich, das sie beide an den Rand des Daseins bringen wird.

Die Kölner Autorin Ulrike Serowy liest aus ihrem Roman „Wölfe vor der Stadt“, der Anfang 2022 in der Edition Outbird erscheinen wird. Moderation: Michael Schikowski

 

 

 

Alle Termine unter: www.koelner-literaturnacht.de

 

 

 

// Immer schön sachlich

// Bücher

Bubikopf

 

Victor Margueritte
La Garçonne
Roman
Ebersbach und Simon 2020

Nach Lily Bart, Mrs. Bridge und Die Clique die nächste höchst zeitgemäße Wiederentdeckung zum reinen Lesevergnügen bei Ebersbach und Simon. Als das Buch zuerst 1922 erschien, war es mit einem Schlag „überall“ (Tucholsky).

Victor Margueritte, der mit seinem Bruder Paul eine Reihe von Romanen über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 schrieb, war bei Erscheinen dieses Buches ein fest etablierter Autor und als Pazifist bekannt.

Seine Monique Lerbier, die Garçonne, bricht mit ihrer Familie, steht finanziell auf eigenen Beinen und stürzt sich in das Leben der Pariser Boheme – und, das ist die Pointe Marguerittes als Verfechter der Gleichberechtigung, kommt damit durch.

 

 

// Bücher

Verrat und Verkleidung

 

Joseph Roth
Beichte eines Mörders erzählt in einer Nacht
Mit fünfzig Illustrationen von Klaus Waschk
Faber und Faber 2019

In diesem Roman von Joseph Roth, der 1936 zuerst erschien, erzählt der Spitzel und Mörder Goluptschik sein Leben. Er berichtet, sich selbst nicht schonend, wie er durch das Schicksal seiner Abkunft vom Fürsten Krapotkin bestärkt, dem Leben in Armut und im Abseits zu entkommen versucht und dabei ein Spitzel und Mörder wird. Sein Bericht in der kleinen Pariser Emigrantenkneipe „Tari-Bari“ dauert, unterbrochen nur vom gelegentlichen Nachschenken, bis in den nächsten Morgen – in der Emigration ist Zeit ein in Überfülle vorhandenes Gut.

Die Illustrationen von Klaus Waschk lassen diese Erzählung zu einem Erlebnis eigener Art werden. Woran liegt das? Der Bericht Goluptschiks, wenn man ihn sich nochmals erinnernd vor Augen führt, erscheint durch Waschks Bilder wie ein Fiebertraum, ist Goluptschik doch von dem Wahn erfasst, sein Leben nur als Krapotkin führen zu können.

Zugleich portraitiert Waschk in seinen Illustrationen unverkennbar den Erzähler Roth, in einem Modeschneider erkennt man Lagerfeld, in einem Mitarbeiter der Ochrana, der zaristischen Geheimpolizei, sieht man Putin. Doch das sind nur Erinnerungen daran, nicht von der geschichtlichen Ferne des Erzählten auszugehen, sondern Verrat und Verkleidung als höchst gegenwärtig aufzufassen.

In der Illustrationsweise von Klaus Waschk, im Verwischen und Ausstreichen, im Unkenntlichmachen und Doppeln, aber auch in der Auszeichnung eines Details, gelingt es ihm, die düster-verrauchte und schnaps-ehrliche Atmosphäre der Erzählung zu zeigen. Was von der Erzählung bleibt, ist der Verrat des Goluptschik, der Rest ist wie der Name der Kneipe „Tari-Bari“, den man auch als Larifari wiedergeben könnte, leeres Gerede.

// Bücher

Der diskrete Charme der Diktatur

 

 

Wolfgang Hirn
Shenzhen
Die Weltwirtschaft von morgen
Campus 2020

Unzählige Politikerdelegationen tourten durch das Silicon Valley, um danach den Daheimgebliebenen mit leuchtenden Augen zu erzählen, was dort alles abgeht. Hirn wechselt nicht ohne Grund in eine sich jugendlich und freudig überrascht gebende Sprache des Managements. Gelegentlich hörte man auch in der Buchbranche Beurteilungen der Entwicklung, die der Begrifflichkeit eines Amüsierbetriebs entstammten: spannend.

Die Damen und Herren sollten mal die Richtung wechseln, schlägt Hirn vor. Er beschreibt die Millionenstadt Shenzhen, nicht weit von Hongkong, als Gründerstadt, als Digitalstadt, als Smart City, als elektromobile Stadt, als Wissenschaftsstadt und als Stadt einer zukünftigen Machtkonzentration.

Hirns Einstieg in sein lesenswertes Buch zeigt auch, dass dem Blickwechsel ein Stabwechsel vorausging. Es ist vor allem die Künstliche Intelligenz, gezüchtet in Kalifornien, die in China eine neues und erweitertes Verbreitungsgebiet findet. Bedenken ihr gegenüber, die vor allem in Europa geäußert werden, wirken nun vollends hilflos.

Pony Ma ist Gründer von Tencent. Er mag Teams. Darum hat er sie bei der Entwicklung des Instant-Messenger-Dienstes WeChat zwei Teams gegeneinander antreten lassen. Er lässt sie, schreibt Hirn, – das hat er sich von Microsoft abgeschaut – um die besten Ideen wetteifern. Was sich hier noch so systemklug als Übernahmeleistung ausnimmt, zeigt doch auch zugleich: die Unternehmen agieren längst wie Diktaturen.

Dabei scheinen sie noch nur der westlichen Idee des Wettbewerbs gegenüber charmant aufgeschlossen. Längst zeigt dieser aber agonale Züge, einfach, weil er an keiner Stelle moralische Schranken erkennen lässt.