VERANSTALTUNG: Sinn und Sinnlichkeit des Buches

IMG_1051Bücher sprechen zu uns – lange bevor wir sie lesen. Ihre Gestalt, ihr Format, ihre Farbe und ihr Material sind nicht zufällig. Das gut gemachte Buch ist nicht weniger deutbar als der gut gemachte Text. Ausgerechnet im Zeitalter der Digitalkultur erweisen sich die Texte als ‚bedingt‘.

Welche Unterschiede gibt es auf den ersten Blick? Wann bindet man Bücher in Leinen, wann in Papier und warum gibt es kaum Bücher in Kunststoff? Und welche Unterschiede gibt es auf den zweiten Blick? Was bedeuten gestrichene, was offene Papier? Was ist sonst noch vom Vorsatz bis zum Lesebändchen am Buch drum und dran?

An diesem Abend wird anhand einer Fülle von Beispielen der Sinn der Bücher erläutert. Denn Bücher sind nicht allein Werke, mit denen man sich still beschäftigt, sondern Dinge, deren Ausstattung viel über den Inhalt verrät. Es werden große wie kleine Verlage, große und kleine Bücher vorgestellt – einen besonderen Schwerpunkt bilden die Bücher der Anderen Bibliothek.

Michael Schikowski ist für Buchhandlungen und Verlage tätig, seit einigen Jahren ist er Lehrbeauftragter für Buchkultur an der Universität Düsseldorf. Er veröffentlichte zuletzt Glanz und Melancholie. Anmerkungen zur Buchgestalt (Bramann)

Bergisch Gladbach-Bensberg, Buchhandlung Funk
Donnerstag, den 22. September 2016
Beginn 19.30 Uhr
Anmeldung unter 02204 – 54016

Mainz, Johannes Gutenberg-Universität
Mittwoch, den 16. November 2016
Uhrzeit wird noch bekannt gegeben

Leseabende zu: AustenBalzacDie Schwestern BrontëDickensDostojewskiFalladaFontaneGrimmelshausenThomas MannTolstoiTwain / Historische Abende: „Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres / Sinn und Sinnlichkeit des Buches

// Immer schön sachlich

// Buchhandel

Wie Bücher wirken

Stoß und Schnitt – starfruit production
erscheint im BuchMarkt Januar 2017

Ein Geschichte in Gelb – Reclam
erscheint im BuchMarkt Dezember 2016

Demagogie und Demontage – Hitler, Mein Kampf des IfZ
erscheint im BuchMarkt November 2016

Picta et facta – Die Geschichtsbücher des Palm Verlags
erscheint im BuchMarkt Oktober 2016

Tatkraft und Entspannung – Die blue notes von Ebersbach & Simon
erscheint im BuchMarkt September 2016

Bezüge und Beziehung – Das Schiff des Theseus von Kiwi
BuchMarkt August 2016. S.
Link zum pdf: Das Schiff des Theseus Wie Bücher wirken

Schall und Schau – Musikbilderbücher von Annette Betz
BuchMarkt Juli 2016. S. 153.
Link zum pdf: Annette Betz Wie Bücher wirken

Memoirs of Music – Sammler-Editionen von Olms
BuchMarkt Juni 2016. S. 135.
Link zum pdf: Edition Olms Wie Bücher wirken_06_16.pdf

Kompaktheit und Bewegung – Der Dumont Kunst-Reiseführer
BuchMarkt Mai 2016. S. 103.
Link zum pdf: Dumont Kunst-Reiseführer Wie Bücher wirken_05_16.pdf

Gehalt und Gestalt – Die Bielefelder Bibel von Herder
BuchMarkt April 2016. S. 125.
Link zum pdf: Bielefelder Bibel Wie Bücher wirken

Lust und Laune – Das Topp-Heft
BuchMarkt März 2016. S. 160.
Link zum pdf: Frech Topp Wie Bücher wirken

Felle und Fährten – Das Naturkunden-Buch
BuchMarkt Februar 2016. S. 143.
Link zum pdf: Naturkunden Wie Bücher wirken

Blau und genau – Das suhrkamp taschenbuch wissenschaft
BuchMarkt Januar 2016. S. 139.
Link zum pdf: suhrkamp taschenbuch wissenschaft Wie Bücher wirken

Schönheit und Erschütterung – Das Manesse-Buch
BuchMarkt Dezember 2015. S. 108.
Link zum pdf: Manesse Wie Bücher wirken

Form und Farbe – Die Insel Bücherei
BuchMarkt November 2015. S. 106.
Link zum pdf: Insel-Bücherei Wie Bücher wirken

Die Bücher der Anderen Bibliothek
BuchMarkt Oktober 2015. S. 130.
Link zum pdf: Die Andere Bibliothek Wie Bücher wirken

Dauer und Bedeutung – Das C. H. Beck-Buch
BuchMarkt September 2015. S. 146.
Link zum pdf: C.H. Beck Wie Bücher wirken

Glatt und rot – Das utb-Buch
BuchMarkt August 2015. S. 106.
Link zum pdf: utb. Wie Bücher wirken

Schwarz und hart – Das Ariadne-Buch
BuchMarkt Juli 2015. S. 131.
Link zum pdf: Ariadne Wie Bücher wirken

Frische und Phlegma – Das zu Klampen-Buch
BuchMarkt Juni 2015. S. 131.
Link zum pdf: zu Klampen Wie Bücher wirken

Weiß und rein – Das Merve-Buch
BuchMarkt Mai 2015. S. 99.
Link zum pdf: Merve Wie Bücher wirken

Lieb und leicht – Das Pixi-Buch
BuchMarkt April 2015. S. 96.
Link zum pdf: Pixi Wie Bücher wirken

Zartheit und Gewicht – Das Hanser-Buch
BuchMarkt März 2015. S. 132.
Link zum pdf:  Hanser Wie Bücher wirken

Stabil und aufrecht – Das Verbrecher-Buch
BuchMarkt Februar 2015. S. 137.
Link zum pdf: Verbrecher Verlag Wie Bücher wirken

Glanz und Melancholie – Das Diogenes-Buch
BuchMarkt Januar 2015. S. 135.
Online: Diogenes Verlag BLOG

Klarheit und Format – Das Berenberg-Buch
BuchMarkt November 2014. S. 65.
Link zum pdf: Berenberg Wie Bücher wirken

// Bücher

Alte Sicherheit gegen Neue Rechte

AAA Kursbuch xlKursbuch 186.
Rechts. Ausgrabungen
Murmann 2016

An der Einstellung zur Flüchtlingspolitik sind in Deutschland einige Bekanntschaften und Freundschaften zerbrochen. Im Freundeskeis und in der Verwandtschaft werden halb lächelnd, halb ernst Meinungen zur „Flut“ und „Landplage“ geäußert, die zunächst als unpassend, später als etwas widerlich und schließlich als nicht hinnehmbar empfunden werden. Dem offenen Bruch weicht man aber aus.

Denn zugleich wird deutlich, dass die eigenen Argumente einfach nicht ausreichen. Ohnhin einer länger dauernden politischen Debatte entwöhnt, ist man schnell verzagt und unsicher. Da kommt uns im neuen Kursbuch ein von Armin Nassehi ausgegrabener Text von John Stuart Mill zu Hilfe.

Der Text von Mill ist eigentlich ein Leserbrief zu einem Text über die Sklaverei von Thomas Carlyle, durch den im Übrigen die freundschaftliche Beziehung Mills zu Carlyle endete. Carlyle unterstellt den Gegnern der Sklaverei vor allem eins: Gefühle.

Gefühle, die den überlegenen Verstand ersetzen, den man zur Erkenntnis der harten Realität nun einmal braucht. Carlyle unterstellt diesen Träumern, sich die „Abschaffung des Leids“ vorgenommen zu haben. Nicht anders werden die Teilnehmer der Willkommenskultur im letzten Jahr belächelt.

„Er versteht“, so Mill über Carlyle, „die große nationale Erhebung des Gewissens dieses Landes gegen Sklaverei und Sklavenhandel völlig falsch, wenn er annimmt, sie sei eine Frage des Gefühls gewesen.“

Es passt zugleich, dass Mill die Instrumente der Analyse bei Carlyle vermisst, ja ihre Geringschätzung konstatiert. „Durch analytische Untersuchung haben wir alles gelernt, was wir über die Gesetze der äußeren Natur wissen; und wenn er (Carlyle) es nicht verschmäht hätte, dieselbe Untersuchungsmethode auf die Gesetze der Bildung des Charakters anzuwenden, wäre er dem gewöhnlichen Irrtum entgangen, jeden Unterschied, den er zwischen Menschen findet, einem ursprünglichen Unterschied ihrer Natur zuzuschreiben.“

Es ist also ein Irrtum dieser angeblich so realitätsnahen und harten Analytiker, dass man Flüchtlingen aus bloßer Gefühlsduselei helfe. Zugleich sind sie zu außenpolitischer Analyse weder gewillt, noch so recht in der Lage. Sie enthielte zumindest einen Blick auf die Wirtschaftspolitik der EU in Afrika und einen Blick auf die innenpolitischen Wirkungen von Elendsquartieren an den Außengrenzen. Dass damit nicht zugleich alles Elend abgeschafft sei, lässt eben auch nicht den Schluss zu, dass es deshalb zu akzeptieren sei.

„Eine Vereinigung zu weltumfassenden Abschaffung des Leids mag als Zielscheibe für eine sarkastische Bemerkung herhalten, aber kann man ein Ziel nennen, das der Bemühung mehr wert wäre als das der Verminderung des Leids?“