Welche Erleichterung

 

 

Stephen Graham
Die Kunst des stilvollen Wanderns
Ein philosophischer Wegweiser
HarperCollins 2020

Welche Erleichterung, der Rolle des Wählers und Steuerzahlers, des Experten für Messingantiquitäten, des Bruders eines Experten für Messingantiquitäten, des Autors eines Bestsellers oder Onkels des Bestsellerautors zu entfliehen. Welche Erleichterung, eine Zeit lang kein Verwaltungsbeamter der Besoldungsgruppe soundso mehr zu sein, der die höchste Beförderungsstufe bereits erreicht hat, nicht mehr nach dem Einkommen oder Gold-Handicap beurteilt zu werden. Ohne Zweifel ist es ein köstlicher Augenblick, wenn der Gärtner, der einen in Wanderkluft daherkommen sieht, nicht zum Gruß an den Hut tippt, wenn man an ihm vorübergeht. Es wäre ein Fehler, sich in nagelneuen Kniebundhosen, Sportjackett, Krawatte und juwelenbesetzter Krawattennadel, mit Gamaschen und einem Stock mit silbernem Knauf in die Wildnis aufzumachen. Die Visitenkarten sollte man ebenfalls zu Hause lassen und versuchen, das Haus mit den drei Etagen zu vergessen. (Stephen Graham, S. 15)

// Immer schön sachlich

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Sich mit fremden Federn schmücken

Harro von Senger
(Moulüe) Supraplanung. Unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte
Hanser 2008

Um die Pointe vorwegzunehmen: die Bücher Harro von Sengers lassen sich adäquat nur dann lesen, wenn man sie selbst als ’strategemisch‘ betrachtet. Nehmen wir das Beispiel seines neuesten Buches: während Senger bislang beteuerte, seine ‚Strategemkunde‘, die auf einem altchinesischen Katalog von 36 Listtechniken beruht, habe nichts mit Strategie zu tun, überrascht er nun seine Leser mit einem Konzept von dem er behauptet, es gehe über das westliche Strategieverständnis hinaus. » weiter lesen

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Die Leistungseliten (können es sich) leisten

Julia Friedrichs
Gestatten: Elite
Hoffmann und Campe 2008
Julia Friedrichs schaut in unserer Republik da vorbei, wo unsere Elite ausgebildet wird. Von Deutschland strengsten und besten Lehrern. Dabei stößt sie auch auf den entscheidenen Mythos der Republik, den Mythos von den Leistungseliten. Die Prediger dieses Mythos sitzen jeden Abend aufs Neue auf dem Sofa von Sabine Christiansen, Maibritt Illgner oder Sandra Maischberger.

Nun, in der Tat, Julia Friedrichs ist ziemlich voreingenommen und trifft sich auch mit Michael Hartmann, der das Buch „Der Mythos von den Leistungseliten“ geschrieben hat. Ein anderes Lieblingsbuch zum Thema, dass sie leider nicht erwähnt, hat den wunderschönen Titel „Theorie der feinen Leute“. Es ist über hundert Jahre alt und stammt von Thorstein Veblen. Veblen führt hier den Begriff der demonstrativen Verschwendung ein. Sie wissen nicht, was das ist? Dann will ich Ihnen mit einem derjenigen antworten, den Julia Friedrich auf ihrer Reise spricht. Er sagt zu ihr: „Es gibt Menschen, die sind oben – das sind Gewinner. Und Menschen, die sind unten – die Verlierer. Pass auf, dass du im Leben zu den Gewinnern gehörst.“ Wollen Sie jetzt immer noch darauf warten, dass das Buch als Taschenbuch erscheint?

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Papier und Bleistift, Stock und Hut

Achim Wohlgethan, der als deutscher Soldat in Afghanistan war, schrieb seine Erfahrungen in dem Buch „Endstation Kabul“ (Econ 2008) nieder. Ohne viel Hintersinn, allerdings auch vergeblich, verweist dieses Buch im Titel auf Weltliteratur.
Der Preisträger der Preisträger deutscher Literaturpreise, Martin Mosebach, wäre in Afghanistan sicherlich nicht so verwendungsfähig gewesen wie Achim Wohlgethan. Er brachte er seine Preisgelder auf Reisen in andere Länder unter die Leute. Herausgekommen ist ein wunderbares Buch der literarischen Reiseliteratur, einer Gattung des Sachbuchs, das unter dem Titel „Stadt der wilden Hunde“ bei Hanser (2008) erschienen ist » weiter lesen