Ich werde eine Hexe

 

 

Sylivia Townsend Warner
Lolly Willowes
Roman
Dörlemann 2020

Lolly Willowes ist Sylvia Warners Debütroman aus dem Jahr 1926. Ihr Plädoyer für die Freiheit alleinstehender Frauen beginnt wie ein britischer Gesellschaftroman voller Humor.

Fast unbemerkt – man muss, wie viele ausgezeichnete Bücher, auch dieses Buch zweimal lesen – wandelt er sich im weiteren Verlauf zu einem Meilenstein der feministischen Literatur. Warner endet, wo im Laufe der 1970er die Frauenbewegung anknüpft. Zwei Hörproben zeigen beide Aspekte aus diesem Roman:

// Immer schön sachlich

// Leseabend

Thomas Mann. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Thomas Mann

Für viele gehört das Werk von Thomas Mann zu den unvergesslichen Leseerfahrungen, für andere ist er noch zu entdecken. Thomas Mann ist der Autor, der mit der Zeit, die seine Romane in Anspruch nehmen, herrlich unbesorgt umgeht. Und in der Tat, bei ihm sind Romane wie Musik eine Zeitkunst. Nicht allein darin ist Thomas Mann ein Verteidiger des 19. Jahrhunderts.

Thomas Mann hat mit seinen Romanen wie dem Zauberberg und dem Zyklus Joseph und seine Brüder Meisterwerke der Literatur geschaffen, deren besonderer Reiz nicht zuletzt im verschmitzten Humor liegt. Und darum lernen wir auch hier wieder: Literatur macht glücklich. Er habe, schreibt Heinrich Mann über den Bruder, nachdem dieser für die Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur erhielt, diesen nie wieder wirklich unglücklich erlebt.

Der Erzähler, der „raunende Beschwörer des Imperfekts“, hat bei Thomas Mann zwar noch seine feierliche Würde, die alle Fäden in der Hand haltende olympische Übersicht allerdings längst eingebüßt. Die Haltung bleibt, der Humor hilft.

Michael Schikowski stellt die großen und kleinen Romane Thomas Manns vor und liest aus ihnen. Dabei dürfen Königliche Hoheit und Felix Krull nicht fehlen.

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

Hörproben zum Leseabend

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacÜber BeethovenHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor Dostojewski George EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerGustave FlaubertTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliAnna SeghersLew Tolstoi

Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

 

// Bücher

Die neue Arbeitsplatzbeschreibung

Elizabeth Anderson
Private Regierung
Wie Arbeitgeber über unser Leben herrschen (und warum wir nicht darüber reden)
Suhrkamp 2019

Es sind die jedem zugänglichen Beobachtungen, die ein Theoriewerk verständlich machen. Wer also als Einzelunternehmer in seinem Laden steht, weiß sofort, wovon hier die Rede ist. Denn er verrichtet die Arbeit, die auch seine Mitarbeiter tun, und zwar unter ganz ähnlichen Bedingungen. Und diese Verhältnisse waren, folgt man Elizabeth Anderson, bis nahe an die Ära Lincoln das Ideal des freien Marktes und seiner erwarteten Segnungen. Das Ideal blieb bestehen, die Realität des Marktgeschehens wurde aber ganz anders. Die industrielle Revolution veranlasste die Entstehung großer Unternehmen mit einer streng hierarchisierten Struktur. Eine Struktur der Herrschaft, die Ernst Kantorowicz einmal, als er über die mesopotamischen Großreiche schrieb, als „managerial und hydraulisch“ bezeichnete.

Das Buch von Elizabeth Anderson ist mit Kommentaren und Aufsätzen ausgestattet. Darin schreibt Ann Hughes: Andersons erstes Kapitel ist eine beispielhafte Vorführung, wie man historisches Material als eine Schatzkammer für die Vorstellungskraft einsetzen kann und als ein Vermächtnis für die Gegenwart behandelt.

Die Pointe bei Andersons Blick in die tiefe Vergangenheit des Marktes und seiner Theoretiker wie Adam Smith und Thomas Paine ist, dass das Marktdenken zu dieser Zeit wesentlich links war. Der Einzelunternehmer stand den vielen alten bevorrechtigten Institutionen gegenüber, vor allem den Gilden und dem Adel, und sollte gestärkt werden. Unter den heutigen Bedingungen aber erleben wir die Unternehmen als Staat im Staate.

Der historische Rückgriff ist notwendig, denn der öffentliche wirtschaftspolitische Diskurs ist nach Elizabeth Anderson intellektuell zu dürftig ausgestattet, um mit diesen Herausforderungen fertig zu werden.

Da die heutigen Unternehmen zutiefst kollektivistisch und nahezu absolutistisch organisiert sind, ist Elizabeth Anderson davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten (…) im Arbeitsleben von kommunistischen Diktaturen regiert wird. Diese Regierungen verdanken sich keiner Wahl der Arbeitnehmer. Sie sind ihr an ihrem Arbeitsplatz vollständig ausgeliefert, heute mehr als jemals zuvor.

// Bücher

Das fotografische Gedächtnis

Barbara Frischmuth
Verschüttete Milch
Roman
Aufbau 2019

Im Jahre 1968 debütierte Babara Frischmuth mit dem Roman „Klosterschule“. Ein Buch, das es in Österreich bis zur Schullektüre brachte. Nun erzählt sie in „Verschüttete Milch“ die Vorgeschichte ihrer Heldin.

Dort wächst sie in den 1940er Jahren in einer Hoteliersfamilie in einem kleinen Ort im Salzkammergut auf. Die tiefen Eindrücke des Kindes, im ersten Teil stets die Kleine, dann Juli, schließlich Juliane. Juliane soll das Hotel übernehmen.

Es sind die Fotografien, nach denen sich ihre Heldin Juliane ihre Erinnerungen an ihre Kindheit aufruft. Mit den Fotos erinnert sie sich zahlreicher Details ihrer Kindheit. Und mitten im Buch greift die Erzählerin voraus: Ein englischer Adeliger kaufte das Haus Ende der fünfziger Jahre und ließ es abreißen, da ihm die Sanierung als zu aufwändig erschien. Wie sagt schon das entsprechende englische Sprichwort dazu: Who cries about spilled milk?