Karl Olsberg
Schöpfung außer Kontrolle
Wie die Technik uns benutzt
Aufbau 2010
Karl Olsberg erzählt in seinem Buch Schöpfung außer Kontrolle eine Geschichte der Technik, die uns nicht mehr braucht. Wirklich Kommunizierende, also Menschen die reden und quasseln, stören da nur. Im Marketing hat man diese Entwicklung bereits im Begriff der M2M-Kommunikation, einer Machine-to-Machine-Kommunikation erfasst. Hier kommunizieren die Kommunikationswerkzeuge miteinander. Es hilft alles nichts, die dicken Romane des 19. Jahrhundert wirken neben den heutigen technischen Möglichkeiten hoffungslos veraltet. Das Design der Medien wurde einem immer knapperen Zeitbudget angepasst. Wer darüber klagt, hat in der Regel nicht den Mut zu veralten.
Birgit Bysiak, buchhändlerische Auszubildende, schreibt über eines der ersten populären Sachbücher, das sich mit dem Gehirn beschäftigte. Oliver Sacks Klassiker, der in Deutschland zuerst 1985 erschient, begründete nur scheinbar das Genre der verstehenden Patientenbeschreibung. In Douwe Draaismas Geist auf Abwegen (Eichborn 2008) kann man einiges über dieses aus dem 19. Jahundert stammende Genre nachlesen.
Oliver Sacks
Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte
Rowohlt Taschenbuch
Der 1933 in London geborene, seit langem in New York praktizierende Neurologe, Psychiater und Schriftsteller Oliver Sacks zählt zu den weltweit meistgelesenen Sachbuchautoren. International bekannt wurde er Mitte der achtziger Jahre durch sein Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“, einer Sammlung von Fallstudien aus Sacks neurologischer Praxis. Es geht in den Texten dieses Bandes hauptsächlich um Ausfallserscheinungen, um Folgen von Nervenerkrankungen oder organischen Defekten, die das Verhalten der davon betroffenen Menschen erheblich, nicht selten in skurril anmutender Weise verändern.
Oliver Sacks schildert diese Menschen, ihre Erkrankungen und ihr Schicksal vor dem Hintergrund des Alltagslebens in einer besonders mitteilsamen, erzählerischen, betont nicht „wissenschaftlichen“, jedoch höchst präzisen Weise. Diese Erzählhaltung er brachte ihm das Prädikat, er schreibe seine Wissenschaftsreportagen oder –anekdoten in einem „romantischen Stil“, womit hier Schreibstile von Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts gemeint sind.
Der englische Komponist Michael Nyman komponierte nach der Titelerzählung des Buches eine auch in Deutschland erfolgreich aufgeführte Kammeroper, Sacks´ Buch „Zeit des Erwachens“ wurde in Hollywood verfilmt. Oliver Sacks zählt zu jenen herausragenden Sachbuchautoren, die für ihre Geschichten einen eigenen literarischen Stil erfanden.
Birgit Bysiak, buchhändlerische Auszubildende, schreibt über einen Band mit Sammelbiografien schreibender Frauen.
Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März, Elke Schmitter
Leidenschaften: 99 Autorinnen der Weltliteratur
C. Bertelsmann 2009
Das Stichwort, unter dem der hier vorgestellte Sammelband einzuordnen wäre, heißt „Weltliteratur“, im Sinne von bleibend bedeutsamer literarischer Kunst. Die Erkenntnis, daß solches in großem Umfang „auch“ Frauen hervorzubringen im Stand sind, hat sich tatsächlich erst in den zurückliegenden drei bis fünf Jahrzehnten herumgesprochen; - wenn auch langsam und nicht bei jedermann. Eine Reihe namhafter Autorinnen hat nun eine Übersicht stiftendes Werk zusammengestellt, in dem knapp hundert große Dichterinnen anhand ihrer Lebensläufe und Werke vorgestellt sind. Die Lektüre dieser 99 Portraits lohnt in mehrfacher Hinsicht, nicht zuletzt auch, weil aus ihnen ablesbar wird, dass Frauen, speziell auch in der Moderne, noch immer zu anderen Konditionen ihre Teilhabe am Kulturbetrieb zu erarbeiten haben, als ihre männlichen Kollegen. Wer es also noch nicht weiß, hat Gelegenheit, sich an diesem Buch davon zu überzeugen, dass die Welt, die ohnehin schwer zu verstehen ist, ohne die Beiträge der Dichterinnen nun überhaupt gar nicht mehr zu kapieren wäre; - von allen anderen Erträgen abgesehen, die uns die Texte der Bronté-Schwestern, Simone Beauvoirs oder Herta Müllers nahelegen. Also: Keine Angst vor Virginia Woolf!