Sorge dich nicht, fliege

28012093_9783351050320_xlJürgen Roth & Thomas Roth
Kritik der Vögel
Klare Urteile über Kleiber, Ammer, Spatz und Specht
Blumenbar 2017

In der Bibel schon wird den Vögeln eine überaus fragwürdige Art und Weise der Daseinsvorsorge bescheinigt. Ohne die Mühen des Sähens und Erntens in der Ebene würde ihnen als sorglosen Flatterwesen ein Auskommen oder Durchkommen zugesichert, für das der Schöpfer sorge (Lukas 12,24).

Genau darin, so der Gedanke im biblischen Gleichnis, sollen sie uns als Vorbild dienen, dass wir uns nicht über Einkommen und Ernährung sorgen müssten. Sorge dich nicht, fliege.

Seitdem haben sich in unseren Köpfen die Vögel als herumfliegende Gleichnisse der Hoffnung, des Friedens und der Freiheit eingenistet.

Da wird es höchste Zeit für eine Kritik der Vögel. Der im hohen Gedankenflug allzu häufig herangezogene Vogel wird hier nun endlich Art für Art einer Revision unterzogen, die die Unart der Arten schonungslos offenlegt. Und auch nicht unberücksichtigt bleiben bei Roth & Roth die Tatsachen eines verrapsten und vermaisten Landes – von wegen Gott ernährt sie doch –  das die Vögel in Wahrheit längst zu uns in die Städte zwingt.

// Immer schön sachlich

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Alles erfunden – alles wahr. Neuerscheinungen

img_0189Michael Schikowski wechselt plausibel, fesselnd und unterhaltsam zwischen kurzen Leseproben und einordnenden Rezensionen.
GENERAL-ANZEIGER BONN

Eine exzellent moderierte Tour d’ Horizon.
KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Aus der Fülle der Neuerscheinungen dieses Jahres hat Michael Schikowski die besten Romane und die interessantesten Sachbücher ausgewählt – mit Leidenschaft und kühlem Blick. Vorgestellt werden unterhaltsame Romane, spannende Biografien, scharfsinnige Essays, komische Geschichten oder einfach nur schöne Bücher. Michael Schikowski verschafft Einblicke in wichtige Neuerscheinungen und liest einzelne Passagen vor. Freuen Sie sich auf einen spannenden Abend mit Schmökern und Raritäten, Herausforderungen und Entdeckungen.

Köln VHS
Montag, den 4. Dezember 2017
Beginn 18.00 Uhr

Leverkusen VHS
Dienstag, den 5. Dezember 2017
Beginn 18.00 Uhr

Bonn VHS Literarischer Salon der Zentralbibliothek
Mittwoch, den 6. Dezember 2017
Beginn 18.00 Uhr

Link zur Buchauswahl von 2017
Link zur Buchauswahl von 2016

Leseabende zu: AustenBalzacBöllDie Schwestern BrontëDickensDostojewskiFalladaFontaneGrimmelshausenThomas MannMelvilleTolstoiTwain / Historische Abende: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland –  „Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres / Sinn und Sinnlichkeit des Buches

Zu Michael Schikowski.

// Bücher

Die revolutionäre Tat

28011800_9783351036744_xlArtjom Wesjoly
Blut und Feuer
Roman
Aufbau 2017

Bei einem Halt lässt Maxim Kushel, ein Soldat, der sich auf der chaotischen und gefährlichen Rückreise von der Front befindet, einen jungen Harmonikaspieler in den Waggon einsteigen. Von ihm erfahren die Soldaten von Lenin: Genosse Lenin hat direkt gesagt: Raubt das Geraubte, jagt die Haie der bürgerlichen Klasse ins Grab.

Wesloys Prosa ist expressionistisch. Abgerissene Sätze, Sprachfetzen fliegen durch die Luft, in Zeiten des Bürgerkriegs sind sie gefährlich wie eine Gewehrkugel. Ganze Szenen bestehen nur aus zynischen Kommentaren und volkstümliche Wortwitzen der Protagonisten: des revolutionären Volkes. Ein Buch wie die revolutionäre Tat selbst.

Blut und Feuer erschien in Russland 1932 und 1936 in unterschiedlichen Fassungen. Der Stalinismus machte es kaum möglich, die russische Revolution resümierend und zusammenfassend darzustellen. Zu oft wechselten die Interessen, die Perspektiven auf das Ereignis, zu oft veränderten sich die Koordinaten des Staates, seiner Führer und der Tscheka, zu oft verschwanden wichtige Protagonisten der Revolution in die Lager.

Thomas Reschkes Übersetzung folgt der letzten noch vom Autor selbst betreuten Version. Im Jahr darauf wurde Wesjoly verhaftet und 1938 hingerichtet. 1958, in den Zeiten des Tauwetters, erschien der Roman erneut, allerdings auch nur um den Preis weiterer Streichungen.

Artjom Wesjoly, der in diesem Roman nichts weniger als die letztgültige Darstellung der russischen Revolution versucht, ist immer ganz nah an der Basis der revolutionären Bewegung, dem Volk, dort wo ihre Führer die Entstehung der revolutionären Wahrheit als Tat vermuteten. Dass die revolutionäre Tat das Töten ist, das zum Schweigen bringen mithin, zeigt sich hier auch – vermutlich gegen die Überzeugung des Autors.

Die Geschichte des Bauern und Soldaten Maxim Kushel und des verwegenen Partisanen Tschernojarow stehen nicht im Mittelpunkt. Wie die manchmal nur in Satzfetzen sich vorwärtsbewegende Prosa ist auch die Handlung zerschlagen und zerrissen, ist die Revolution noch in Bewegung und für den Autor unabschliessbar. Eine Handlung, die in den letzten Worten des Romans kein Ende findet: Heimatland … Rauch, Feuer – kein Ende.

Hinweis zum Leseabend Oktober 17.