Über Beethoven. Ein Leseabend zum Beethovenjahr 2020

Dichter und Musiker über Ludwig van Beethoven

Beethovens Leben und Werk hat in der Literatur zahlreiche Spuren hinterlassen. Ihnen folgt dieser Leseabend in den Werken u. a. von Marcel Proust, Thomas Mann und Lew Tolstoi.

E.T.A. Hoffmann urteilte: Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes.

Die Ambivalenz seiner Musik, die von Überwältigung und Befreiung bis zum Ausdruck direkter Gewalt reicht, zeigt sich in den Texten von Romain Rolland, Carson McCullers oder Anthony Burgess.

Termine:

Buchhandlung Ute Hentschel e.K.
Mittwoch, den 18. März 2020
Hauptstr. 26
51399 Burscheid

 

Neuerscheinungen zum Beethovenjahr

Bücher zum Leseabend.

Zu Michael Schikowski.

// Immer schön sachlich

// Leseabend

„Welche Siege, welche Verluste!“ – Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

ein Leseabend zum 150. Jahrestag des Deutsch-Französischen Krieges mit Michael Schikowski

Die Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg bescherte Frankreich eine lange Zeit der Krise. Die Losung lautete damals: „Immer daran denken, niemals davon sprechen“. Es entstanden zur Wiederaufrichtung des französischen Selbstbewusstseins Kirchen wie Sacre-Coeur und Romanwerke wie Romain Rollands „Johann Christof“.

Für Preußen endete der Krieg von 70/71 mit einem Sieg und der Reichsgründung, von dem sich weder Preußen noch das Deutsche Reich je wieder erholen sollte. Nietzsche war der erste scharfe Kritiker des kulturellen Überlegenheitsgefühls der Deutschen. Die kollektiven Erfahrungen dieses Krieges bilden für den späteren Ersten Weltkrieg, seinen Beginn und Verlauf eine wichtige Erklärungs- und Wahrnehmungsresource. Fontane schrieb: „Welche Siege, welche Verluste! … noch zwei solcher Siege und – wir sind ruiniert.“

An diesem historischen Leseabend werden die mal analytischen und mal darstellenden Texte u.a. von Friedrich Nietzsche, Romain Rolland, Theodor Fontane, Emile Zola und Karl May zu hören sein.

 

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor DostojewskiGeorge EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenVictor Hugo Franz KafkaGottfried Keller Jack LondonThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliRomain Rolland Anna SeghersLew Tolstoi

Ein historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Bücher

Mehr Verstehen, weniger Verständnis

Timo Lochocki
Die Vertrauensformel
So gewinnt unsere Demokratie ihre Wähler zurück
Herder 2018

Bis auf ganz wenige Ausnahmen bringen Bücher, zumal in der Form des populären Sachbuchs, Ordnung in unseren Kopf. Schlicht dadurch, dass sie Sätze enthalten, die Sachverhalte in eine Reihenfolge bringen oder als Ursache und Wirkung darstellen. Darin sind sie für jeden Leser überprüfbar. Einfach darum, weil wir zurückblättern können.

In den Debatten, die uns die Populisten mit einem enormen Erfolg aufzwingen, können wir genau dies nicht. Wir können weder die Zeit anhalten – gleichsam die Lektüre unterbrechen -, noch auf eine Behauptung zurückkommen. Es geht immer weiter. Und dies mündlich, bzw. was die mediale Verbreitung angeht, quasimündlich.

Der Aufreger von gestern lässt uns baff zurück und bevor uns überhaupt eine Entgegnung einfällt, hat man längst an anderer Stelle das nächste Ding rausgehauen. All dies geschieht mit einer Unverfrorenheit und Schnelligkeit, der kaum beizukommen ist. Dass dies auch mit digitalen Medien zu tun hat, dass sie also die Bereitstellungsstruktur schaffen, die die repräsentativ-demokratischen Strukturen aushebeln, wurde hinreichend deutlich – in Büchern.

Was hat es also für einen Sinn, zu Nichtlesern im Medium des Buches zu sprechen? Keinen. Dies meint auch Timo Lochocki, der der Politik, aber auch uns, den allzu schnell einknickenden oder sich wegdrückenden Mitdiskutanten, einige Gegenmittel vorschlägt.

Dazu gehört zunächst einmal, eine eigene Kommunikationsstrategie zu entwickeln und diese mit emotionalen Narrativen auszustatten. Die alte Bescheidenheit und Zurückhaltung aufgeben, das Abwägen und Geltenlassen zurückstellen und die Überzeugungen persönlicher vertreten. Mehr Verstehen, weniger Verständnis. Die Themensetzungen der Populisten liegenlassen, nicht kommentieren oder aufgreifen.

Man möchte hinzufügen: als Linke und Konservative sich endlich wieder mit dem Kern der eigenen politischen Überzeugungen beschäftigen: Marx und Carlyle lesen!

// Bücher

Familienaufstellung mit Todesfolge

Vivek Shanbhag
Ghachar Ghochar
Roman
Aufbau 2018

Familien haben ihre eigene Sprache und ihr eigenes Schweigen. Über ein Band, das sich verheddert hat, sagt Anita, die junge Braut des Erzählers, es sei ghachar ghochar. Am nächsten Tag greift er das auf: Sie hatte mir diese geheimen Worte, die in keiner Sprache existierten, anvertraut, und ich war jetzt einer der einzigen fünf Menschen in der Welt, die wussten, was sie bedeuten.

Es sind Gewohnheiten und Begriffe, um die herum sich eine Familie ordnet. Chikkappa, der Ernährer der Familie, greift später im Roman die Spitznamen auf, die er sich für jedes Familienmitglied ausgedacht hat. Die junge Braut ist verreist. Das lockerte, wie der Erzähler mitteilt, die Knoten in uns auf, die sich über die Jahre immer fester gezogen hatten.

In einem Café reflektiert und erzählt der junge Mann über die Ordnung, die sich seine Familie gegeben hat und die seine junge Braut nicht einfach akzeptiert. Er einnert sich der Ereignisse in der Familie, der Heirat, die kleinen Streitereien und den großen wirtschaftlichen Erfolg der Familie, der vor allem Chikkappa zu verdanken ist.

Scheherazade erzählte um zu leben. Dieser Erzähler erzählt geduldig und gelassen, warum seine Braut vermutlich nicht zurückkehren wird, warum sie vielleicht sterben wird, warum in der Familie darüber kein Wort verloren wird. Und wir erschrecken, wir sind die Komplizen.