„Welche Siege, welche Verluste!“ – Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

ein Leseabend zum 150. Jahrestag des Deutsch-Französischen Krieges mit Michael Schikowski

Die Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg bescherte Frankreich eine lange Zeit der Krise. Die Losung lautete damals: „Nie davon sprechen, stets daran denken“ (Léon Gambetta). Es entstanden zur Wiederaufrichtung des französischen Selbstbewusstseins Kirchen wie Sacré-Coeur und Romanwerke wie Romain Rollands „Johann Christof“.

Für Preußen endete der Krieg von 70/71 mit einem Sieg und der Reichsgründung, von dem sich weder Preußen noch das Deutsche Reich je wieder erholen sollte. Nietzsche war der erste scharfe Kritiker des kulturellen Überlegenheitsgefühls der Deutschen. Und Fontane schrieb 1875 über den Kulturvergleich an seine Frau: „Überhaupt will es mir nicht glücken, es im Auslande zu irgendeiner patriotischen Erhebung zu bringen.“

Die kollektiven Erfahrungen dieses Krieges bilden für den späteren Ersten Weltkrieg, seinen Beginn und Verlauf eine wichtige Erklärungs- und Wahrnehmungsressource. Wozu im Übrigen auch die 5 Milliarden zählen, die Frankreich als Reparationszahlungen an das Deutsche Reich aufzubringen hatte. Nochmals Fontane: „Welche Siege, welche Verluste! … noch zwei solcher Siege und – wir sind ruiniert.“

An diesem historischen Leseabend werden die mal analytischen und mal darstellenden Texte u.a. von Friedrich Nietzsche, Romain Rolland, Theodor Fontane und Emile Zola zu hören sein.

 

TERMINE:

Buchhandlung Reuffel, Montabaur
Montag, den 9. März 2020
Beginn: 19.30 Uhr

VHS Bonn – Haus der Bildung „Kulturkalender 2020″
in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn
Donnerstag, den 10. Dezember 2020
Beginn: 20.00 Uhr

Zu Michael Schikowski

Bücher zum Leseabend

Weitere Leseabende: Jane AustenHonoré de BalzacÜber BeethovenHeinrich BöllDie Schwestern BrontëDaniel Defoe Charles DickensFjodor Dostojewski George EliotLouise Erdrich Hans FalladaLion FeuchtwangerTheodor FontaneGrimmelshausenThomas MannMark TwainHerman Melville MultatuliAnna SeghersLew Tolstoi

Historischer Leseabend: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Weitere: November 18. Texte zur Revolution in Deutschland„Heeresbericht“. Texte zum Ersten WeltkriegNapoleonOktober 17. Texte zur Russischen Revolution / Neuerscheinungen des Jahres

// Immer schön sachlich

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Eine pragmatische Schreibanleitung

„So, was können wir jetzt noch tun?!“ Dies ist ein Satz, den manche Autoren oft genug auf Messen oder sonstwo sagen können, nach dreiundzwanzig Veranstaltungen, vier Interviews und zweiundvierzig Besprechungen, zur einer Pressefrau, die alles gegeben hat und langsam die Fassung verliert. Wie gut, dass es dann Klaus Reinhardt gibt, der schreibt: „Es hilft also nichts, Sie müssen selbst aktiv werden.“ Wunderbar ist dieser Satz. Küstenmacher und Kerkeling, möchte man sagen, beobachteten ihre Verkaufserfolge auch nicht vom Sofa aus! » weiter lesen

// Bücher

Biografie eines Bildes

Gijs van Hensbergen
Guernica
Biographie eines Bildes
Siedler 2007

Als die Nazis im Juni 1940 Frankreich besetzten, suchten einige von ihnen auch Picasso auf. Auf sein Bild Guernica deutend, fragte einer der Deutschen: „Was ist das denn?“. Picasso antwortete: „Das haben Sie gemacht.“ Nach der Lektüre von Gijs van Hensbergens Biographie dieses Bildes, weiß ich nun, dass diese Geschichte, die mir mein Kunstlehrer erzählte, nicht stimmen kann. Die Besuche der Gestapo waren gefährlich und schockierend für Picasso, der sich während des Krieges in Paris aufhielt, aber das Bild befand sich zu dieser Zeit schon in Amerika. Erschüttert von der Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor am 26. April 1937, hatte Picasso es im Auftrag der Spanischen Republik für die Weltausstellung in Paris gemalt. Überaus detailliert und hochinformativ erzählt Gijs van Hensbergen von Guernica, das sich auch als Starschnitt auf der Rückseite des Buchumschlags nichts vergibt.

// Bücher

Wofür fünf Goldtaler?

Neue Geschichte der deutschen Literatur Herausgegeben von David E. Wellbery, Judith Ryan, Hans Ulrich Gumbrecht, Anton Kaes, Joseph Leo Koerner. Übersetzt von Volker von Aue, Christian Döring, John von Düffel, Peter von Düffel, Helmut Ettinger, Gerhard Falkner.
Berlin University Press 2007

Ich habe mir immer schon mal gewünscht, ein Buch allein dadurch vorzustellen, dass ich Ihnen etwas aus dem Inhaltverzeichnis zitiere. Bei einem solchen Mammutwerk wäre das zu unserer Überraschung an keiner Stelle langweilig: 1147 – Hildegard von Bingen schreibt an Bernhard von Clairvaux; 12. November 1203 – Walther von der Vogelweide erhält fünf Goldtaler, um sich einen Pelzmantel kaufen zu können; Sommer 1805 – Goethe verfolgt hinter einem Vorhang verborgen Friedrich August Wolfs Vorlesung an der Universität Halle; 1818 – Daniel Schmolling wird für die Ermordung seiner Verlobten hingerichtet.
Wir fragen uns unwillkürlich, was schrieb Hildegard, wofür fünf Goldtaler, wieso hinter einem Vorhang? Bei dem Mord des Daniel Schmolling liegt die Pointe darin, dass der Richter im Berufungsverfahren kein Geringerer als E.T.A. Hoffmann war.
Mit diesem feuilletonistischen Verfahren, ein besonderes Vorkommnis an den Anfang der germanistischen und kuturwissenschaftlichen Aufsätze zu stellen, wird ein Schlaglicht auf ein Netzwerk von Verbindungen wirklicher Menschen geworfen, Menschen, die reden, schreiben und handeln, die sich hinter einem Vorhang verstecken oder sich, da nur wirkliche Menschen wirklich frieren, für fünf Goldtaler einen wärmenden Mantel kaufen – da sind die paar Euro für diese Schatz- und Fundgrube der deutschen Literatur nicht weniger gut angelegt, auch wenn Eichendorff, der Jubilar des Jahres 2007 fehlt.