Robert Walser. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Robert Walser (1878-1956) ist einer der wichtigsten Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Romane, Jakob von Gunten, Geschwister Tanner und Der Gehülfe beschäftigen sich mit einer neuen Sozialfigur: dem Angestellten.

In der modernen auf Service und Dienstleistung fixierten Welt der Kunden und Könige wird vor allem einseitige Unterordnung verlangt. Im Angestellten sind Anpassung und Flexibilität das Entscheidende – ein Profil wie ein Kochlöffel.

In dieser Welt der zahllosen hilfreichen Handreichungen eines stets unsichtbar agierenden Personals, die das Gerede von der Servicewüste nur immer noch lauter werden lässt, wirken die Figuren Robert Walsers wie bei einer sogenannten Arbeitsagentur bestellt. Man lernt hier sehr wenig, so beginnt einer seiner Romane, wir werden es zu nichts bringen, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein.

In seinen zahlreichen eigensinnigen Feuilletons ist er, der Meister der Selbstverkleinerung, der Meister der kleinen Formen. In Zeiten allgemeiner Selbstausstellung und spezieller Selbstüberschätzung ist Walser ein herrlich dagegen stehendes Antidot.

Man täusche sich aber nicht, denn aus dieser immer besonders herausgestrichenen Unbrauchbarkeit ergibt sich bei Robert Walser eine erhebliche Renitenz wie ein großer Humor. Franz Kafka hat das gleich gesehen und schrieb bereits 1909 über Walser: Mit leichtem Gepäck und offenen, unbestechlichen Augen wandert dieser moderne Taugenichts durch die Welt, und am Ende wird nichts aus ihm als das Vergnügen des Lesers.

VHS Bonn
Donnerstag, 10. Dezember 2026
Beginn 19 Uhr

Mülheimer Literaturclub
Samstag, 2. Januar 2027
Beginn 19 Uhr

// Leseabend

Flucht und Vertreibung: Die Aeneis von Vergil

Lesung und Erläuterung: Michael Schikowski

In der Aeneis, dem grandiosen Text des Altertums, der uns so entfernt scheint, können wir unsere Gegenwart von Flucht und Vertreibung neu sehen lernen. In der erzählenden Literatur wird das gerade als Retelling populär. Offensichtlich sind wir, wenn wir ernsthaft verstehen wollen, darauf angewiesen, uns etwas neu zu erzählen.

Wie die Epen Homers ist auch dieses Epos Vergils mit der Sage vom trojanischen Krieg verknüpft. Es erzählt von den Taten und Leiden des trojanischen Helden Aeneas, der aus seiner brennenden Vaterstadt flieht, um nach langen Mühen fernab eine neue Heimat zu finden. Davor liegen Verlorenheit und Irrfahrt, und die berühmte Liebesgeschichte mit der karthagischen Königin Dido.

Vergil (geb. 70 v. Chr.) lebte in den Zeiten des Bürgerkriegs. Nahezu alle großen Namen seiner Epoche starben einen gewaltsamen Tod. Das väterliche Gut wurde zugunsten ausgedienter Soldaten enteignet, die Familie vertrieben. Um seine Aeneis zu vollenden, brach er 19 v.Chr. zu einer Griechenlandreise auf, erkrankte aber und starb in Brindisi.

 

 

Der abenteuerliche Grimmelshausen. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung aus dem Werk von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

Grimmelshausens literarischer Welterfolg Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch beruht auf den Erlebnissen seiner Kindheit und seiner Zeit als Soldat. Das Buch erschien 1668.

Bald darauf schrieb Grimmelshausen zwei weitere simplicianische Romane, die Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage und Der seltsame Springinsfeld. In diesen Werken fährt Grimmelshausen allen Reichtum an Witz und Welt- und Menschenkenntnis auf. Als Mensch des Barock ist bei ihm des Fabulierens aus eigener Erfahrung und des Abenteuerns aus Literaturwissen kein Ende.

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen ist mit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges eng verbunden. Was liegt also näher als sich der europäischen Katastrophe mit Grimmelshausen, einen ebenso umfassend gebildeten wie unterhaltsam satirischen Schriftsteller, zu nähern.

 
Hörproben zum Leseabend

 

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Drei Welten – drei Werke. Baum, Ditlevsen und Präauer

Unter dem Titel Drei Welten – drei Werke werden drei sehr unterschiedliche Autorinnen oder Autoren vorgestellt. Die Spannungen und Unterschiede, die sich in ihren Werken ergeben mögen, sind immer auch Anlass, Entsprechungen zu entdecken.

Diesmal werden die Werke der Dänin Tove Ditlevsen (1917 – 1976) und der beiden Österreicherinnen Vicki Baum (1888 – 1960) und Teresa Präauer (geb. 1979) vorgestellt. Ihre drei Welten könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Kulisse eines luxuriösen Hotels, die Arbeitsbedingungen einer Schriftstellerin in den 1950er Jahren und die hippe Gastkultur moderner Westeuropäer.

Doch verbindet die überaus erfolgreiche Schriftstellerin Vicki Baum mit der wieder entdeckten Tove Ditlevsen und der gerade mit einem neuen Buch hervorgetretenen Teresa Präauer viel. In Drei Welten – drei Werke wechseln wir die Autorinnen, die Milieus und die Zeitzonen, was aber bleibt, ist das Lesevergnügen.

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