Fjodor Dostojewski. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Fjodor Dostojewski

 

Dostojewski beginnt seine schriftstellerische Laufbahn als Anhänger der westlichen Literatur und ihrer Emanzipationsbestrebungen. Er schreibt mit Arme Leute den ersten bedeutenden sozialen Roman Russlands. Nach seiner Verhaftung und in der Verbannung wandelt er sich. Die Ideen Europas werden ihm zum Gegenbild. Vor allem das Europa des beschleunigten Kapitalismus und des wachsenden Unglaubens.

In seinen Romanen, vor allem Der Idiot, Die Dämonen und Die Brüder Karamasoff, entwickelt er die Idee einer historischen Aufgabe Russlands. Hier entsteht die Idee der russischen Seele.

Dostojewski gestaltet die Welt der Menschen als durch religiöse Mächte und philosophische Motive bestimmt. Dass er dies als Psychologe unternimmt und in der Form des Romans gestaltet, im Medium der großen europäischen Kunstform, macht ihn zum modernsten Schriftsteller, den wir im Augenblick haben.

 

Buchhandlung am Markt, Hennef
Mittwoch, 17. Februar 2027
Beginn 19 Uhr

 

// Immer schön sachlich

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Unerledigte Post

Christina von Braun
Stille Post
Eine andere Familiengeschichte.
Propyläen 2007

Das Glück der Christina von Braun ist zweierlei: Sie ist Professorin für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, dreht Filme und war Mitbegründerin der gender studies. Das ist das eine Glück. (Gerade ist erschienen Christina von Braun und Bettina Mathes: „Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen.“ Aufbau 2007) Das andere Glück ist, dass sie aus ihrer Familie einen umfangreichen Nachlass aus Tagebüchern und Briefen überliefert bekam.

Die Dokumente erweisen sich als Stille Post im Sinne unerledigter Erbschaften, wie geheimnisvolle, unausgesprochene Aufträge, die die Mütter ihren Töchtern erteilen. Aufträge, mit denen sich Christina von Braun im Umweg über die Forschung immer schon beschäftigte. Das Buch erzählt das Leben der Großmütter und der Mutter von Christina von Braun. Einmal das Leben der Großmutter Emmy, deren Sohn der Raketenbauer Wernher von Brauns ist. Dann die Geschichte der Großmutter Hildegard Margis. Das Leben ihrer Mutter, Hilde, spielt sich im Umfeld des Diplomaten Ernst von Weizäcker ab. Große Namen, Namen von Männern, deren Lebensweg in diesem Buch aber nur am Rande gestreift wird.

Christina von Braun sagt dazu: „Die Geschichte wurde bisher jedenfalls meistens von den Vätern an ihre Söhne weitergegeben. Bei den Frauen gelangte die Geschichte über die Psyche der Mütter in die nächste Generation und macht sich so in der Psyche der Töchter breit. Die Seele ist sehr viel aufnahmefähiger als ein dickes Buch – aber auch schwerer zu lesen.“

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Natur als Geschichte

Josef H. Reichholf
Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
Fischer 2007

Die Erforschung der Jahresringe an Bäumen, die wertvolle Rückschlüsse auf das Klima in der Vergangenheit liefert, nennt sich Dendrochronologie. Josef Reichholf äußert sich irgendwo im Buch eher skeptisch über sie, was die Umschlaggestalter aber nicht weiter hinderte. Vielleicht dachten sie aber auch daran, dass der Autor in jedem seiner Kapitel vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. » weiter lesen

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Jacobs Kaffee wunderbar

Louise Jacobs
Café Heimat
Die Geschichte meiner Familie.
Ullstein 2007

Louise Jacobs stammt tatsächlich aus dem Clan der Kaffeeröster aus Bremen. 1906 gründete Johann Jacobs die Kaffeerösterei, aus der Walther Jacobs, sein Sohn, im Wirtschaftswunder eine Weltmarke machte.

1970 übernahm Klaus Jacobs die Leitung, fusionierte 1982 mit Suchard und Tobler in Zürich. Das war auch das Jahr, in dem Louise Jacobs geboren wurde. 1990 verkaufte Klaus Jacobs dann das Unternehmen in die USA. Und was macht Louise Jacobs daraus, einen sehr erfolgreichen Tatsachenroman. Denn Louise Jacobs erzählt die Geschichte ihrer Familie mit vielen imaginierten Dialogen. Die Schauplätze dieser Familien- und Wirtschaftsgeschichte gestaltet sie in stimmigen Tableaus, in denen das Landleben, Bremer Kaufmannsstolz und sephardisches Judentum anschaulich wird. Was ihr fast immer gelingt.