Die Welt der Wählscheibe

 

Till Penzek und Julia Neuhaus
Als die Großen klein waren
Ein Album verschwundener Dinge
Nilpferd 2019

Die Eltern, die dieses Buch kaufen, erinnern sich vielleicht, dass es interessant war, wenn ihre Großeltern von früher erzählten, als alles anders war. Jetzt ist es so, dass zwischen den Kindern, die gerade das Schulalter erreicht haben, und ihren Eltern die Kluft der Digitalisierung unseres Alltags liegt. Begriffe wie Telefonkette, Negativ und Videokassette verschwinden. Angesichts einer Schreibmaschine, fragen Kinder nach dem Bildschirm.

Eltern erinnern sich an die Qual der Wahl in der Videothek für den Film am Wochenende, die Mark dafür, dass er nicht zurückgespult war, an das Warten an der Telefonzelle, um während der Klassenfahrt nach Hause zu telefonieren.

Ein herrliches und überaus witziges Erzähl- und Erinnerungsbuch. Auch für Väter, die mal was anderes machen können, als mit dem Sprössling Fußball zu spielen – reden zum Beispiel.

// Immer schön sachlich

// Bücher

Die deutsche Wasserlandschaft


David Blackbourn
Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft
DVA 2007

Am liebsten werden doch immer noch, daran wird auch unsere Sachbuchbegeisterung nichts ändern, Romane gelesen und unter den Romanen die Kriminalromane, und innerhalb dieser, werden die Dialoge bevorzugt. Personenbeschreibungen werden zwar seltener überblättert, immer jedoch die Landschaftsbeschreibungen. Wollte man das bei Adalbert Stifter oder Wilhelm Raabe versuchen, wäre man mit der Lektüre schnell zu Ende.
Die Eingriffe des Menschen in die Natur drehen sich an den entscheidenden Punkten immer nur um das Wasser. Die Eroberung der Wildnis ist die Beherrschung und Kontrolle des Wassers. Daher erzählt Blackbourn die Geschichte der deutschen Landschaft als Geschichte der trockengelegten Moore, der begradigten Flüsse und der Staudämme. Blackbourn erzählt dabei von Friedrich dem Großen, der die Trockenlegung des Oderbruchs als Eroberung einer Provinz im Frieden bezeichnete, von Johann Gottfried Tulla, der den Rhein begradigte mit Folgen, die man noch heute zu spüren bekommt (das Wasser fließt schnell ab, schafft sich so eine tiefere Rinne) und von Otto Intze dem erfolgreichen Erbauer der Staudämme in Deutschland.

// Bücher

Der Trend als Wille und Vorstellung – Buchmesse 2008

Der Trend ist eine Vorstellung, der wir alle mit großer Leidenschaft anhängen. Um die eiligen Leser nicht allzu sehr auf die Folter zu spannen, nenne ich gleich vorneweg als die wichtigsten Trends im Sachbuch: Gehirn, Varusschlacht, 1968, Russland, Sex, Arbeit, Evolution, 1900, Reisen, Migration, Glück. Die schon länger erscheinenden Bücher zu den Themen: Klima, Asien und Wissen/Bildung lasse ich hier schon mal weg.

Manchmal ist der Trend kaum mehr als die Beobachtung einer Häufung. Trends im Buchhandel vermitteln sich über eine Liste von Büchern, die zu einem Thema zur selben Zeit erschienen sind. Insofern ist der Trend eine Vorstellung oder genauer Ordnungsvorstellung. Diese Häufung wird gelegentlich als der Trend selbst ausgegeben. Das wäre dann eine sehr bescheidene Form eines Trends. » weiter lesen

// Sachbuchforschung

Der ehrbare Kaufmann

Alte Sachbücher kommen immer wieder in Mode und sei es nur durch den Titel. So ist in den Zeiten der Krise der Finanzmärkte häufiger wieder vom ehrbaren Kaufmann die Rede. Was das denn für einer sei, hat 1936 bereits Theodor Bohner in seiner Geschichte des Handels und der Gewerbe versucht festzustellen. Im ersten Kapitel verteidigt er das Altfränkische des Titels gegen neuere Formulierungen, denn die gerade heute wieder entdeckte Realwirtschaft bildete auch schon damals die Basis aller Wertschöpfungen. Eine Neuauflage des Buches erschien 1956. Die Einleitung und das Inhaltverzeichnis der Erstausgabe lässt sich hier lesen: http://www.sachbuchforschung.de/SBDB/pix/PDF/Bohner-Kaufmann-Inhalt.pdf

Theodor Bohner
Der ehrbare Kaufmann. Ein Jahrhundert in Deutschlands Kontoren und Fabriken
Meiner Verlag