Theodor Fontane. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Theodor Fontane
200. Geburtstag in 2019

Die Welt ist komplex und rätselhaft sind die Handlungen der Menschen. Durch Romane allererst lernen wir, die Welt zu verstehen und uns in andere Menschen einzufühlen, allemal durch die großen Romane von Theodor Fontane.

Die deutsche Literatur hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so heißt es oft, nur einen vom Rang einer Austen, eines Balzac, Tolstoi oder Dickens hervorgebracht: Theodor Fontane.

Neben den berühmten Wanderungen durch die Mark Brandenburg schrieb Fontane Reisewerke über England und Schottland und große kriegshistorische Werke als Journalist. Erst nach dieser Karriere entstanden die wunderbaren Romane Grete Minde, L’Aldultera, Irrungen, Wirrungen und Frau Jenny Treibel. Romane voll von Welt- und Menschenkenntnis.

Fontanes Romane, allen voran Stechlin und Effi Briest, sind Meisterwerke eines Journalisten, der die Sechzig weit überschritten hat, dem das Drama nicht weniger lag als der Humor, dem die Jugend nicht weniger nah war als das Alter.


Theodor Fontane: Das erzählerische Werk. Große Brandenburger Ausgabe im Aufbau Verlag.

 

Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens, Moers
Freitag, den 22. Februar 2019
Beginn und Ort wird noch bekannt gegeben

Buchhandlung Esser, Kaarst
Dienstag, den 26. Februar 2019
Beginn: 19.30 Uhr

Altenberger Dom-Laden, Odenthal
Donnerstag, den 23. Mai 2019
Beginn: 19.00 Uhr

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

 

 

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacHeinrich BöllDie Schwestern BrontëCharles DickensFjodor DostojewskiGeorge EliotHans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainAnna SeghersLew Tolstoi

Zu Einzelwerken: HyperionMoby DickRobinson CrusoeTristam Shandy

Historische Leseabende: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegDer Deutsch-Französische Krieg 1870/71NapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Immer schön sachlich

// Leseabend

„Die Andere Bibliothek“ 2019 – ein Verlags- und Leseabend mit Michael Schikowski

Die Andere Bibliothek schreibt seit mehr als 33 Jahren Verlagsgeschichte. In ihr gehen Text und Buchgestalt eine sich reflektierende Verbindung ein, die jedes Buch zu einem besonderen Erlebnis des Kopfes und der Hände machen.

Mit editorischen Großwerken von Humboldt, Forster und Montaigne schrieb die Andere Bibliothek Literatur- und Buchgeschichte. Neben der besonderen Berücksichtigung des Essays und der Reiseliteratur besitzt die Andere Bibliothek einen weiten und offenen Blick für die Literaturen der Welt, der Reportage und Feuilleton einschließt.

Herausgeber der Anderen Bibliothek ist Christian Döring. Er war Lektor bei Suhrkamp und Programmleiter bei Dumont. Der Spiegel bezeichnet ihn zu Recht als „eine der markanten Gestalten des deutschen Buchhandels“. Er wird unterstützt von Ron Mieczkowski im Lektorat und Katja Jaeger in der Herstellung.

   

Am Verlagsabend der Anderen Bibliothek geht Michael Schikowski diesen phänomenalen Erlebnissen aufgrund der einzigartigen inhaltlichen wie handwerklichen Qualität der Bücher nach, er bespricht, erläutert und liest die zuletzt erschienenen Bücher dieser außergewöhnlichen Buchreihe.

Buchhandlung am Markt, Detmold
Mittwoch, den 9. Januar 2019
Beginn: 19.00 Uhr

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

 

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacHeinrich BöllDie Schwestern BrontëCharles DickensFjodor DostojewskiGeorge EliotHans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainAnna SeghersLew Tolstoi

Zu Einzelwerken: HyperionMoby DickRobinson CrusoeTristam Shandy

Historische Leseabende: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegDer Deutsch-Französische Krieg 1870/71NapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Bücher

Wir helfen

Esther Gerritsen
Der große Bruder
Roman
Aufbau 2018

Die Familie ist Olivia Landmann wichtig. Mit ihrem Mann Gerard hat sie zwei halbwüchsige Jungen, Tom und Julius. Die Familie ist organisiert. Alle stehen mit beiden Beinen im Leben. Alles bestens also. Wenn man zu sehr ins Grübeln geriet, so heißt es an einer Stelle, ging man am besten Tennis spielen. Sie spielten eine Menge Tennis.

Ihre Aufgaben als Finanzdirektorin eines Porzellangeschäfts nehmen sie stark in Anspruch, ein Familienunternehmen, das vor ‚bedeutenden Herausforderungen der Zukunft‘ steht – wie es immer heißt, wenn es mehr Vergangenheit als Zukunft gibt.

Alles gerät für Olivia durcheinander mit dem Anruf ihres lange verschollenen Bruders Marcus, der ihr erklärt, dass man ihn in wenigen Minuten in den Operationssaal bringen werde, um ihm ein Bein abzunehmen. Warum ruft er nicht an, wenn man noch etwas unternehmen kann? Mit ihm meldet sich auch die Vergangenheit, die Olivia nun plötzlich größer erscheint, als die Zukunft.

In diesem knapp erzählten Roman, dem knappen Raum einer Kleinfamilie entsprechend, erzählt Esther Gerritsen vom unblutigen Einsturz der familiären Konstellation – einfach, weil jemand Hilfe braucht.

// Bücher

Eine Haltungsübung

Matthias Drobinski
Lob des Fatalismus
Claudius 2018

In einem Sporthotel fand ich den Spruch an der Wand: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dort hatte man den Spruch, der vermutlich aus der Spontibewegung stammt, Brecht zugeschrieben. Brecht hatte ein Faible fürs Boxen, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob hier nicht doch der politische Kampf gemeint war.

Sicher aber ist, dass man diesen Satz auch gegen den Fatalismus gerichtet verstehen kann. Gegen die Haltung, dass man allen Widerstand aufgibt, weil man mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren wird. Drobinski aber unterscheidet hier hilfreich, und darin ist sein Essay ein wirklicher guter Ratgeber, zwischen dem Reden und Tun. Zu oft ersetzt das Reden das Tun, vor allem und gerade dann, wenn man eigentlich gar nichts mehr tun kann.

Drobinski führt den im Gefängnis einsitzenden Spion Rudolf Abel an, der gefragt wird, ob er sich denn keine Sorgen mache. Seine Antwort: Würde es denn helfen? Was auch immer dieser Spion damit meinte, es ist die Haltung, die Drobinski überzeugt.

Wir müssen wieder lernen, jedenfalls verstehe ich Drobinski so, in der Einsicht der Sachverhalte diese durch Reden nicht zu vergrößern. Man könnte das auch auf die mediale Vergrößerung anwenden. Da sind wir gewiss längst an dem Punkt, dass sie nur noch mediale und keine wirklichen Sachverhalte mehr sind. Nicht ohne Pfiff sind darum auch Drobinski Erläuterungen zur Flüchtlingskrise, deren jetziger Stand längst ein ganz anderer ist, als der medial und privat diskutierte Stand der Dinge.

Im Gegenteil, der medial vielfach gespiegelte, die tausendfach geteilte Mitteilung über die Welt verändert uns selbst und gerade nicht die Wirklichkeit. Drobinski schreibt: Der Banker mit bestem Einkommen, abbezahltem Haus in guter Lage und rundum sicherer Altersvorsorge, der sich trotzdem sorgt, dass er seinen Kindern nichts vererben wird. Dazu jener Leserbriefschreiber, der ankündigt, sich eine Pistole zulegen zu wollen aus Angst vor Einbrechern.

Wenn im Alten Testament der Baalskult geschildert wird, dann kann man darin die Anbetung der Macht, der Stärke und des Erfolgs erkennen. Ein Kult, der sich vor aller Unbill zu sichern weiß, indem er den Tod feiert und in den Tod geht. Dagegen ist das Christentum, so wie Drobinski es versteht, gerade da stark, wo es verusichert: Wer nicht alles Verunsichernde, Beängstigende und Irritierende aus seinem Glauben verbannt und sich einem ewig fraglosen Kinderglauben hingibt, muss diese Verunsicherung akzeptieren.

Im Bild des gescheiterten Gottes findet nach Drobinski auch der Fatalismus seinen Ausdruck. Ein Aushalten zwischen Schicksalsergebung und Schicksalsermächtigung, ein Aushalten, das darauf verzichtet, sich mit den Umständen gemein zu machen, das darauf verzichtet, sie durch wiederholte Klage gleichsam festzuschreiben. Drobinski hat eine absolut brauchbare intellektuelle Haltungsübung für unsere Zeit geschrieben.