Literarische Sachbücher

Formen – Funktionen – Praktiken

Organisation: Christian Meierhofer (Karlsruhe/Bonn), Gunther Nickel (Darmstadt), Michael Schikowski (Köln)

Workshop von Non Fiktion in Verbindung mit dem Deutschen Literaturfonds
Bonn, 14. und 15. September 2023

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// Sachbuchforschung

Sag beim Abdruck leise Danke – warum sich Autoren nicht überall bedanken müssen

Mein erster Danke gilt meiner Frau. (sic)
Bernhard Bueb

Kürzlich hörte ich von einem Streit zwischen einem Autor und seinem Agenten. Letzterer wollte sich unbedingt in der Danksagung erwähnt wissen. So als wäre es selbstverständlich, dass wenn ein Buch nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt würde, damit schon klar wäre, dass der Autor sich zu bedanken habe. Und zwar zunächst beim Agenten.

Dieser Agent hat richtig beobachtet, dass inzwischen immer weniger Bücher erscheinen, in denen nicht ausführlich und lückenlos gedankt würde. Zweifellos aber wird nicht nur der vom Schreibprozess aufgeriebenen Familie gedankt, den inzwischen getrennt lebenden Partnern, den Eltern, die für das Buch ohnehin keinerlei Verständnis aufbringen, und den inzwischen vollkommen verwahrlosten Kindern, sondern auch den Agenten, die die ruinöse Idee zum Buch hatten. Man stelle sich aber einmal vor, Thomas Mann, der Peter Voss der Weltliteratur, hätte sich genötigt gefühlt, sich zu bedanken. Und wäre dies auch nur für einen seiner Romane geschehen, der Schaden für die Deutungen produzierende Germanistik wäre gar nicht abzusehen.

Ein Blumenstrauß reicht

Der wichtigste Grund, der einer zu ausführlichen Danksagung widerspricht, ist die Idee der Autorschaft. Beginnt eine Danksagung schon beim Agenten, der die Idee zum Buch hatte und im Autor sein dankbares Opfer gefunden hat, dann endet sie zumeist auch mit dem Lektor, der das vollkommen unbrauchbare und ausufernde Manuskript neu geschrieben und auf schlanke einhundertsechzig Seiten gebracht hat. Es muss doch nicht jeder wissen, dass zwischen der ersten Idee und dem fertigen Buch ein Autor als saure Gurke in der Sandwichsituation steckte! » weiter lesen

// Bücher

Ein Fangbuch für Leser

Andreas Möller
Traumfang
Eine Geschichte vom Angeln
Ullstein 2009

Ein fein geschriebenes Buch über das Angeln und natürlich, wie kann es anderes sein, über den Vater und, um auch dies noch zu nennen, über das Schweigen am Granbower See. Das Fangbuch, das Möller als Jugendlicher zu führen beginnt und in dem Datum, Gewicht und Abbildungen der Fänge gesammelt werden, mag Möller als Faden in die Vergangenheit genützt haben. So richtig nach Fisch riecht es dann in diesem Buch jedoch nur wenig. Gelegentlich wird an Schreibempfehlungen erinnert wie die, seine Eindrücke zu schildern. So leitet Möller einen Abschnitt mit: „Zu den Eindrücken dieses Sommers gehört auch…“ ein. Dass man dem Buch keine Abbildungen von Fischen mitgeben wollte, versteht sich von selbst. Kein Fischbuch sollte es werden, sondern ein literarisches Sachbuch und ein Fangbuch für Leser. Aber hat Möller den Kescher schon vor dem Fang zurechtgelegt?

// Bücher

Bruder Albrecht

Wolfgang Ullrich
Raffinierte Kunst
Übung vor Reproduktionen
Wagenbach 2009

Dass die Reproduktion insgesamt ein Kennzeichen des Verfalls sei, die Filmkopie, die Zeitung im Rotationsdruck, das Buch für den Massenmarkt schließlich ebenso, das ist gängiges Ressentiment bis heute. Da kommt der Aufsatz Benjamins vom ‚Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‘ lediglich noch als Titel, viel weniger als Lektüre in Frage. Als nahezu „abschließend“, meint Wolfgang Ullrich, hat hier Benjamins Schlagwort gewirkt.
Meister des Marketings mit Reproduktionen sind aber nicht die Brüder Karl und Theo Albrecht, sondern ein Künstler eben der Zeit, in der künstlerische Individualität allererst erfunden wird, Albrecht Dürer. Die Faksimileausgabe seines Marienlebens, das er in nicht wenigen Ausgaben hervorragend zu vermarkten wusste, wird nun von Prestel in einer Schmuckkassette mit einem Begleitbuch wieder zugänglich gemacht.