Theodor Fontane. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Theodor Fontane
200. Geburtstag in 2019

Die Welt ist komplex und rätselhaft sind die Handlungen der Menschen. Durch Romane allererst lernen wir, die Welt zu verstehen und uns in andere Menschen einzufühlen, allemal durch die großen Romane von Theodor Fontane.

Die deutsche Literatur hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so heißt es oft, nur einen vom Rang einer Austen, eines Balzac, Tolstoi oder Dickens hervorgebracht: Theodor Fontane.

Neben den berühmten Wanderungen durch die Mark Brandenburg schrieb Fontane Reisewerke über England und Schottland und große kriegshistorische Werke als Journalist. Erst nach dieser Karriere entstanden die wunderbaren Romane Grete Minde, L’Aldultera, Irrungen, Wirrungen und Frau Jenny Treibel. Romane voll von Welt- und Menschenkenntnis.

In einem Brief schreibt Fontane: Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm noch keusch noch sittlich sein. Dies ist wohl auch der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knacks weghaben. Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d.h. um ihrer Schwächen und Sünden willen.

Fontanes Romane, allen voran Stechlin und Effi Briest, sind Meisterwerke eines Journalisten, der die Sechzig weit überschritten hat, dem das Drama nicht weniger lag als der Humor, dem die Jugend nicht weniger nah war als das Alter.

 

TERMINE:

Buchhandlung Krüger, Versmold
Mittwoch, den 15. Januar 2020
Beginn: 20.00 Uhr

 

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacÜber BeethovenHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor Dostojewski George EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliAnna SeghersLew Tolstoi

Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

 

// Immer schön sachlich

// Bücher

Mit Blindheit geschlagen


Henriette Dyckerhoff
Was man unter Wasser sehen kann
Roman
Rütten und Loening 2019

Das ist das Schlimme in Ronnbach, heißt es in diesem Roman einmal, hier bestehst du zu 98 Prozent aus Vergangenheit. Die Grundschulzeit ist für manche präsenter als die Gegenwart. Vor fünfzig Jahren wurde die Talsperre erbaut, gespeist von der Ronne, die durchs Sauerland fließt. Für Renovierungsarbeiten zum Jubiläum wird der Wasserspiegel abgesenkt. So tauchen längst versunkene Wege und Grundmauern wieder auf und werden präsenter als die Gegenwart.

Dieser ewigen Gegenwart der Vergangenheit scheint Marion, von ihrer Mutter Grete stets abweisend Marjon genannt, niemals entkommen zu sein. Sie ist die klassische Dorfschönheit, die nicht wegkommt und nicht ankommt. Sie lebt ihr leicht promiskuitives Leben zwischen der längst erwachsenen Tochter, die in Berlin neu anzufangen sucht, und der auf Ordnung haltenden Mutter Grete, die mit ihr im Haus lebt. Grete hat ihr Enkelkind aufgezogen, während Marion, ganz 70er-Kind, um die Häuser zog.

Nun ist Marion verschwunden. Ihre Tochter reist ins Dorf an der Talsperre und geht in ihre Wohnung: Wie still das hier ist. Und dieser Geruch nach uraltem Rauch und nie offenen Fenstern. Du hast hier festgesteckt Marion! Diese Kellerhöhle und das Frizz waren alles, was du hattest. Arbeit, schlafen, saufen. Während sie in Berlin ihren Job verliert, vom Chef schlicht ausgetauscht wird, war sie nicht nur Enkelkind von Grete, sondern wuchs, getauscht gegen die missratene Tochter Marjon, als Ersatztochter auf.

Henriette Dyckerhoff gelingt es, in dieser kleinkarierten Welt des wenig aufregenden Sauerlands auf höchst glaubwürdige Art und Weise die großen Fragen, die mythischen Themen zu behandeln, das unschuldig Schuldigwerden, die Blindheit für das Offensichtliche und die Gewalt des im Stausee tief versunken Geglaubten. Für dramatische Fallhöhen gibt es im Sauerland die banale Staumauer. Dieser Widerspruch, der das Mythische wie nebenbei in den Karos des Kleinkarierten zeigt, gibt dem Roman einen ganz eigenen Reiz.

// Leseabend

Beethoven. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

ein Leseabend mit Musik zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag

Beethovens Leben und Werk hat in der Literatur zahlreiche Spuren hinterlassen. Ihnen folgt dieser Leseabend in den Werken u. a. von Marcel Proust, Thomas Mann und Lew Tolstoi. E.T.A. Hoffmann urteilte: Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes. Die Ambivalenz seiner Musik, die von Überwältigung und Befreiung bis Ausdruck direkter Gewalt reicht, zeigt sich in Texten von Romain Rolland, Carson McCullers oder Anthony Burgess.

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

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Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
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Die zweite allgemeine Verunsicherung

 

Michael Lewis
Erhöhtes Risiko
Campus 2019

Alles schaut auf den amerikanischen Präsidenten. Aber was tut sich in den Fluren der amerikanischen Ministerien? Es ist still. Ungewöhnlich still. Denn Erfahrung und Wissen gelten für diesen Präsidenten fast nichts. Michael Lewis ist an die Basis der amerikanischen Regierungsmaschine gegangen, zu den Institutionen, in denen das Können und Wissen so vieler sediert und darauf wartet, Amerika zur Verfügung zu stehen. Jedoch, die Skepsis, mit der die Amerikaner von jeher ihre öffentlichen Institutionen betrachten, wird durch diesen Präsidenten auf paradoxe Art nur noch weiter gesteigert. Michael Lewis im SPIEGEL-Interview: „Trump glaubt tatsächlich, dass der Staat nutzlos ist.“ (26.1.2019) Während der Präsident die Führungsmannschaft fast im Monatsrhythmus auswechselt, schildert Lewis, was das im Staatsapparat auf lange Sicht in Amerika anrichtet.