E.T.A. Hoffmann. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

 

Das schriftstellerische Werk des Juristen, Komponisten und Kapellmeisters E.T.A. Hoffmann war überaus erfolgreich. Das Typische der „Klassiker“ hatte bei ihm allerdings keinerlei Platz –  ihn beschäftigte der normwidrige Charakter. Durch die Fantasiestücke, sein Erstling von 1814, wie die Nachtstücke von 1816 wurde er rasch als „Gespenster-Hoffmann“ populär.

Die Tiere wie Meister Floh, der Hund Berganza und Kater Murr nehmen bei Hoffmann eine titelgebende Rolle ein – eine auch unheimliche Seite des Lebendigen. Denn häufig begegnet den Figuren, wie Hoffmann einmal schreibt, „etwas fremdartig Bekanntes“, und markiert damit den Anfang der fantastischen Literatur.

In der Fantasie wird die Bindung an die Wirklichkeit aufgegeben, ihr ist in unzähligen Kombinationen alles möglich. Vor allem in der Musik bleiben die Begrenzungen der Sinnenwelt zurück. Statt bestimmter Gefühle ermöglicht sie, sich einer „unaussprechlichen Sehnsucht“ hinzugeben.

E.T.A. Hoffmann (1774 – 1822) lebte und schrieb in der nach-napoleonischen Zeit der Restauration und Demagogenverfolgung. Ihm bot allein die Kunst ein Ausweg. Im realen Leben ist ihre Verwirklichung allerdings nicht möglich. Wo dies versucht wird, schlagen die Ereignisse in Wollust, Verbrechen und Wahnsinn um.

 

Buchhandlung Pieper
Großer Markt, Saarlouis
Mittwoch, 14. Dezember 2022
Beginn: 19 Uhr

VHS Bonn – Kulturkalender
Mülheimer Platz 1, 53111 Bonn
Donnerstag, 15. Dezember 2022
Beginn: 20 Uhr

Mülheimer Literaturclub
Holsteinstr. 1, 51065 Köln-Mülheim
Sonntag, 8. Januar 2023
Beginn: 18 Uhr

Homburger Lesezeit
Saalbau, Obere Allee 1, 66424 Homburg
Dienstag, 21. März 2023
Beginn: 19 Uhr

// Immer schön sachlich

// Bücher

Kolportage und Reportage

Volker Weidermann
Das Buch der verbrannten Bücher
Kiepenheuer & Witsch 2008

Flott erzählt ist ein recht zwiespältiges Lob, ungefähr so wie ältere Damen das Kompliment einer flotten Frisur machen. Es ist aber so, das Buch von Volker Weidermann über die verbrannten Bücher. Flott und schnell, wie die letzten Jahre der Weimarer Republik.
Schnell und scharf war das, was Hans Sahl Abträgliches über Emil Ludwig zu hinterbringen wußte, was Thomas Mann Perfides über Arthur Holitscher zu schreiben verstand und was Kurt Tucholsky an fast alle anderen auszusetzen hatte. Wir lesen es bei Weidermann alles nochmals, womit dann wieder mancher glauben mag, Ludwig, Holitscher und viele andere lohnten es nicht, gelesen zu werden.
Auch ist dieses Buch, das sich als Dokument gegen das Vergessen vorstellt, nicht selten genau darin zwiespältig, insofern allzuviele Bücher von Weidermann als vollkommen zu recht vergessen erklärt werden. Dies betrifft vor allem die Romane und liegt u.a. auch daran, dass Weidermann grundsätzlich alle Autoren der ersten schwarzen Liste der „Schönen Literatur“ beschreibt. Was dann allerdings gelegentlich dazu führt, dass er nur daran erinnert, etwas zu vergessen.
Jedoch bei Weidermann finden sich nicht weniger als dreissig Sachbücher, auch wenn er selbst nur Heinrich Eduard Jacobs Sage und Siegeszug des Kaffee als Sachbuch bezeichnet – vermutlich aber deshalb, weil dieser bekanntermaßen von sich behauptete, der Erfinder dieser Gattung zu sein.

Die Urteile damals und heute machen Weidermann nicht weiter strubbelig, denn von ihm wird nichts gegen den Strich gekämmt, nichts umfrisiert, nichts anders gescheitelt. Die Innung ist’s zufrieden.

In diesem Zusammenhang auch der Hinweis auf Jürgen Serke, den Weidermann „Reporter“ nennt und der bereits 1976 begann, die verbrannten Dichter und Dichterinnen aufzusuchen und über ihre Bücher und ihr Schicksal Reportagen schrieb, diese dann aber in einem sehr erfolgreichen Buch veröffentlichte. Dergleichen blieb für den Nachruhm einiger Autoren nicht folgenlos, wie zum Beispiel Irmgard Keun, der Serke laut Weidermann „sonderbar umjubelte letzte Lebensjahre beschert“ habe, ein nicht kleines, sondern wunderbares Verdienst Jürgen Serkes. Als Dauerausstellung „Himmel und Hölle“ ist seine Sammlung nun im Museum Baden in Solingen-Gräfrath zu besichtigen. Den Schriftstellerinnen widmet sich übrigens das Buch „Die verbrannten Dichterinnen“ von Edda Ziegler, Artemis & Winkler 2007

// Bücher

Keine Angst vor Fachbüchern

Gerhard Schulz
Kleist
Eine Biographie
Beck 2007

Gerhard Schulz ist emeritierter Professor für deutsche Sprache und Literatur. Ist darum sein Buch schon ein Fachbuch? Vielleicht. Gilt er doch als der beste Kenner der deutschen Literatur der Goethezeit. Schulz ist Autor von so genannten Standardwerken. Das muss uns im Grunde nicht weiter aufhalten. In den sanitären Anlagen der Universitäten kursiert dazu der hilfreiche Sinnspruch: Keine Angst vor Fachbüchern, ungelesen sind sie harmlos. Und eine Biografie, die auf lebenslanger Forschungsarbeit fußt, ist, wie Schulz beweist, den Widersprüchen eines Lebens, wie Kleist es führte, jederzeit gewachsen.

// Bücher

Stoffgeschichte

Joachim Radkau
Holz
Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt.
Oekom 2007

Dieses Buch ist so voll gestopft mit klugen Sachen, dass man sie mit einer gut geschärften Säge in lauter ansehnliche Streifen schneiden kann. Ein wunderbares Buch, das in einer dem Stoff, dessen Geschichte es erzählt, angemessen gebundenen Form, alles, buchstäblich alles über das Holz und seine Kulturgeschichte erzählt. Und dies alles ohne Baupläne für Schaukelpferde, Anleitungen für Schlüsselbretter oder Listen von Holzverbindungen.