Saison 2026

Zu viele ungültige Versuche

Der Literaturclub mit Texten von Heine, Walser, Roth und Brecht in der Bonnboniere während der 15. Mülheimer Nacht
Musik: Nachspiel

Samstag, 25. April 2026

 

 
 

 

Sarah Jäger

Moderation: Marie Foulis

Die Preisträgerin des Deutschen Jugendliteraturpreises 2025 ist wieder im Mülheimer Literaturclub zu Gast. Vor sechs Jahren war sie bereits mit ihrem ersten Buch Nach vorn, nach Süden in Mülheim. Einige Bücher später – Die Nacht so groß wie wir, Schnabeltier Deluxe, Das Feuer vergessen wir nicht – ist sie nun eine gefeierte Jugendbuchautorin. Für das Buch Und die Welt, sie fliegt hoch erhielt Sarah Jäger den Deutschen Jugendliteraturpreis. Über ihre Bücher, ihr Schreiben wird sie mit Marie Foulis von der Schreibwerkstatt Köln sprechen. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 10. Mai 2026
Beginn 11 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

 

 

Musa Deli: Unsichtbare Mauern

Moderation: Michael Schikowski

Musa Deli beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Paradigma der Integration. Trotz zahlreicher Programme, Konzepte und politischer Bekenntnisse scheitert sie allzu oft. Deli zeigt, dass viele dieser Bemühungen nur an der Oberfläche wirken – als Versprechen, die unsere Strukturen, Institutionen und Denkweisen, unser Selbst- und Weltbild also, kaum erreichen.

Was Integration blockiert, sind nicht nur fehlende Maßnahmen, sondern unausgesprochene Erwartungen, stille Normen und tief verankerte Bilder von Zugehörigkeit. „Die Mauern, die uns trennen, stehen nicht zwischen Kulturen – sie stehen in den Köpfen derer, die glauben, sie hätten keine.“

Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen jene unsichtbaren Mauern, die Teilhabe erschweren: unbewusste Haltungen, vertraute Muster der Ungleichheit und Bilder von Normalität, die häufig unausgesprochen bleiben. Sie formen unser gesellschaftliches Zusammenleben stärker, als es uns bewusst ist. Deli zeigt, dass Integration nicht nur an Migranten scheitert, sondern auch an einer Dominanzgesellschaft, die Vielfalt nur akzeptiert, wenn sie möglichst unsichtbar bleibt. Diese Mauern wirken nicht laut, sondern leise – in Klassenzimmern, Ämtern, Betrieben und Alltagsbegegnungen. Gerade weil sie unsichtbar sind, prägen sie Biografien, Selbstwert und Chancen über Generationen.

Auch das Stadtbild, so Deli, ist nicht einfach eine Kulisse, sondern Ausdruck dessen, wer sichtbar wird und wer unsichtbar bleibt. Gesellschaft ist kein festes Bild, sondern ein Prozess. Was in Biografien, Wirtschaft und Politik selbstverständlich ist – Entwicklung –, muss auch für das gesellschaftliche Miteinander gelten. Doch viele erleben Veränderung als Verlust, und genau dort entstehen jene unsichtbaren Mauern, die Deli beschreibt.

Deli macht sichtbar, wie sich Zugehörigkeit und Abgrenzung im Stadtbild spiegeln – und wie sehr sie unsere innere Haltung prägen. Er zeigt, dass der Mythos „gelungene Integration“ zusammenbricht, sobald knappe Ressourcen wie Macht, Wohnraum oder Chancen ins Spiel kommen.

Als Sozialpsychologe und Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten in Köln ist Musa Deli seit Jahren teilnehmender Beobachter einer Gesellschaft, die sich zwischen dem Wunsch nach Stabilität und der Realität des Wandels bewegt. Er lädt dazu ein, gemeinsam über unser Stadtbild, unser Selbstbild und unser Weltbild zu reflektieren – und darüber, wie Integration gelingen kann, wenn wir das Unsichtbare sichtbar machen.

Sein Blick verbindet persönliche Erfahrung, psychologische Analyse und gesellschaftliche Realität – und zeigt, warum Integration keine Frage von Anpassung, sondern von gleichberechtigter Teilhabe ist. Deli warnt: Jede Wahlkampfrhetorik beschädigt Zugehörigkeit nachhaltiger, als Maßnahmen sie heilen könnten.

Musa Deli ist Sozialpsychologe und Leiter des Gesundheitszentrums für Migrantinnen und Migranten in Köln. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Migration, Integration und gesellschaftlichem Wandel. 2022 erschien sein Buch Zusammenwachsen. Die Herausforderungen der Integration, 2023 folgte eine Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Im April 2026 erscheint sein neues Buch Unsichtbare Mauern: Warum unser Paradigma der Integration scheitert – und Migration Zukunft statt Bedrohung bedeutet im Bonifatius Verlag, Paderborn.

Kalker Buchladen
Kalker Hauptstr. 170
Freitag, den 29. Mai 2026
Beginn 19 Uhr
Eintritt frei

 

 

Lyrischer Landgang

Christoph Danne bekommt Besuch von der Lyrikerin Simone Scharbert. Gemeinsam sprechen sie über aktuelle Lyrik, ihre und die der anderen, verborgene Einflüsse und Vorbilder. Von Rilke über Bachmann, von Villon bis heute. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 30. Mai 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

Mülheimer Literaturclub zu Besuch

Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben
Sommer 2026
Beginn 20.30 Uhr, Eintritt frei

 

 

 

Max von der Grün

Lesung zum 100. Geburtstag von Max von der Grün am 25. Mai 2026

Mit Irrlicht und Feuer von Max von der Grün erschien 1963 eine für das lesende Publikum vollkommen neue Art von Literatur. War sein Erstling Männer in zweifacher Nacht aus dem Jahr zuvor noch weitgehend unbeachtet geblieben, wurde diese Provokation der restaurativen Zeit der frühen 60er Jahre sehr viel ernster genommen.

Das literarische Neuland, das der Bergmann und Autor Max von der Grün damit betrat, mündete schließlich in die Gründung der Dortmunder Gruppe 61 – wurde von der Grüns Darstellung der Arbeitswelt unter Tage doch auch von der IG Bergbau scharf zurückgewiesen.

Von der Grüns Anspruch war, wie es bei ihm heißt, frei von politischen und staatlichen Aufträgen und Richtlinien mit den sozialen und menschlichen Problemen der industriellen Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Von der Welt und Menschen verändernden Kraft der Literatur war er überzeugt: Ob Literatur die Welt verändern kann? Mich hat die Literatur verändert – und in bin Teil dieser Welt.

An diesem Leseabend wird das Beste aus Max von der Grüns Romanen zu hören sein.

Mülheimer Literaturclub
Samstag, 11. Juli 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt 10/8 €

 

 

 

 

KLANGRAUM – Holz, Blech und Blumen

Talking Horns und Mülheimer Literaturclub

Die Talking Horns – das sind: Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Bernd Winterschladen und Stephan Schulze  – erzählen ihre Geschichten mit Blech- und Holzinstrumenten. Die Facetten ihrer Musik reichen von schlichter, auch idyllischer Homophonie und kammermusikalischer Qualität bis hin zu komplexer Polyphonie und Polyrhythmik. Ein apartes Erlebnis musikalischer Tiefe ohne Verstärker, Pixel und Pomp, bereichert durch die poetischen Blumen von Dada bis Unsinn, die Michael Schikowski auf den Irrwegen des Absurden eingesammelt hat.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS und KLANGRAUM Klassik.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 4.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 18/10 €

 

 

 

 

 


Franz Kafka und Dora Diamant

mit Ronka Nickel und Hans Schwab

Die Regisseurin Ronka Nickel und der Schauspieler Hans Schwab lassen Franz Kafka und seine Welt lebendig werden. Projizierte Fotos laden ein zum Eintauchen in das Prag von Kafka und seiner damaligen Zeit. Hans Schwab liest aus Originaltexten, Briefen und Erinnerungen über diesen einzigartigen Menschen Kafka. Ronka Nickel spannt den Bogen durch sein Leben. Seine Familie, seine Freunde, die Frauen seines Lebens machen neugierig auf diesen Autor und sein Werk. Kafka gilt als schwieriger Autor, der in Rätseln spricht und gleichzeitig völlig modern wirkt. Gerade deshalb ist er bis heute so spannend. Sein kurzes Leben ist steter Kampf, zähes Ringen um seine Kunst und dichtes, lebendiges Erleben. Das wird spürbar gemacht durch Ronka Nickel und Hans Schwab. Und es blitzen überraschende Seiten des Franz Kafka auf: komische, zärtliche und zugewandte.

Nach der Pause erzählen Nickel & Schwab über das Leben der Dora Diamant. Wieder unterstützt mit projizierten Originalaufnahmen. Sie war die letzte Liebe Kafkas und mit ihr erlebte er ein nie geahntes Ausmaß an Glück. Ihr Leben führte sie aus der tiefsten Provinz in die Großstadt Berlin, zu Kafka und dann mitten in die irrsinnigen Wirren des 20. Jhdt. Moskau, London, Israel sind die Stationen einer Biographie, die erschüttert und berührt. Trotzdem: Das Leben einer Frau, das Mut macht, anrührt und die Zuhörer voll Bewunderung für Dora Diamant zurücklässt. Ein leidenschaftlicher und spannender Abend.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 24.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 15/10 €

Joseph Roth. Ein Leseabend

Joseph Roth zählt zu den bedeutendsten Erzählern des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Romanen HiobRadetzkymarsch und Die Kapuzinergruft hat er Weltliteratur geschaffen. Im Untergang der Habsburgermonarchie erzählt Roth den Untergang des alten Europa.

Als Erzähler und bedeutender Journalist gehört er zu den seinen Lesern zugewandten Autoren. Mit seinen Feuilletons wurde Roth zu den gefragtesten Journalisten seiner Zeit. Genauigkeit und lebendige Bildlichkeit machen seine Texte zu einer auch heute noch unbedingt fesselnden Lektüre.

Was kann also näher liegen als einen Erzähler der Über- und der Untergänge zu entdecken, der mit sicherem erzählerischen Instinkt und unverwechselbaren Stil das Leben der Zwischenkriegszeit zeichnet. Roth, der selbst den Weg vom jüdischen Außenseiter zum Starjournalisten der Weimarer Republik ging, schafft Figuren, die von Unsicherheit, Melancholie und oft nihilistischer Verzweiflung geprägt sind. Roth wurde 1894 im galizischen Brody geboren und starb 1939 im Pariser Exil.

An diesem Leseabend wird das Beste von Joseph Roth zu hören sein.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 31.  Oktober 2026
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

Die schönen Seiten des Lesens

Carina Giesen, Mirjam Seelbach-Geese, Julia Schönewolf, Nina Maibücher und Pia Ciesielski sind Buchhändlerinnen, die mit ihren eigenwilligen Literaturempfehlungen nach Mülheim kommen. Wie jedes Jahr im Herbst stellen sie ihre Entdeckungen und Lieblinge im Mülheimer Literaturclub vor. Romane, die unterhalten und begeistern, spannende und berührende Geschichten – das Beste aus der Fülle der Neuerscheinungen aus diesem Jahr.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 15. November 2026
Beginn 18 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

 

 

Lieblingsstücke

Musik und Lesung

Die Klavier-Studierenden der HfMT Köln und der Mülheimer Literaturclub präsentieren ihre Lieblingsstücke. Werke der Literatur, die wir gerne hören. Werke der Klavierliteratur, die wir gerne spielen. Der Abend wird von den Studierenden der Klavierklasse Prof. Gesa Lücker und dem Mülheimer Literaturclub gemeinsam gestaltet. Lesung: Michael Schikowski.

Eine Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln, Wiener Platz. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der HfTM Köln und der Kölner VHS.

Tickets unter: vhs-kundenzentrum (at) stadt-koeln.de

Bezirksrathaus Wiener Platz
Donnerstag, 26. November 2026
Beginn 18 Uhr – Eintritt frei

 

 

 

Und kerzenhelle wird die Nacht

der 7. Weihnachtsabend mit dem Mülheimer Literaturclub und den Dellbrücker Symphonikern

Lieder, Geschichten und Gedichte zur Vorweihnachtszeit mit Barbara Böhler und Michael Schikowski. Das Ensemble der Dellbrücker Symphoniker unter der Leitung von Albert Otto-Gaede begleitet diesen Abend mit weihnachtlichen Glanzstücken klassischer Musik.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kölner VHS.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Sonntag, 6. Dezember 2026
Beginn 18 Uhr, Eintritt: 10/8 €

 

 

Robert Walser. Ein Leseabend

Robert Walser (1878-1956) ist einer der wichtigsten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Romane, Jakob von Gunten, Geschwister Tanner und Der Gehülfe beschäftigen sich vor allem mit einer neuen Sozialfigur der Literatur: dem Angestellten. In seinen zahlreichen eigensinnigen Feuilletons ist er, der Meister der Selbstverkleinerung, der Meister der kleinen Formen.

In der modernen auf Service und Dienstleistung fixierten Welt der Kunden und Könige wird vor allem einseitige Unterordnung verlangt. Im Angestellten sind Anpassung und Flexibilität das Entscheidende – ein Profil wie ein Kochlöffel.

In diese Welt der zahllosen hilfreichen Handreichungen eines stets unsichtbar agierenden Personals, die das Gerede von der Servicewüste nur immer noch lauter werden lässt, passen die Figuren Robert Walsers wie bei einer modernen Arbeitsagentur bestellt. Man lernt hier sehr wenig, so beginnt einer seiner Romane, wir werden es zu nichts bringen, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein.

Aber aus dieser immer besonders herausgestrichenen Unbrauchbarkeit ergibt sich bei Robert Walser gleicherweise eine erhebliche Renitenz wie ein großer Humor. Franz Kafka schrieb über Walser bereits 1909: Mit leichtem Gepäck und offenen, unbestechlichen Augen wandert dieser moderne Taugenichts durch die Welt, und am Ende wird nichts aus ihm als das Vergnügen des Lesers.

Mülheimer Literaturclub im Et Kapellche e.V.
Samstag, 2. Januar 2027
Beginn 19 Uhr, Eintritt: 10/8 €