Johann Wolfgang Goethe. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

 

 

Goethe ist für die zeitgenössische Literatur von besonderer Bedeutung. Mit ihm beginnt eine Entwicklung, die sich zuerst in Deutschland, dem Land der Übersetzungen, Weltliteratur nennt. Ihr erster und wichtigster Repräsentant, als Übersetzer von Diderot und Hafis, ist Goethe.

Mit ihm wird eine neue Stufe kultureller Differenzierung erreicht, nach der Autor und erzählerisches Ich fortan zu unterscheiden seien. Vor allem seit seinem Werther distanzieren wir das Geschriebene als sogenannte Rollenprosa vom Autor, ein Kulturfortschritt, der gerade in Fällen gegenwärtiger Skandalisierung verloren zu gehen scheint.

In Dichtung und Wahrheit, mit dem Goethe für das Genre der Autobiographie Maßstäbe setzt, erweist sich die spezifische immer wieder als kalt und wenig enthusiastische beschriebene Haltung Goethes, die sich aber auch aus den Erfahrungen von Krisen und Kriegen ergibt, nachvollziehbar. Zumal auch wir nun davon betroffen sind. Goethe ist vom Erdbeben von Lissabon, dem Siebenjährigen Krieg, der Französischen Revolution bis zu den napoleonischen Kriegen zeit seines Lebens umgeben von Ereignissen, die ihn in der Konzentration auf sich und das, was ihn betrifft, was ihn interessiert und angeht, abbringen wollen.

Neben einigen Gedichten wird vor allem die Prosa aus Goethes Werken wie Die Leiden des jungen Werthers, die Wahlverwandtschaften und Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre im Mittelpunkt dieses Abends stehen.

Goethe ist der Repräsentant einer Literatur, die sich allein an dem orientiert, das ihr gemäß ist – auch über den Punkt hinaus, der die Naturwissenschaft vorgibt. In Zeiten der Kriege und Krisen ist darum Goethe derjenige, der weder Nachrichten beachtet noch Zeitungen liest. Goethe ist uns näher als wir selbst jemals vermutet hätten.

 

Goethe-Gesellschaft Fulda e. V.
Bibliothek am Dom
Domdechanei 4, Fulda
Mittwoch, 28. Oktober 2026
Beginn 18.30 Uhr

 

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// Allgemein

Buchhandel 2/2019 Saarland

SWR-Bestenliste Juni: Helene Bukowski (Platz 2), Gregor Hens (Platz 7) – Bestsellerliste: Marly, Piaf Platz 20, Berg, Trau dich Platz 15, Gysi, Leben Platz 25 – Juni ET neuer Simon Strauss / Backlist: Sieben Nächte atb 3494

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich auf unseren Termin im Sommer 2019.
Hier finden Sie folgenden Inhalt:

– Die Übersicht der Leseexemplare Herbst 2019
– Titel, die nicht in der Vorschau sind
– Besonders frühe Erscheinungstermine
– Besprechungen zu den angekündigten Titeln
– Hinweise auf Veranstaltungen
– Katalogbuchungen
 

HARPERCOLLINS und DRAGONFLY bei der VVA

Ab dem 01.07. gebündelte Auslieferung von Aufbau, Blumenbar, Andere Bibliothek, Braus, Ueberreuter, Nilpferd, Annette Betz und HarperCollins, Mira, Dragonfly bei der VVA.

 

Neu in der Vertretertasche: FABER UND FABER und LAUNENWEBER und Ch. LINKS

Der Verlag Faber und Faber aus der Buchstadt Leipzig pflegt mit illustrierten Büchern in hochwertiger Ausstattung die Kunst der schönen Bücher. In der Reihe der Graphischen Bücher werden die Erstlingswerke deutschsprachiger Autoren aufgelegt, kongenial illustriert von der ersten Riege der graphischen Kunst. Die Auslieferung ist LKG.

Der Verlag Launenweber hat seinen Sitz in Köln. Neben zeitgenössischen Romanen und wiederentdeckten Preziosen widmet er sich in der Verlagsreihe italica der italienischen Literatur. Die Auslieferung ist GVA.

Der Ch. Links Verlag feiert in diesem Jahr – zusammen mit dem 30-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution – seinen 30. Geburtstag und residiert im Aufbau-Haus am Moritzplatz. Im Durchschnitt verlassen seit der deutschen Einheit jedes Jahr fast 100.000 Menschen den Osten der Republik – werden also Ihre Kunden im Westen! Der Gundermann-Film hat beim Deutschen Filmpreis ganze 6 goldene Lolas abgeräumt. Ch. Links hat das Buch zum Erfolg! Die Auslieferung ist PROLIT.

 

DIE LESEEXEMPLARE

Martin Simons: Jetzt noch nicht aber irgendwann schon, Vorschau S. 7

Sehen Sie Männer im Laden, geben Sie ihnen dieses Buch! Die Krankheit macht Martin Simons unmissverständlich klar: Die Zeit der Erwartung ist vorbei. Wenn man will, kann man sagen, dass dieses Buch ein herrliches Nichtleser-Buch ist, weil es so klar und kühl ist, und so wenig verquatscht wie ein Essay. Roman nennen wir es vielleicht nur deshalb, damit Sie es zu Hand nehmen!

„Es gab um mich keine Gruppe von Menschen, die sich untereinander kannten, in der sich die Nachricht von meiner Hirnblutung wie ein Lauffeuer verbreitet und die Sorge um mich hochgeschaukelt hätte. Ich war nicht Teil einer Gemeinschaft, die sich, nach und nach, ganz selbstverständlich um mein Bett eingefunden hätte. Ich hatte verstreute Freunde, die ich einzeln traf. Es war die Art Umgang, die mir entsprach. Mich befremdete jedes Cliquenwesen. Dennoch fühlte sich der fehlende Kreis, der sich im Notfall um mich schloss, wie ein eigenes Versagen an. Fehlte es mir an Anziehungskraft und Liebenswürdigkeit?“ (S. 128)

Lara Prescott: Alles was wir sind (Rütten und Loening 2019)

Ein Unterhaltungsroman über eine Zeit, als man Romanen noch etwas zutraute. Hier ist es Boris Pasternaks Jahrhundertroman Doktor Shiwago, der mit Hilfe der Geheimdienste als Reimport in die UDSSR gelangt.

  • Hazel Prior: Die Saiten des Lebens (Harper Collins 2019)
  • Joe Heap: Die Welt in allen Farben (Harper Collins 2019)
  • Jenny McLachlan: Arthur und der schreckliche Scheuch (Dragonfly 2019)

Im Leseexemplarfach Ihrer Buchhandlung nicht zu finden? Bitte per Mail anfordern unter schikowski(at)immerschoensachlich.de

 

 

Als sogenannte Kofferraumexemplare bringe ich zum Termin mit (ich schicke sie aber gerne vorab, bitte per Mail anfordern unter schikowski(at)immerschoensachlich.de)

  • Lene Albrecht: Wir, im Fenster, Aufbau Vorschau S. 3
  • Giosue Calaciura: Die Kinder des Borgo Vecchio, Aufbau Vorschau S. 9
  • Gusel Jachina: Wolgakinder, Aufbau Vorschau S. 19
  • Sofie Sarenbrant: Hinter deinem Rücken, Aufbau Vorschau atb S. 5
  • Caroline Lea, Die Farbe von Glas, HarperCollins Vorschau S. 15
  • Louise Boije af Gennäs: Blutblume, Europa Vorschau S. 5

      • Michael Engler/Tourlonias: Rocky Waschbär, Vorschau Anette Betz S. 17
      • Martin Widmark: Halvdan, der Wikinger, Ueberreuter Vorschau S. 89
      • Hansjörg Nessensohn: Dieses verdammte Leben, Ueberreuter Vorschau S. 105
      • Christian Handel: Becoming Elektra, Ueberreuter Vorschau S. 111

 

 

Bei atb werden Titel angekündigt von denen Ihnen gebundene Leseexemplare zu Verfügung stehen, so lange die HC-Auflage reicht. Bitte bei Interesse auch gleich per Mail anfordern unter schikowski(at)immerschoensachlich.de

      • atb Sep 2019 Clermont-Tonnerre, Der Letzte von uns (3-352-00908)
      • atb Okt 2019 Murata, Die Ladenhüterin (3-351-03703) Link zur Kurzbesprechung.
      • atb Okt 2019 Flügge, Stadt ohne Seele (3-351-03699)
      • atb Nov 2019 Roth, Kritik der Vögel (3-7466-5032) Link zur Kurzbesprechung.
      • atb Dez 2019 Vogelsang, Heimaterde (3-351-03671) Link zur Kurzbesprechung.
      • atb Dez 2019 Böttcher, Das Kaff (3-351-03716) Link zur Kurzbesprechung.
      • atb Dez 2019 Iles, Die Sünden von Natchez (3-352-00907)
      • atb Jan 2020 Spiegelman, Was nie geschehen ist (3-351-03705)
      • atb Feb 2020, Croft, Während du schläfst (3-352-00910)

 

 

NICHT IN DER VORSCHAU

noch ohne Inhalt

 

Besonders frühe ERSCHEINUNGSTERMINE

JUNI

Alberto Angela: Kleopatra (HarperCollins Vorschau S. 29)

JULI

Christoph Hein/Elmar Faber: Ich habe einen Anschlag auf Sie vor (Faber Vorschau S. 9)

Giosue Calaciura: Die Kinder des Borgo Vecchio (Aufbau Vorschau S. 9)
Catherine Lacey: Das Girlfriend-Experiment (Aufbau Vorschau S. 15)
Hauke Friedrichs: Funkenflug. August 1939 (Aufbau Vorschau S. 47)

Michael Riekenberg: Gewalt (Campus Vorschau S. 63)

 

 

BESPRECHUNGEN

 

Lene Albrecht
Wir, im Fenster
Aufbau 2019 (ET 13. September) Vorschau S. 3

Dass Vorschauen (jedenfalls die, die ich bislang von Aufbau in meiner Tasche hatte) immer mit einem Debüt beginnen, ist auch ein kleines Bekenntnis dazu, dass man stets neu beginnt, frisch, neu und hoffnungsfroh. Mögen die Klassiker weiter hinten in der Vorschau von bleibendem Wert sein, die Romane am Anfang der Vorschau versuchen es ihnen unverdrossen nachzutun. Ohne diese neuen Versuche hätte man den Geist der Klassiker im Grunde aufgegeben. Lene Albrecht beginnt also, setzt neu an. Gegen alle Wahrscheinlichkeit, uns dafür zu interessieren, beginnt sie die Geschichte von Linn und Laila zu erzählen, die in der Nachwendezeit zusammen aufwachsen. Die Eltern unternehmen mit ihnen Ausflüge in den Osten der Umgebung Berlins: Schau. Tatsächlich nahm eine Kellnerin dieses Wort in den Mund, das für uns eine Sensation war. Die Kellnerin trug hellblauen Lidschatten. Auf dem Kopf saß ein Nest aus Kunsthaar. Glitzerkrümel lagen ihr wie Schuppen auf den Schultern. Laila stieß mein Knie an. Sie sah, wie ich, die Frisuren unserer Mütter auf rotstichigen Fotos. Es war kaum auszuhalten. Jeden Augenblick begann eine von uns aufs Neue eine Lachsalve abzufeuern. Schau, schau, schau.

 

Louise Erdrich
Die Wunder von Little No Horse
Aufbau 2019 (ET 8. November 2019)

Mit Liebeszauber (atb 3525) begann Louise Erdrich ihre Romane über das Chippewarereservat. Darauf folgte die Rübenkönigin und nun, von Gesine Schröder übersetzt, Die Wunder von Little No Horse. Im Mittelpunkt des Romans steht Pater Damien Modeste, dessen Leben als Agnes DeWitt begann und die im Alter nun zur Heiligsprechung von Schwester Leopolda Stellung nehmen soll. Eine Schwester, die ihr Leben im Reservat als Pauline Puyat begann. Die Welt der Ojibwe wird von Louise Erdrich so lebensecht gestaltet, dass sie den Verehrern der Indianer, die sie als bessere Menschen betrachten, vor allem was die Geschichten um Nanapush angeht, fast als Beleidigung erschien. Der Erfolg der katholischen Mission unter den Stämmen der Reservate verdankt sich vermutlich der geografischen Verbindung nach Kanada, das französisch und daher katholisch beeinflusst ist. Hinzu kommt die Abgrenzung gegenüber den eher anglikanischen und freikirchlichen weißen Amerikanern, die wie Louise Erdrich an der Figur des rücksichtslosen Mauser zeigt, die Reservatsindianer wo es nur geht, um ihr Land betrügen. Schließlich kommt die animistische Vorstellungswelt der Ojibwe den eher bunten katholischen Heiligenvorstellung erheblich näher, als die farblose Strenge der Puritaner. Vielleicht könnte man sagen, dass seit Heinrich Böll nicht mehr so katholische Romane wie die von Louise Erdrich bei einem säkularen Verlag erschienen sind. Das Katholische ist in der Welt der Louise Erdrich allerdings ebenso weit gefasst, wie das Indianische menschlich.

 

Nick Drnaso
Sabrina
Blumenbar 2019 (ET 13. September) Vorschau S. 11

Die Graphic Novel erobert das Bücheregal, erreicht die Literaturfestivals, wird für den Man Booker Prize nominiert und versetzt die Autoren des klassischen Langtextes in Verzückung. Die Buchhändler haben es gut. Sie müssen gar nicht ihre Buchhandlung auf den Kopf stellen, sie müssen sich gar nicht bemüht aufgeschlossen zeigen und die neuen Genres etablieren, das Neue kommt zu ihnen und erreicht sie.

 

Giosuè Calaciura
Die Kinder des Borgo Vecchio
Aufbau 2019 (ET 12. Juli) Vorschau S. 9

Calaciura erzählt in diesem Roman die Geschichte dreier Kinder in Palermo. Hier herrschen Verwahrlosung und Armut. Er erzählt auch von den Straßenverkäufern. Darunter ist der Radikalste derjenige, der versucht, einen einzelnen Schuh zu verkaufen: Die Kinder waren angerannt gekommen und hatten ihm erzählt, von der anderen Seite des Platzes humpele ein einbeiniger Provinzler auf einer Krücke herüber, der sich trotz der unbequemen Busfahrt und der beschwerlichen Wanderung aus seinem Dorf herausgewagt hatte, weil die Kunde des wunderschönen Einzelschuhs bis in die Berge vorgedrungen war. Mit torkelnden Schritten lahmte er heran und griff schwer atmend nach dem Schuh. Die Größe stimmte, genau danach hatte er gesucht, und während der alte Verkäufer ihn auf die fein gearbeiteten Nähte, die durablen Schuhbänder und das weiche Leder hinwies, blickten sie einander plötzlich ins Gesicht, weil sie das erbarmungslose Lachen Gottes vernommen hatten: Der Schuh war perfekt, jedoch für den fehlenden Fuß.

 

Giacomo Sartori
Göttliches Tagesbuch
Launenweber 2019 (ET Oktober)

Ich bin Gott. So der erste Satz dieses wunderlichen Romans, denn hier erzählt Gott in kurzen Einträgen seine kurze Affäre mit Dafne. Dafne arbeitet als Besamerin. Aber Gott ist tolerant: Die Kühe sind dazu geschaffen, sich mit den Stieren zu paaren, alles ist darauf angelegt, bis ins kleinste Detail. Alles ist rationalisiert und optimiert, so sagt man, um bessere Ergebnisse und den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen. Ungeachtet dessen, was die Leute sagen, bin ich allerdings auch nicht damit einverstanden, dass sie systematisch alles über den Haufen werfen, was ich getan habe. Ich möchte wissen, was passieren würde, wenn ich in ihr Haus kommen und die Wohnzimmermöbel verstellen würde. (S. 19) Giacomo Sartori scheint sich zu sagen, wenn schon allwissender Erzähler, dann eben gleich Gott.

 

 

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Vertreterempfehlungen in Kürze:

 

Valentina Gianella
Mein Name ist Greta
Midas 2019 (ET August) Vorschau Bilderbuch

Das Buch stellt Greta vor, die fast 2 Millionen Teenager dafür begeistert hat, am Freitagmorgen auf die Straße zu gehen – von Berlin bis Köln. Im Buch alle wichtigen Informationen zu FridaysforFuture (siehe Bild rechts) und die gemeinsamen Ziele und Methoden dieser Bewegung.

 

Mike Berners-Lee
Es gibt keinen Planet B
Midas 2019 (ET Oktober) Vorschau Sachbuch S.

Mike Berners-Lee zeigt ein umfassendes Bild der drängenden Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen. Er geht den konkreten Ursachen dieser Probleme auf den Grund und stellt unsere Lebens- und Denkweisen in Frage. Zugleich bietet dieses Buch eine Fülle von Lösungen an, zu denen wir sofort beitragen können.

 

Louise Boije af Gennäs
Blutblume
Europa 2019 (ET August 2019) Vorschau S. 5

Vor einigen Jahren wurde in England Binge Watching zum Wort des Jahres gekürt. Man schaut nun mehrere Serien in Folge, von den Verächtern Komaglotzen genannt. Die kultivierte Form dieser Erscheinung kannten die Verlage zwar bereits, haben sie nun aber wieder entdeckt. Mit Louise Boije af Gennäs kommt der Europa-Verlag diesem Bedürfnis nach, ein leichter Text über den Kampf einer jungen Frau gegen die Macht. Im März 2020 folgt der Titel Scheintod und im August dann Feuerrache.

 

Heike Buchter
Ölbeben
Wie die USA unsere Existenz gefährden
Campus 2019 (ET 18. September 2019) Vorschau S. 13

Heike Buchter hat bereits vor einigen Jahren mit dem Buch über Blackrock (2014) bewiesen, wie weitsichtig sie Themen für uns aufspürt, deren Auswirkungen uns erst viel später erreichen. Sie berichtet von der energiepolitischen Agenda Trumps, die ganz auf Öl setzt. Die Wirtschaft- und Finanzmarktexpertin zeigt, wie er damit dem Willen der Wall Street nachkommt und den Weg der USA auf Jahre festlegt.

 

Hans-Hermann Hertle
Sofort, unverzüglich
Die Chronik des Mauerfalls
Ch. Links 2019 (ET August) Vorschau S. 25

Dass Bücher bedeutende Wirkungen in Geschichte und Politik haben können, ist bekannt. Nun ist es einmal ein Zettel, genauer Schabowskis Zettel, von dem er, sich der Richtigkeit versichernd, sein „sofort, unverzüglich“ ablas, der eine derart durchschlagende Wirkung für Deutschland hatte. Unklar ist noch, ob auch Hektor Haarkötter in seinem Buch „Notizzettel“ bei S. Fischer diesen Augenblick auf dem Zettel hat.

 

Caroline Lea
Die Farbe von Glas
HarperCollins (ET Oktober) Hardcover Vorschau S. 15

HarperCollins hat immer wieder Bücher im Programm, die wie Alligatoren und Das Versprechen dich zu finden, richtige Lesebücher für die Branche sind. Ein düsterer Roman, der Island im 17. Jahrhundert schildert, voller Mysterien und archaischer Vorstellungen, frostig, aber nicht unverfroren.

 

Jeroen Windmeijer
Das Paulus-Labyrinth
HarperCollins (ET Oktober) Taschenbuch Vorschau S. 17

Nach dem Erfolg des niederländischen Titels Nachblau (3-95967-236-8) wieder ein Bestseller, diesmal mit dem Schauplatz Leiden. Das Buch des Anthropologen Windmeijer war in den Niederlanden ein großer Erfolg.

 

Carrie Callaghan
Die Nachtmalerin
HarperCollins (ET Februar) Taschenbuch Vorschau S. 31

1893 entdeckte man im Louvre auf einem Bild unter der falschen Signatur von Frans Hals das Monogramm von Judith Leyster (1609 – 1660). Die Gemälde der Judith Leyster wurden zu ihrer Zeit geschätzt, ihre Bilder wurden aber bald, auch aus monetären Gründen, Frans Hals zugeschrieben. In einer Zeit, in der sich Berufsgruppen, auch die Maler, in Gilden und Zünften organisierten, war es für Judith Leyster gleich zweifach schwer, Zugang zu Ausbildung und Anerkennung zu finden.

 

Martin Geck
Die Sinfonien Beethovens. Neun Wege zum Ideenkunstwerk
Olms 2019 (Vorschau S. 25)

Nach dem großartigen Beethoven-Buch von Martin Geck, das im vergangenen Jahr erschien, hier nun seine Einzelanalysen der Sinfonien Beethovens. Verständlich, spannend und aufschlussreich. Zum Beethovenjahr 2020!

 

Christine Nöstlinger
Der Überzählige
Nilpferd 2019 (ET 13. September) Vorschau Annette Betz/Nilpferd/ueberreuter S. 59

Eine Text aus dem Nachlass von Christine Nöstlinger. Eine Erinnerung an ein Erlebnis zur Zeit der Kinderlandverschickung. Der Überzählige wird ausgeschlossen, weil Gemeinschaftsbildung den Ausschluss braucht. Und das schlechte Gewissen und die Angst der Dazugehörigen. Ein Text, der alles über Gemeinschaft lehrt.

 

Thomas Sautner
Das Mädchen an der Grenze
atb 2019 (ET 11. Oktober) Vorschau S. 39

Die politische Grenze, die plötzlich, nachdem sie zuvor das Leben ordnete, jede besondere strukturierende Bedeutung verliert, erscheint im Rückblick als Wahnsinn. Wie sehr wir doch in Ordnungen leben und sie zugleich als selbstverständlich voraussetzen, zeigt Thomas Sautner am Schicksal des Mädchens Malina, dem Traum und Wirklichkeit, Vergangenheit und Zukunft plötzlich unabgegrenzt gleichzeitig erscheinen. Das Leben Malinas als Erwachsene schildert der gerade bei Picus erschienene Roman „Großmutters Haus“.

 

Ernst Dronke
Berlin
Die Andere Bibliothek 2019 (ET Oktober) Vorschau S. 3

Ernst Dronke, Koblenzer Gelehrtensohn und Journalist, widmet sich den enormen Spannungen zwischen dem allgegenwärtigen Beamten- und Polizeiapparat und dem Elend ganzer Bevölkerungsschichten. Auf dem Cover scheint vom mittleren Bildausschnitt zum unteren der Arbeiter das Militär zu füttern, das ihn in Schach hält. War dies nicht auch einmal eine Balance, die es zu bewahren galt? Wenn nein, wo wäre eine vergleichbare Konstellation heute auszumachen? Ernst Dronke wurde der Universität Bonn verwiesen, lebte in Berlin und flüchtete nach England. Die, deren Hunger und Elend er beschreibt, gingen nach Amerika.

 

Jochen Brühl
Volle Tonne, leere Teller
Adeo 2019 (ET Oktober) Vorschau S. 9

Während ich am Schreibtisch diese Seite vorbereite, sehe ich auf dem kleinen Platz vor dem Bürofenster jemanden die Mülltonnen durchwühlen. Er ist mit seinem Fahrrad und Anhänger unterwegs. Er untersucht die zusammengestellten Tonnen systematisch nach Sachen, denen noch ein Wert zukommt.

 

Doris Lessing
Worum es wirklich geht
Ebersbach und Simon 2019 (ET 21. August) Vorschau S. 7

Erzählungen gelten unter Buchhändlern als schwieriger, vor allem schwieriger zu verkaufen. Warum eigentlich? Es gab eine Zeit da waren Erzählungen beliebt, zum Beispiel von Doris Lessing. Texte, die insgesamt eher darauf aus waren, genauer gelesen zu werden. Also mag es daran liegen, dass wir eine Erzählung um des Nachdenkens willen lesen, den Roman aber eher, um uns vom Grübeln zu befreien? In den Roman tauchen wir dauerhaft ein, aus der Erzählung tauchen wir dauernd auf.

 

Hans Fallada
Der eiserne Gustav
Aufbau 2019 (ET 11. Oktober) Vorschau S. 27

Endlich erscheint Falladas Eiserner Gustav in der Originalfassung. Darin erzählt Fallada die Geschichte des Droschkenkutschers Gustav Hackendahl, dem die Kontrolle über Familie und Beruf unter dem Modernisierungsschub der neuen Zeit entgleitet. Wie die Gelbwesten reagiert er mit einer öffentlichen Aktion, der Fahrt von Berlin nach Paris – mit der Droschke.

 

Matteo Trevisani
Buch der Blitze
Launenweber 2019 (ET Oktober)

Aus dem Buch: Mein Credo lautete, eine Stadt ist die erhabenste Form des menschlichen Ausdrucks, der Ort, durch den sich die menschliche Spezies am besten mitteilen kann. Meiner Logik zufolge unterschied sich eine Stadt durch nichts von der Natur, sie ging lediglich aus ihr hervor. Die Säulen der Tempel waren die Bäume der heiligen Wälder, ihre Plätze waren Seen, ihre engen Straßen waren unwegsame Pfade in verzauberten Gebirgen. Deshalb gab es nur eine Stadt, die diese Bezeichnung wirklich verdiente – Rom.

 

Nicola Pugliese
Malacqua
Launenweber 2019 (ET Oktober)

Aus dem Buch: Von der Kaserne der Via del Sole aus antwortete ihr der Telefonist, dass er es bereits wusste, dass eine Mannschaft ausgerückt war und dass es vielleicht keine Kleinigkeit war, dieses Mal, andere Notrufe waren von San Martino gekommen, um nicht von der Provinz zu sprechen, dann von Sant’Antimo, Afragola, Frattaminore, alle auf die eine oder andere Art überschwemmt, und Scheiße, diese Stadt ist wirklich aus Pappe, ist es möglich, dass nur ein paar Stunden Regen?, tja, möglich, natürlich ist es möglich, was willst du machen?, die vom Wetterdienst am Flughafen sollten Schilder aufstellen: morgen regnet es: Neapolitaner, übersiedelt nach Rom.

 

Ralph Burkhardt
Famous Last Words – immerwährender Tageskalender
366 letzte Sätze bedeutender Belletristik von Austen bis Zola
August Dreesbach Verlag

NEU Female First Words – immerwährender Tageskalender
366 erste Sätze bedeutender Belletristik von Frauen
August Dreesbach Verlag

 

 

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HINWEISE AUF VERANSTALTUNGEN

Die Kunst der schönen Bücher

Ein Bücherabend mit den Büchern der Anderen Bibliothek und des Faber und Faber Verlags. Bücher, bei denen Text und Buchgestalt eine sich reflektierende Verbindung eingehen und die zu einem besonderen Erlebnis des Kopfes und der Sinne werden.

Zu den Terminen und der näheren Beschreibung hier:
https://www.immer-schoen-sachlich.de/buchhandel/die-kunst-der-schoenen-bucher-ein-verlags-und-leseabend-mit-michael-schikowski/

 

LESEABENDE

Hans Fallada
Termine finden Sie hier:
https://www.immer-schoen-sachlich.de/leseabend/hans-fallada-ein-leseabend-mit-michael-schikowski/

George Eliot
Termine finden Sie hier:
https://www.immer-schoen-sachlich.de/leseabend/george-eliot-ein-leseabend-mit-michael-schikowski/

Theodor Fontane
Termine finden Sie hier:
https://www.immer-schoen-sachlich.de/leseabend/theodor-fontane-ein-leseabend-mit-michael-schikowski/

Alle weiteren Termine hier:
https://www.immer-schoen-sachlich.de/leseabend/leseabende-in-2019/

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KATALOGBUCHUNGEN

AGM

Midas Verlag

AGM-Katalog-Titel Herbst 19:
– Berners-Lee, Es gibt keinen Planet B (Großabbildung)
– Kuhrt, Hat das Stil?
– Deroullieux/Auzary-Loton, Der hungrige Bär
– Mein Name ist Greta
Zeitungsbeilagen-Werbung für:
– Mein Name ist Greta

Europa Verlag

AGM-Katalog-Titel Herbst 19:
– Blutblume
– Krieg der Frauen

Olms Verlag

AGM-Katalog Herbst 19:
– Build and Become Kreativ sein
– Build and Become Zeit genießen
– Build and Become Menschenkenntnis
– Build and Become Anders denken

AGM-Zeitungsbeilage-Werbung Herbst 19:
– 1001 Filme

Aufbau Verlag

AGM-Magazin Herbst 19:
– Blumenbar: Lachner, Lvstprinzip
– Aufbau: Simons, Jetzt noch nicht
– Rütten: Prescott, Was wir
– Ueberreuter: Nessensohn, Leben
– Ueberreuter: Handel, Elektra

AGM-Katalog Herbst 19:
– Aufbau: Albrecht, Wir
– Aufbau: Friederichs, Funkenflug
– Aufbau: Jachina, Wolgakinder
– Annette Betz: Paul McCartney
– Nilpferd: Nöstlinger, Überzählige

Campus Verlag

AGM-Katalog Herbst 19:
– Buchter, Ölbeben

LG BUCH

erlesen Push-Titel
– Rütten: Prescott
– Aufbau: Simons
– Aufbau: Friederichs

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Remissionsgenehmigungen 2/2019

Remigen Adeo 2 2019

Remigen Aufbau Rütten Blumenbar 2 2019

Remigen Campus 2 2019

Remigen Claudius 2 2019

Remigen DBG 2 2019

Remigen Ebersbach und Simon 2 2019

Remigen Elsengold 2 2019

Remigen Europa und Golkonda 2 2019

Remigen EVA 2 2019

Remigen Harper und Mira 2 2019

Remigen Midas 2 2019

Remigen Ueberreuter Nilpferd Betz 2 2019

 

// Bücher

Das implizite Sachbuch

Ursula Büttner
Weimar. Die überforderte Republik
Klett-Cotta 2008

Lothar Machtan
Die Abdankung
Propyläen 2008

Die sprachlose soziale Lebenswelt veranlasst und akzeptiert die Verbalisierungen der Ideologie, aber nicht umgekehrt: Eine Ideologie überzeugt nur Überzeugte. So Paul Veyne in seinem Buch, das ich an einer anderen Stelle schon zu würdigen versuchte. Ein Satz, der im Kontext der Christianisierung geschrieben wurde, im Kontext der Moderne allerdings von grundstürzender für viele unserer Überzeugungen ist. Denn wir glauben ja, dass Ideologie und Fanatismus selbst eine Gefahr sei. Sie ist mit Veyne gesehen viel größer, insofern sie in der Lebenswelt selbst schon bereit liegt. Es sind aber nicht allein die Ideologen, sondern auch die Beobachter der Gesellschaft, die in der zeitgenössischen Publizistik ihre Beobachtungen mitteilen. Allerdings gehören diese zu Verbalisierungen, denen nur ein Ausschnitt der sozialen Lebenswelt zustimmen mag.

Ursula Büttner hat ein höchst materialreiches und sehr gut lesbares Buch geschrieben, aus dem man unendlich viel lernen kann. Darf man aber von Büchern Sachen fordern, die diese einfach nicht hergeben? Ich frage mich zum Beispiel, ob es nicht auch Bestandteil einer Geschichte der Weimarer Republik sei, was diese selbst an politischen Analysen und gesellschaftlichen Beschreibungen hervorgebracht hat? Die fehlen in diesem umfangreichen Buch von Büttner. Natürlich nicht ganz. Aber doch fast ganz. Was ich damit meine?

Die Tragik der Weimarer Republik

Man stelle vor, man wollte Ihnen aus dem Leben eines Schriftstellers erzählen, dessen Tagebücher, Briefe und Werke aber an keiner Stelle hinzugezogen würden, ein Menschenleben also als komplett bewusstloses. So ist das hier ein wenig. Die Weimarer Republik als eine sich ihrer selbst vollkommen unbewußte Gesellschaft. Ist dagegen nicht gerade der öffentlich ausgetragene Streit über die Gesellschaft nicht geradezu ein Kennzeichen der Weimarer Zeit? Sind die Kräfte, die die Weimarer Republik überforderten nicht auch Kräfte gewesen, die sie interpretierten? Und besteht die Tragik des Untergangs der Weimarer Republik nicht darin, dass man ihn sehenden Auges auf sich zukommen sah? Als bedeutende politische Reihe erscheint zum Beispiel im Verlag Diederichs die Politische Bibliothek.

Warum aber schließen die Historiker dieses Auge, mit dem sich eine Gesellschaft selbst beobachtet? Sieht es unscharf? Ist es farbenblind? Oder würde der Bezug auf die Selbstdeutung der Weimarer Republik den Historiker auf bloßes Nachsprechen reduzieren? Ist dieses Auge ein blinder Fleck der Historiker? Oder wurde damals tatsächlich nur dummes Zeug geschrieben? Sind diese Selbstdeutungen alle nur Primärtexte und als solche in und mit ihrer Zeit unentwirrbar verwoben und daher unbrauchbar? Sind diese Texte in einer Vorstufe der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Verarbeitung gleichsam schon im Buch, aber nur implizit?

Ist die Weimarer Republik ein Gegenstand, der gar nicht von 1918 – 1933 dauerte, sondern erst 2008 in einem Buch von Ursula Büttner entdeckt wird?

Nichts Neues über die Neue Sachlichkeit

Über die die Weimarer Zeit besonders charakterisierende „Neue Sachlichkeit“ schreibt Büttner im Untertitel des knapp vier Seiten umfassenden Artikels: „kritische Zeitbetrachtung und reaktionäre Gegenwehr“. Dann kommen Namen und Titel zur Sprache, die wir überall sonst auch lesen können. Würde man alles was man über diese Zeit weiß nur aus diesem einen Buch beziehen, müsste man glauben, dass die Menschen dieser Zeit auf eine gespenstische Art und Weise taub und blind für sich selbst, ihre Mitmenschen und die Gesellschaft waren, in der sie lebten. Wir wissen irgendwie, dass es so nicht war und doch ist dieses Buch nicht geeignet, uns vom Gegenteil zu überzeugen.

Einer der Effekte ist der: Wenn man Bücher aus dieser Zeit zur Hand nimmt, ist man wirklich und wahrhaftig verblüfft, wie weit diese Zeit sich selbst auf den Begriff zu bringen wußte. Dass sie also gerade nicht eine sprachlose soziale Lebenswelt sei, die erst der Arbeit der Historiker bedarf, die sie ausspricht.

Humor als Darstellungsform

Um näher zu erläutern, was ich meine, nehme ich mal ein Gegenbeispiel, das ich bei Lothar Machtan finde. Gegenüber Ursula Büttner kann hier weder von Materialreichtum noch von Lesbarkeit die Rede sein. Mit mehr Freude an der Skurrilität des Themas hätte das ein schönes Kabinettstückchen werden können. Aber Machtan erklärt lieber, „warum alles so kam“, statt auch den in der Geschichte verborgenen Humor zu nutzen. Dass er diesen nicht deutlich genug sieht, zeigt und nutzt, sollte vielleicht einmal als schwerer Darstellungsfehler innerhalb der Historiker sanktioniert werden.

An einem Punkt aber macht er es dann doch anders als die Zunft. Er schreibt: „Je mehr die Fürsten mediale Interessen berücksichtigten, desto größer wurde die Gefahr, ihre Reputation an ebendiese Medien zu binden – und sie gegebenenfalls auch zu verlieren. Ihr Problem war, dass sie diese Dynamik der massenmedialen Nebenwirkungen in den unterschiedlichen Öffentlichkeiten nicht einmal im Ansatz reflektierten.“ Diese Reflektion blieb nach Quellenlage bei Machtan also aus. Und es ist nicht der Historiker, der diese Reflexion anstellt. So ist folgendes im Vorwärts von 1914 zu lesen und Machtan enthält uns das glücklicherweise nicht vor:

„In der dummen Sucht, dem beglückten Bürgerauge auch nur ja jede Position der Herrscher aufzudecken, vergaß der Mann an der Kurbel oft genug, dass auch in den höchsten Sphären Schönheitsfehler zu Hause sind, und dass zwar der Filmfabrikant, aber nicht sein Apparat an loyaler Gesinnung zu leiden hat.“ Folglich „durchbraust stürmische Heiterkeit das Haus, wenn ein alter Knacker Treppen herunterwackelt, und wenn seine irdische Erscheinung so in recht possierlichem Gegensatz zu seiner himmlischen und göttlichen Mission hienieden steht. Sind sie nicht zum Nachdenklichwerden, diese Könige im Kino?“

Die theoretische Grundlage für das, was Machtan in seinem Buch schildert, haben wir im Grunde schon von Paul Veyne gehört. Im November 1918 kam es zu einer fast widerstands- und geräuschlosen Abdankung der gekrönten Häupter. Die Lebenswelt forderte Neues. Eine Ideologie überzeugt nur Überzeugte und eine Abdankung kann so etwas werden, wie die Schließung einer Gaststätte aus Altergründen.

// Sachbuchforschung

Literaturbetriebsforschung

Das große Versprechen der Geisteswissenschaften lautete einmal mutabor, ich werde verwandelt werden. Dieser fromme Glaube an die Macht der Verwandlung durch die Bücher scheint allerdings langsam verloren zu gehen.

Daneben wird der banale Kostendruck auf die Nebenbetriebsstellen der Wissensgesellschaft in letzter Zeit besonders plausibel. So sind es sogar die Studenten der Geisteswissenschaften selbst, die verstärkt nach objektiven Verwertungsmöglichkeiten ihres akkumulierten Wissens fragen. Eine bloß subjektive Verwertung eines geisteswissenschaftlichen Studiums, an deren Ende die Verwandlung stehen sollte, scheint den Studenten selbst kein nachvollziehbares oder glaubwürdiges Ziel mehr.

Im Sommersemester 2009 wird unter der Ägide von Prof. Burkhardt Krause am Studienzentrum Kulturarbeit (SZK) der Universität Karlsruhe (TH) das Seminar Einführung in den Literaturbetrieb statt finden. Gegenstand einer Literaturbetriebsforschung sind die Darstellungs- und Verwertungsplattformen der Literatur, zu denen Buchhandels-, Verlagswesen, Literaturvereine, literarische Agenturen und die Literaturkritik zählen. Sie alle versuchen dem ästhetischen und kulturellen Anspruch ihres Gegenstandes gerecht zu werden und ihn zugleich zu verwerten. » weiter lesen