// Allgemein
Primärliteratur
Alexander von Humboldt. Kosmos. 1845.
Alfred Edmund Brehm: Brehms Tierleben. Die schönsten Tiergeschichten, ausgewählt, eingeleitet und mit einem Nachwort versehen von Roger Willemsen. Frankfurt: S. Fischer 2006 [EA 1864 – 1869]
Das Neue Universum – Forschung, Wissen, Unterhaltung. Ein Jahrbuch. Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft 1890 ff.
Wilhelm Bölsche: Hausschatz des Wissens. Entwickelungsgeschichte der Natur. Neudamm: Neumann 1896.
Ernst Haeckel: Welträtsel. Bonn 1899.
Wilhelm Bölsche: Ernst Haeckel. Ein Lebensbild. Neuauflage: Berlin: Georg Bondi 1909. [EA Dresden: Reissner 1900]
Wilhelm Bölsche: Das Liebesleben in der Natur. Eine Entwicklungsgeschichte der Liebe. Berlin: Diederichs 1898.
Ernst Haeckel: Kunstformen der Natur. Leipzig: Bibliographisches Institut 1904.
Carl Schillings: Mit Blitzlicht und Büchse. Leipzig: R. Voigtländer 1905.
Curt Grottewitz: Sonntage eines großstädtischen Arbeiters in der Natur. Berlin: Vorwärts 1906.
Friedrich Knauer: Fauna und Flora des Meeres. Berlin 1906. (= Hilgers Illustrierte Volksbücher)
Curt Grottewitz: Unser Wald. Ein Volksbuch. Hrsg. von Wilhelm Bölsche. Berlin: Vorwärts 1907.
Ernst Floeßel: Der Hund. Ein Mitarbeiter an den Werken der Menschen. Ein Beitrag zur Geschichte des Hundes. Wien und Leipzig: Hartleben 1908.
Carl Hagenbeck: Von Tieren und Menschen. Erlebnisse und Erfahrungen. Vita deutsches Verlagshaus 1908.
Karl Saja: Krieg und Frieden im Ameisenstaat. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1908.
Hermann Löns: Mümmelmann und andere Tiergeschichten. Hannover: Sponholtz 1909.
Karl Saja: Die Honigbiene. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1909
Waldemar Bonsels: Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Rütten und Loening 1912.
Adolf Kölsch: Durch Heide und Moor. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1911.
Hermann Dekker: Vom sieghaften Zellenstaat. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1913.
Kurt Floericke: Gepanzerte Ritter. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1915.
Waldemar Bonsels: Himmelsvolk. Ein Buch von Blumen, Tieren und Gott. Berlin: Schuster & Loeffler 1915.
Fritz Kahn: Das Leben des Menschen. Eine volkstümliche Anatomie. Biologie, Physiologie und Entwicklungsgeschichte des Menschen. I. – V. Stuttgart: Franckh’sche Verlagshandlung 1922-1931
Felix Salten: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde [EA 1923]
Kurt Floericke: Wundertiere des Meeres. Franckh’sche Verlagshandlung 1925.
Karl von Frisch: Aus dem Leben der Bienen. Berlin: Springer 1927.
Paul Eipper: Tiere sehen dich an. Berlin: Reimer 1928.
Paul Eipper: Liebe zum Tier. Erlebtes und Geschautes. Berlin: Paul Franke o.J.
Josef Hauer: Die Kleintierwelt unserer Seen, Teiche und Bäche. Freiburg: Herder 1929.
Karl von Frisch: Du und das Leben. Eine moderne Biologie für Jedermann. Berlin Ullstein 1936.
Herbert Paatz: Doktor Kleinermacher führt Dieter in die Welt. Berlin: Deutscher Verlag. 1938.
Adolf Portmann: Aus meinem Tierbuch. Zoologische Skizzen. Basel: Reinhardt 1942.
Adolf Portmann: Aus Noahs Arche. Neues aus meinem Tierbuch. Basel: Reinhardt 1944.
Adolf Portmann: Die Tiergestalt. Studien über die Bedeutung der tierischen Erscheinung. Basel: Friedrich Reinhardt 1948.
David Katz: Mensch und Tier. Studien zur vergleichenden Psychologie. :Zürich : Morgarten-Verlag Conzett & Huber 1948.
Konrad Lorenz: Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen. Wien: Borotha Schöler 1949.
Bernhard Grzimek: Kein Platz für wilde Tiere. München: Kindler 1954.
Bernhard Grzimek, Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat. Berlin: Ullstein 1959.
Hans-Otto Meissner, Manfred Behr: Keine Angst um wilde Tiere. 1959
Adolf Remane: Das soziale Leben der Tiere. Hamburg: Rowohlt 1960 (= Rowohlt deutsche Enzyklopädie Nr. 97).
Konrad Lorenz: Über tierisches und menschliches Verhalten. Aus dem Werdegang der Verhaltenslehre. München: Piper 1965.
Hoimar von Ditfurth: Kinder des Weltalls. Der Roman unserer Existenz. Hamburg: Hoffmann und Campe 1970
Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit. München: Piper 1973.
Herbert Gruhl: Ein Planet wird geplündert. Die Schreckensbilanz unserer Politik. Frankfurt am Main: Fischer 1975
Horst Stern: Leben am seidenen Faden. Kindler 1975.
Hans Hass, Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Der Hai. Legende eines Mörders. Gütersloh: Bertelsmann 1977.
Horst Stern u.a.: Rettet den Wald. München: Kindler 1979.
Heinz Sielmann: Expeditionen ins Tierreich [EA 1980]
Vitus Dröscher: Nestwärme. Wie Tiere Familienprobleme lösen. Düsseldorf: Econ 1982.
Gerhard Staguhn: Tierliebe. Eine einseitige Beziehung. München: Hanser 1996.
Anita Albus: Von seltenen Vögeln. Frankfurt: S. Fischer 2005.
Frank Schätzing: Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2006.
Josef H. Reichholf: Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends. S. Fischer 2007.
Andreas Weber: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften. Berlin: Berlin Verlag 2007.
Andreas Weber: Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit. Berlin
Markus Bennemann: Im Fadenkreuz des Schützenfischs. Die raffiniertesten Morde im Tierreich. Frankfurt: Eichborn 2008.
Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können. München: Herbig 2009.
Markus Bennemann: Die Evolution im Liebesrausch. Das bizarre Paarungsveralten der Tiere. Frankfurt: Eichborn 2010.
Jens Soentgen: Von den Sternen bis zum Tau. Eine Entdeckungsreise durch die Natur. Mit 120 Phänomenen und Experimenten. Peter Hammer Verlag: Wuppertal 2010.
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Sekundärliteratur
Eric Ames: Wilde Tiere. Carl Hagenbecks Inszenierung des Fremden. In: Das Fremde. Reiserfahrungen, Schreibformen und kulturelles Wissen. Hrsg. Alexander Honold, Klaus R. Scherpe. Wien: Lang 1999. ( = Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge. Beiheft 2. 1999) S. 123 – 148.
Safia Azzouni: Wissenschaftpopularisierung um 1900 als exemplarisch-literarische Rekonstruktion bei Wilhelm Bölsche. In: Jens Ruchatz, Stefan Willer und Nicolas Pethes: Das Beispiel. Epistemologie des Exemplarischen. Kulturverlag Kadmos: Berlin 2007. S. 279-293.
Norbert Bischof: „Gescheiter als all die Laffen“. Ein Psychogramm von Konrad Lorenz. München 1993. [EA 1991]
Hartmut Böhme, Peter Matussek, Lothar Müller: Kulturgeschichte der Natur. In: dies.: Orientierung Kulturwissenschaft. Was sie kann, was sie will. Reinbek, 2. Auflage 2002. (= Rowohlt Taschenbuch). S. 118 – 131.
Christina Brandt: Wissenschaftserzählungen. Narrative Strukturen im naturwissenschaftlichen Diskurs. In: Christian Klein und Matías Martínez: Wirklichkeitserzählungen. Felder, Formen und Funktionen nicht-literarischen Erzählens. J. B. Metzler: Stuttgart 2009. S. 81-109.
Dorothee Brantz, Christof Mauch: Tierische Geschichte. Die Beziehung von Mensch und Tier in der Kultur der Moderne. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2010.
Wolfgang Braungart und Silke Jakobs: Naturwissenschaftlich Essayistik im Kontext des naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Diskurses um 1900: Wilhelm Bölsche. In: Wolfgang Braungart und Kai Kaufmann (Hrsg.): Essayismus um 1900. Universitätsverlag: Heidelberg 2006. S. 49-71.
Jutta Buchner: Zoologische Gärten. In: dies. Kultur mit Tieren. Zur Formierung des bürgerlichen Tierverständnisses im 19. Jahrhundert. Waxmann: Münster 1996. Diss. S. 147 – 166.
Jutta Buchner-Fuhs: Das Tier als Freund. Überlegungen zur Gefühlsgeschichte im 19. Jahrhundert. In: Paul Münch, Rainer Walz (Hrsg.): Tiere und Menschen. Geschichte und Aktualität eines prekären Verhältnisses. Paderborn: Schöningh 2. veränderte Auflage 1999. S. 275 – 294.
Matt Cartmill: Das Bambi-Syndrom. In: ders. Das Bambi-Syndrom. Jagdleidenschaft und Misanthropie in der Kulturgeschichte. Reinbek bei Hamburg 1995. S. 195 – 227.
M. Dahrendorf: Das naturwissenschaftliche Sachbuch. In: Probleme des Sachbuches für die Jugend. Hersg. von Richard Bamberger. (= Schriften zur Jugendlektüre Bd. III). Wien 1966. S. 66-95.
Uta von Debschitz, Thilo von Debschitz: Fritz Kahn. Man Machine / Maschine Mensch. Wien New York: Springer 2009.
Midas Dekkers: Geliebtes Tier. Die Geschichte einer innigen Beziehung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1996. [EA 1994]
Wolfgang Genschorek: Fremde Länder – Wilde Tiere. Das Leben des ‚Tiervaters’ Brehm. Leipzig 1984.
Joachim Heimannsberg: Brehms Reiseleben. Zwischen Eismeer und Äquator. Mit dem großen Tierforscher unterwegs. Mannheim: Bibliographisches Institut 2010.
Michael Jung: Hans Hass. Ein Leben lang auf Expedition. Ein Porträt. Stuttgart 1994.
Helga Karrenbrock: Die Biene Maja und ihre mannigfaltigen Brüder und Schwestern. In: Dorothee Röhild (Hrsg.): Die Zoologie der Träume. Studien zum Tiermotiv in der Literatur der Moderne. Opladen: Westdeutscher Verlag 1999. S. 152 – 169.
Orvar Löfgren: Natur, Tiere und Moral. Zur Entwicklung der bürgerlichen Naturauffassung. In: Lutz Jeggle, Gottfried Korff, Martin Scharfe, Bernd Jürgen Warneken (Hrsg.): Volkskultur in der Moderne. Probleme und Perspektiven empirischer Kulturforschung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986. S. 122 – 144.
Rudolf Magnus: Wilhelm Bölsche. Ein biographisch-kritischer Beitrag zur modernen Weltanschauung. Berlin: Elwin Staude Verlagsbuchhandlung 1909.
Christian Meierhofer: Naturwissenschaftliche Repräsentationsformen nach 1848. In: Christian Meierhofer und Eric Scheufler (Hrsg.): Turns und Trends der Literaturwissenschaft. Literatur, Kultur und Wissenschaft zwischen Nachmärz und Jahrhundertwende im Blickfeld aktueller Theoriebildung. germanistik.ch Verlag für Literatur- und Kulturwissenschaft 2011. S. 222 – 240.
Peter Morris-Keitel: „…eine solche interessante Naturerscheinung in unverfälschter Echtheit…“: Curt Grottewitz’ als früher Vertreter ökologischer Nachhaltigkeitskonzepte. In: Curt Grottewitz, Sonntage eine großstädtischen Arbeiters in der Natur. (1906) Kritische Neuausgabe mit Beiträgen zu Nachhaltigkeit herausgegeben von Erich Hobusch und Peter Morris-Keitel. Berlin, Weidler 2005. S. 89 – 112.
Stephan Porombka: „Bewunderswert war die Ordnung“. Der Ameisenstaat und die biologische Moderinsierung. In: Reflexe und Reflexionen von Modernität 1933 – 1945. Hrsg. Erhard Schütz und Gregor Streim. Wien: Lang 2002. (= Publikationen zur Zeitschrift für Germanistik Bd. 6) S. 109 – 124.
Patrick Ramponi: Vom dunklen Kontinent zum Planet Tiefsee. Zur Genealogie des maritimen Sachbuchs aus Aquarium und ozeanischem Expeditionsbericht. In: Andy Hahnemann, David Oels (Hg.): Sachbuch und populäres Wissen im 20. Jahrhundert, Frankfurt u.a.: Peter Lang, 2008. S. 247 – 261.
Claudia Sewig: Bernhard Grzimek. Der Mann, der die Tiere liebte. Biografie. Bergisch Gladbach: Lübbe 2009.
Tilman Spreckelsen: „Indien hast du mir gründlich ausgetrieben“. Die Jugendbuchserie „Doktor Kleinermacher“ von Herbert Paatz. In: Andy Hahnemann, David Oels (Hg.): Sachbuch und populäres Wissen im 20. Jahrhundert, Frankfurt u.a.: Peter Lang, 2008.
263 – 272.
Klaus Taschwer, Benedikt Föger: Konrad Lorenz. Biographie. München: dtv 2009 [EA 2003]
Hilke Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig um die Welt. Die Hagenbeckschen Völkerschauen. Frankfurt 1989.
Stefanie Wolter: Die Vermarktung des Fremden in den Völkerschauen. In: dies.: Die Vermarktung des Fremden. Exotismus und die Anfänge des Massenkonsums. S. 82 -157. Frankfurt: Campus 2005.
Julius Zeuch: Die moderne Tierdichtung. Diss. Giessen 1924.
// Sachbuchforschung
von Oliver Gorus
Die Haltung des Ratgeberautors
Helfen und beraten – Der Ratgeberautor ist ein Helfer. Was auch immer sein Thema sein mag – er möchte seinen Lesern dabei helfen, eine Situation zu bewältigen, sich neue Fähigkeiten anzueignen und Fehler zu vermeiden. Ratgeber haben immer etwas Pädagogisches, und wem es so gar nicht liegt, andere Menschen anzuleiten und zu unterstützen, ist hier im falschen Genre. Tatsächlich scheitern unerfahrene Ratgeberautoren häufig daran, dass sie lediglich ihr Wissen ausbreiten, aber es nicht verstehen, dem Leser ganz konkret und in einzelnen Schritten aufzuzeigen, wie etwas nun wirklich geht. Der Ratgeberautor muss beim Schreiben am nächsten bei seinem Leser sein, immer auf Augenhöhe. Und er sollte sich in seiner Rolle als Helfer und Berater wohl fühlen und nicht befangen sein. Diese Tugenden machen einen guten Ratgeberautor aus:
Schreibartikel oder „Schreib Artikel“.
Tugenden des Ratgeberautors
Glaubwürdigkeit – „Kennen Sie einen Wegweiser, der selber in die Richtung geht, die er anzeigt?“ Diese ironische Bemerkung des Philosophen Max Scheler spießt eine leider verbreitete Schwäche von Beratern und Ratgebern auf. Wer ist mir nicht schon alles begegnet! Der Projektmanagement-Experte, der seine Termine verschwitzt und sich verzettelt. Die Etikette-Trainerin, die sich wie die Axt im Walde benimmt. Der umwelt- und klimapolitische Vordenker, der täglich 40 Kilometer mit dem Auto zwischen Eigenheim und Büro zurücklegt. Papier ist geduldig – aber als Autor sind Sie Teil Ihres Buches. Authentische Ratgeberautoren empfehlen anderen nur das, was sie selbst tun oder zu tun bereit sind. Sie sind kein bloßer Wegweiser, sondern gehen in die richtige Richtung selber voran.
Einfühlungsvermögen – Ratgeberautoren haben es stets mit „Betroffenen“ als Leser zu tun. Das heißt, der Leser möchte in einer ganz bestimmten Situation wissen, wie man etwas macht – sei es Rückenschmerzen bekämpfen, Geld Gewinn bringend anlegen oder indonesisch kochen. Je besser sich der Ratgeberautor – auch emotional – in die Situation seines Lesers hineinversetzen kann, desto mehr wird er bei ihm positiv bewirken. Erfolgreiche Ratgeberautoren überlegen beim Schreiben ganz genau, was der Leser im nächsten Schritt braucht und wie er am besten erreichbar ist.
Humor – Es ist nicht immer einfach, etwas besser zu wissen und anderen den Weg zu weisen. Das hat mit Beeinflussung zu tun – wo wir doch alle freie und verantwortliche Individuen sind, die souverän entscheiden möchten. Gegen die Skrupel, anderen immer sagen zu müssen, wo es langgeht, hilft eine gute Portion Humor. Beliebt sind Ratgeberautoren, die sich selbst nicht ganz so ernst nehmen, zu ihren eigenen Schwächen und Niederlagen stehen und all die Probleme, zu deren Lösung sie beitragen wollen, auch einmal augenzwinkernd betrachten können. Alles halb so wild, denken sie oft beim Schreiben, und ihre Gelassenheit überträgt sich dann wie von selbst auf die Leser, die bei ihnen Rat suchen.
Die Haltung des Sachbuchautors
Unterhalten und Impulse geben – Der Sachbuchautor ist intelligenter Unterhalter, Spiegel des Zeitgeistes, gesellschaftlicher Impulsgeber. Worüber auch immer er schreibt – es soll viele Menschen interessieren, neugierig machen, anregen oder auch aufregen. Sachbuchautoren haben eine gesunde Portion Geltungsdrang. Wer mit seinen Büchern nicht groß herauskommen möchte, wer nicht interviewt werden und sich in öffentliche Debatten einmischen will, sollte lieber Fachbücher oder Ratgeber schreiben. In der Haltung der Stars unter den Sachbuchautoren findet sich auch immer ein Schuss Künstlertum – von Habitus und Auftreten her haben sie gewisse Ähnlichkeiten mit Belletristikautoren, Schauspielern oder Regisseuren. Und beim Schreiben kommen bei ihnen tatsächlich die entsprechenden Talente zum Einsatz: literarisches Gespür, die Fähigkeit zur Selbstdarstellung und die Kunst, ein Thema effektvoll zu inszenieren. Das sind die wichtigsten Tugenden eines Sachbuchautors:
Mit etwas Glück bekommt jeder Autor den Blick fürs Wesentliche.
Tugenden des Sachbuchautors
Begeisterung – Wer von einem Thema nicht wirklich fasziniert ist, sollte darüber auch kein Sachbuch schreiben. Hingegen spürt jeder Leser, ob der Autor beim Schreiben begeistert bei der Sache war – und diese Begeisterung überträgt sich dann oft ganz automatisch. Mit seiner Leidenschaft für ein Thema ist der Sachbuchautor für viele Leser ein bewundertes Vorbild. Denn ganz in einer Sache aufgehen, die man sich selbst ausgesucht hat – das möchten fast alle Menschen gern. Den Sachbuchautor begeistert aber nicht nur sein Thema, sondern auch der Umgang mit Sprache, ja das Bücherschreiben an sich. Und das ist eine der Voraussetzungen für seinen Erfolg.
Authentizität – Der Sachbuchautor gibt beim Schreiben relativ viel von seiner Persönlichkeit preis. Ist die persönliche Färbung beim Ratgeber gefährlich (die Verlage sind bei Erfahrungsberichten sofort skeptisch), so ist sie beim Sachbuch erlaubt und erwünscht. Dazu muss der Sachbuchautor eine bejahende Haltung einnehmen. Er kann sich nicht wie ein altmodischer Wissenschaftler hinter seinem Thema verstecken. Er sollte vielmehr jederzeit bereit sein, etwas Persönliches von sich durchscheinen zu lassen und Farbe zu bekennen – was mit dem Risiko verbunden ist, von einigen abgelehnt zu werden. Je authentischer ein Sachbuchautor sich gibt, je einmaliger seine Persönlichkeit ist und je charakteristischer der Ton, den er in seinen Büchern anschlägt, desto größer sind seine Marktchancen.
Thesen finden überall eine Fläche und daher braucht nicht jede immer schon ein ganzes Buch.
Trendbewusstsein – Sachbücher sind zum großen Teil aktuelle und schnelllebige Bücher. Ein Sachbuchautor muss spüren, was viele Menschen bewegt, was die Gesellschaft umtreibt. Idealerweise erkennt er sogar, was die Menschen nicht jetzt, sondern in einem oder zwei Jahren (also nach Erscheinen seines Buches) am meisten beschäftigen wird. Wer im Elfenbeinturm um seine Spezialthemen kreisen möchte, sollte sich nicht als Sachbuchautor versuchen. Zum Trendbewusstsein gehört auch ein Gespür für Stilfragen. Auf welche Art und Weise tauschen sich Menschen heute aus, welche Reizwörter kursieren, mit welcher Mode wird gerade geliebäugelt? (Selbst wer sich bewusst dagegen stellen will, muss darüber Bescheid wissen.) Sachbuchautoren sind nah am Zeitgeist. Über ein und dasselbe Thema hätten sie vor zehn Jahren anders geschrieben und würden es zehn Jahre weiter wieder anders anpacken.
Egal, ob Sachbuch, Fachbuch oder Ratgeber: Stets prägt es die Haltung des wahren Autors, in einen Dialog mit seinem Leser treten zu wollen. An seinem Schreibtisch und vor seinem Computer mag der Autor allein sein – aber er weiß, für wen er schreibt und ihm ist beim Schreiben bewusst, dass er bei einem Gegenüber etwas auslösen wird. Es ist ein zeitverzögerter Dialog, aber nichtsdestotrotz findet er statt. Der Autor kann ihn in Gedanken vorwegnehmen und die möglichen Reaktionen seines Lesers durchspielen. Je nach Genre mag er sich den Dialog mit dem Leser wie ein Kolloquium, wie ein Beratungsgespräch oder wie eine hitzige Talkshow vorstellen – doch in jedem Fall ist dem Autor klar, dass er mit seinen Gedanken und Worten nicht allein ist. Kein Wunder, dass inzwischen in allen drei Gattungen die direkte Leseransprache zum zeitgemäßen und guten Ton gehört. Der Leser, das ist heute ein Gegenüber – auf Augenhöhe mit dem Autor.
Aus: Oliver Gorus: Erfolgreich als Sachbuchautor. Gabal 2011. Mit freundlicher Genehmigung des Gabal Verlags. (Fotos: Michael Schikowski)
// Bücher

Das Wagner-Jahr 2013 scheint sich weniger in Konzerthäusern als auf Büchertischen abzuspielen. Das kann dann aber auch bedeuten, dass es eine geben kann, die in Darstellung und Inhalt die klassische populäre Darstellung Wagners von Martin Gregor-Dellin von 1980 ersetzt.
Diese neue große Biografie Wagners stammt zweifellos von Martin Geck. Sie ist hervorragend geschrieben und handelt glücklicherweise von dem, was bei Wagner wichtig ist: Musik. Gleichwohl stand am Anfang das Drama, die Inszenierung und dann erst kam bei Wagner die Musik. Geck geizt nicht mit Musikbeispielen, die zeigen wie es gemacht ist. Der ganze geistesgeschichtliche Firnis, der die unübersehbare Wagneriana überzogen hat, ist damit erst einmal ausgewischt.
Der Firnis besteht manchmal auch nur aus einer Schicht Altfett. Bei Christian Thielemann erfährt man: „Die Wagners aßen gerne Wurstsalat.“ Das Buch geht aus Aufnahmen hervor. Irgendwer hat vergessen zu schneiden.
Dann doch lieber gleich Ludwigs Marcuses Wagner-Buch, das bereits 1963 erschien und die ganze Wagnerei durch die süß-saure Soße, die Marcuse drübergoss, erst halbwegs genießbar werden lässt. Immer noch lesbar, weil auf jeder Seite mit szenischer Genauigkeit. Das Inszenieren ist von jeher die Lieblingsbeschäftigung der Wagners. Wagner im niederländischen Malerkostüm: Kniehose mit seidenen Strümpfen, ein Rock aus Samt. Hollyreuth.
Neuere Biographien haben ja kein Problem mit dem Material. Es reicht längst. Jetzt geht es eher darum, die richtigen Schnitte zu setzen. Martin Geck, das zeigt sich auf jeder Seite, handhabt das Messer beherzt. Zwei Doppelbiografien – dies hier eingeschoben – sind außerdem erschienen, von Kerstin Decker über Nietzsche und Wagner, von Eberhard Straub über Wagner und Verdi.
Das Problem des Materials besteht darin, die Ausstrahlung des Künstlers zu begrenzen, die sich auf alles ausdehnt, seine trivialen Gewohnheiten und vollkommen belanglose Gegenstände. Im Umfeld des Künstlers, allemal dem, der tausendfach dargestellt wurde, erfährt nun jedes und alles etwas vom Abglanz der großen Persönlichkeit. Irgendwann wimmelt es nur noch von bedeutsamen Begebenheiten und wichtigen Gegenständen. Über den Dirigenten Thielemann erfährt man: „Ich mag keinen Wurstsalat.“
Kerstin Decker
Nietzsche und Wagner
Geschichte einer Hassliebe
Propyläen 2012
Martin Geck
Wagner. Biographie
Siedler 2012
Eberhard Straub
Wagner und Verdi
Klett-Cotta 2012
Ludwig Marcuse
Richard Wagner
Ein denkwürdiges Leben
Diogenes 2013 (zuerst 1963)
Christian Thielemann
Mein Leben mit Wagner
C. H. Beck 2012