Der Service des Verschwindens

Sayaka Murata
Die Ladenhüterin
Roman
Aufbau 2018

Was wünschen wir uns eigentlich, wenn wir korrekt und schnell bedient werden wollen? Gewiss einen Menschen wie die Angestellte Keiko Furukawa, die in einem Kiosk arbeitet – einem Konbini, wie er in Japan heißt, einer japanischen Verballhornung des amerikanischen Convenience.

Was Keiko Furukawa hier gesagt und gezeigt bekommt, ist für die Kunden wichtig und für den Laden existentiell. Dass es aber für Keiko der Eintritt in eine neue und sichere Welt bedeutet, schildert dieser Roman, der endlich den Servicegedanken, von dem immer so leichtfertig die Rede ist, zu Ende denkt.

Keiko lernt die richtige Begrüßung der Kunden, den richtigen Gesichtsausdruck und prompten Service. Dass einmal – vor allem durch Nachlässigkeiten der Kollegen, die alle, wie sie selbst, Aushilfen sind – die Kasse unbesetzt sein könnte, ist ihr ein Greuel. Um besser einschlafen zu können, denkt sie an die Arbeit im Konbini. Es hilft ihr der Gedanke, dass alles seinen vorgeschriebenen und geordneten Gang geht.

Dass dann Shiraha im Konbini beginnt, ein ziemlich gewöhnlicher Taugenichts, bringt ihre Welt aus den Fugen. Weder verräumt er die Ware richtig, noch nimmt er die Anweisungen ernst. Sind wir nur Störenfriede der funktionierenden Abläufe, wenn wir jemand sind? Ist die konzentriert verrichtete Arbeit eine bewußtseinserweiternde Meditation? Keiko jedenfalls hat das Ziel, dahin zurückzukehren, wo der Service sie zum Verschwinden bringt.


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