Das Jahr der Frauen

Unda Hörner
1919
Das Jahr der Frauen
Ebersbach und Simon 2018

Unda Hörner erzählt aus jedem Monat des Jahres 1919, dem Jahr, in dem für die Frauen alles möglich schien. Trotzdem wäre es falsch die Vorarbeit der Frauen in Deutschland wie in England und der Vereinigten Staaten zu unterschätzen. In Preußen lag der Anteil der Frauen unter den Studierenden bereits bei fast zehn Prozent. Die Reformideen der Frauen in der Bildungs- und Sozialarbeit um 1900 trugen entscheidend zum Jahr der Frauen von 1919 bei.

Maria Juchacz hält als erste Frau eine Rede im Reichstag, Käthe Kollwitz wird an die Akademie der Künste berufen. Ereignisse, die freilich aus einem enormen Reformstau der Gesellschaft herrühren, die den Kriegszielen des Ersten Weltkriegs alles andere unterordnete. Dass auch danach der Kampf um die politische Neuordnung weiter tobt, zeigt der Mord an Rosa Luxemburg. Weiterhin erzählt Unda Hörner u.a. von Sylvia Beach, Marie Curie und Coco Chanel.

 

// Immer schön sachlich

// Bücher

Ablösung als Annäherung

Mercedes Lauenstein
Blanca
Roman
Aufbau 2018

Mercedes Lauenstein erzählt in ihrem Roman von Blanca, die an den Ort zurückkehren möchte, an dem sie glücklich war. Zusammen mit ihrer Mutter, die es nie lange irgendwo aushielt, war sie dort zum ersten Mal ein wenig zu Hause, ein wenig verliebt. Die genaue Adresse kennt sie nicht, also macht sich die Fünfzehnjährige allein auf den Weg nach Italien, an die Küste.

Blanca reist an der Linie und über die Linie, die als ungefährlich und normal gilt. Auf ihrem Weg erinnert sie sich an ihre Mutter, ihre Beziehungen, ihre stets neuen Aufbrüche und Abbrüche.

Blanca geht ihren Weg allein, eine Flucht vor ihrer Mutter, die sie nur allzuoft verließ, die wochenlang weg war, und die sie nun ihrerseits verlässt. Verlassen werden und verlassen. Eine kraftvolle Ablösung als unweigerliche Annäherung.

// Leseabend

Louise Erdrich. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

in Vorbereitung

Louise Erdrich Romane sind Das Wunder von Little No Horse, Der Gott am Ende der Straße, Ein Lied für die Geister, Liebeszauber, Der Club der singenden Metzger, Solange du lebst, Die Rübenkönigin, Das Haus des Windes.

// Bücher

Der Service des Verschwindens

Sayaka Murata
Die Ladenhüterin
Roman
Aufbau 2018

Was wünschen wir uns eigentlich, wenn wir korrekt und schnell bedient werden wollen? Gewiss einen Menschen wie die Angestellte Keiko Furukawa, die in einem Kiosk arbeitet – einem Konbini, wie er in Japan heißt, einer japanischen Verballhornung des amerikanischen Convenience.

Was Keiko Furukawa hier gesagt und gezeigt bekommt, ist für die Kunden wichtig und für den Laden existentiell. Dass es aber für Keiko der Eintritt in eine neue und sichere Welt bedeutet, schildert dieser Roman, der endlich den Servicegedanken, von dem immer so leichtfertig die Rede ist, zu Ende denkt.

Keiko lernt die richtige Begrüßung der Kunden, den richtigen Gesichtsausdruck und prompten Service. Dass einmal – vor allem durch Nachlässigkeiten der Kollegen, die alle, wie sie selbst, Aushilfen sind – die Kasse unbesetzt sein könnte, ist ihr ein Greuel. Um besser einschlafen zu können, denkt sie an die Arbeit im Konbini. Es hilft ihr der Gedanke, dass alles seinen vorgeschriebenen und geordneten Gang geht.

Dass dann Shiraha im Konbini beginnt, ein ziemlich gewöhnlicher Taugenichts, bringt ihre Welt aus den Fugen. Weder verräumt er die Ware richtig, noch nimmt er die Anweisungen ernst. Sind wir nur Störenfriede der funktionierenden Abläufe, wenn wir jemand sind? Ist die konzentriert verrichtete Arbeit eine bewußtseinserweiternde Meditation? Keiko jedenfalls hat das Ziel, dahin zurückzukehren, wo der Service sie zum Verschwinden bringt.