Alles erfunden – alles wahr. Neuerscheinungen

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Michael Schikowski wechselt plausibel, fesselnd und unterhaltsam zwischen kurzen Leseproben und einordnenden Rezensionen.
GENERAL-ANZEIGER BONN

Eine exzellent moderierte Tour d’ Horizon.
KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Aus der Fülle der Neuerscheinungen dieses Jahres hat Michael Schikowski die besten Romane und die interessantesten Sachbücher ausgewählt – mit Leidenschaft und kühlem Blick. Vorgestellt werden unterhaltsame Romane, spannende Biografien, scharfsinnige Essays, komische Geschichten oder einfach nur schöne Bücher. Michael Schikowski verschafft Einblicke in wichtige Neuerscheinungen und liest einzelne Passagen vor. Freuen Sie sich auf einen spannenden Abend mit Schmökern und Raritäten, Herausforderungen und Entdeckungen.

Buchhandlung Frey Attendorn
„Südwestfalen liest“ der Westfalenpost
Mittwoch, den 16. November 2022
Beginn 19.30

Bischöfliche Akademie
Zu Gast bei Markus Kriener
Freitag, 25. November 2022
Beginn 19 Uhr

Literarischer Salon der Zentralbibliothek
VHS Bonn
Donnerstag, den 1. Dezember 2022
Beginn 18.00 Uhr

Link zur Buchauswahl 2022

// Immer schön sachlich

// Bücher

Nur Reisen ist Leben

Sigrid Damm
Goethes letzte Reise
Insel 2007

Reisen war in der Goethezeit eine Existenzform, der sich viele große Werke der Weltliteratur verdanken. „Nur Reisen ist Leben“, sagt Jean Paul. Reisen war und ist ein unabdingbarer Teil der Kreativität. Und nichts stört diese produktive Eintracht von Reisen und Anregung, von äußerer und innerer Beweglichkeit mehr als das Alter.

Sigrid Damms Buch ist ein Buch über das Alter. Aus den unzähligen von Goethe selbst festgehaltenen, von ihm geordneten und kontrollierten Dokumenten, ihren Spiegelungen in seinem dichterischen Werk, gestaltet Sigrid Damm das Altwerden Goethes. Dabei fehlt es Sigrid Damm nicht an Sinn für Einzelheiten und manchmal allzu Vereinzeltes, an denen sich immerzu das Genie Goethes spiegele. So wurden Goethes letzte Worte „Mehr Licht!“ von missratenen Schüler, in der nicht ganz falschen Meinung, er hätte wohl genug geschrieben, in ein „Mehr nicht!“ umgedeutet.

// Bücher

Der Globalisierungsgegner

Ilija Trojanow
Nomade auf vier Kontinenten.
Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton
Eichborn 2007

Ilija Trojanow geht wie Frank Schätzing vor. Erst den Erfolg mit einem Roman einheimsen, bei Schätzing Der Schwarm bei Trojanow Der Weltensammler, und dann zu Hause die Schubladen und Archive aufmachen, sie umstützen und schütteln, um all das Material als Sachbuch zu präsentieren auf dem die Fiktionen fußten: bei Schätzung Nachrichten aus einem unbekannten Universum, bei Trojanow Nomade auf vier Kontinenten. So ist das bei den Autoren und ihren Lesern, sie wollen erst mal spielen. » weiter lesen

// Bücher

Am Kopierer der Kreationisten

Richard Dawkins
„Der Gotteswahn“
Ullstein 2007

Machen wir uns nichts vor, Dawkins schreibt nur für die, die ohnehin schon seiner Meinung sind. Zweifellos leben wir in religös leicht übermotivierten Zeiten, in denen dieses Buch sich als kalte Dusche für allzu überbordenden Glaubenseifer erweisen mag. Ich fürchte jedoch, die die Dawkins meint, duschen woanders.

Dawkins Vorstellung von der Welt kann man vielleicht darauf simplifizieren, dass alles was ist, nicht anderes will, als sich selbst reproduzieren. Wenn Sie das als eine für Sie besonders schwierige Aufgabenstellung auffassen, kann ich Sie beruhigen: Gelegentliche Fehler in der Kopie führen zu Varianten, die die eigentlich evolutionäre Entwicklung verursachen. Was unsere Kinder glücklicherweise so ganz anders als wir selbst geraten lässt. Das gilt sowohl für die biografische wie auch die kulturelle Evolution, für Gene also, wie für – wie Dawkins sie nennt – Meme. Das sind Ideen, Erzählungen und Rituale, die wieder nichts anderes im Sinn haben als sich zu reproduzieren. Ein solches Mem ist auch der Kreationismus, an dessen Kopierer Dawkins aber den Stecker zieht.
Dawkins langt also recht grob hin. Das Buch muss man irgendwie schon mit grimmiger Miene lesen. Da hört sich Goethe 1782 in einem Brief an Lavater doch ganz anders an: „Du hälst das Evangelium, wie es steht, für die göttliche Wahrheit. Mich würde eine vernehmliche Stimme vom Himmel nicht überzeugen, dass das Wasser brennt und dass das Feuer löscht, dass ein Weib ohne Mann gebiert und dass ein Toter aufersteht. Vielmehr halte ich dieses für Lästerungen gegen den großen Gott und seine Offenbarung in der Natur.“