Die 100 Sachbuch Klassiker – ein Kanon

Georg Forster, Ansichten vom Niederrhein (1791 f.)
Johann Gottfried Seume, Spaziergang nach Syrakus (1802)
Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur (1808)
Paul Johann Anselm von Feuerbach,
Merkwürdige Kriminalrechtsfälle (1808 f.)
Karl August Varnhagen van Ense, Biografische Denkmale (1824 f.)

Heinrich Heine, Reisebilder (1826)
Carl von Clausewitz, Vom Kriege (1832 f.)
Ludwig Börne, Briefe aus Paris (ab 1832)
Johann Gustav Droysen, Geschichte Alexander des Großen (1833)
Hermann von Pückler-Muskau, Tutti Frutti (1834)

Bettina von Arnim, Dies Buch gehört dem König (1843)
Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845)
Emil Adolph Roßmäßler,
Populäre Vorlesungen aus dem Gebiet der Natur (1852)
Theodor Mommsen, Römische Geschichte (1854)
Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit (1859 f.)

Jacob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien (1860)
Herman Grimm, Leben Michelangelo’s (1860 f.)
Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1862)
Alfred Brehm, Illustrirtes Thierleben (1864 f.)
Max Eyth, Wanderbuch eines Ingenieurs (1871 f.)

Wilhelm Bölsche, Das Liebesleben in der Natur (1898)
Ernst Haeckel, Die Welträthsel (1899)
Hans Dellbrück, Geschichte der Kriegskunst (1900 f.)
Julius Meier-Graefe, Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst (1904)
Bruno H. Bürgel, Aus fernen Welten (1910)

Ricarda Huch, Der große Krieg in Deutschland (1912)
Artur Holitscher, Amerika heute und morgen (1912)
Oscar Bie, Die Oper (1913)
Paul Rohrbach, Geschichte der Menschheit (1914)
Max von Böhn, Vom Kaiserreich zur Republik (1917)

Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes (1919)
Arthur Fürst, Das Weltreich der Technik (1924 f. )
Hanns Heinz Ewers, Ameisen (1925)
Colin Ross, Mit dem Kurbelkasten um die Erde (1926)
René Fülöp-Miller, Geist und Gesicht des Bolschewismus (1926)

Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit (1927 f.)
Stefan Zweig, Sternstunden der Menschheit (1927)
Joseph Roth, Juden auf Wanderschaft (1927)
Paul Eipper, Tiere sehen dich an (1928)
Valeriu Marcu, Das große Kommando Scharnhorsts (1928)

Emil Ludwig, Juli 14 (1929)
Friedrich Sieburg, Gott in Frankreich? (1929)
Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur (1930)
Werner Hegemann, Das steinerne Berlin (1930)
Theodor Heuss, Hitlers Weg (1932)

Heinrich Eduard Jacob, Sage und Siegeszug des Kaffees. (1934)
Walter Kiaulehn, Die eisernen Engel (1935)
Reinhold Schneider, Das Inselreich (1936)
Karl Aloys Schenzinger, Anilin (1937)
Siegfried Kracauer, Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit (1937)

Dolf Sternberger, Panorama (1938)
Anton Zischka, Ölkrieg (1939)
Frank Thiess, Das Reich der Dämonen (1941)
Ludwig Reiners, Deutsche Stilkunst (1944)
Eugen Kogon, Der SS-Staat (1946)

C. W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte (1949)
Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit (1950)
Joachim Fernau, Deutschland, Deutschland über alles (1952)
Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht (1955)
Peter Bamm, Frühe Stätten der Christenheit (1955)

Wolfgang Leonard, Die Revolution entlässt ihre Kinder (1955)
Margret Boveri, Der Verrat im 20. Jahrhundert (1956)
Erhart Kästner, Die Stundentrommel (1956)
Erich Kuby, Das ist des Deutschen Vaterland (1957)
Rudolf Pörtner, Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit (1959)

Klaus Mehnert, Peking und Moskau (1961)
Josef Pieper, Über den Glauben (1962)
Ludwig Marcuse, Obszön (1962)
Hoimar von Ditfurth, Kinder des Weltalls (1970)
Golo Mann, Wallenstein (1971)

S. Fischer-Fabian, Die ersten Deutschen (1975)
Horst Stern / Ernst Kullmann, Leben am seidenen Faden (1975)
Alice Schwarzer, Der kleine Unterschied und seine großen Folgen (1975)
Klaus Theweleit, Männerphantasien (1977)
Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler (1978)

Peter Scholl-Latour, Der Tod im Reisfeld (1979)
Barbara Beuys, Familienleben in Deutschland (1980)
Peter Lauster, Die Liebe (1980)
Horst-Eberhard Richter, Alle reden vom Frieden (1981)
Joachim-Ernst Berendt, Nada Brahma (1983)

Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft (1983)
Dieter Hildebrandt, Pianoforte (1985)
Stefan Aust, Der Baader Meinhof Komplex (1985)
Dieter Kühn, Der Parzival des Wolfram von Eschenbach (1986)
Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums (1986 f.)

Rüdiger Safranski, Schopenhauer (1988)
Eugen Drewermann, Kleriker (1989)
Günter Ogger, Nieten in Nadelsteifen (1992)
Ulrich Wickert, Der Ehrliche ist der Dumme (1994)
Anita Albus, Die Kunst der Künste (1997)

Florian Illies, Generation Golf (2000)
Karl Schlögel, Petersburg (2002)
Wolfgang Büscher, Deutschland, eine Reise (2005)
Frank Schirrmacher, Minimum (2006)
Frank Schätzing, Nachrichten aus einem unbekannten Universum (2006)

Richard David Precht, Wer bin ich – und wenn ja wie viele (2007)
Ilija Trojanow, Nomade auf vier Kontinenten (2007)
Jürgen Neffe, Darwin (2008)
Ulrich Raulff, Kreis ohne Meister (2009)
Roger Willemsen, Die Enden der Welt (2010)

// Sachbuchforschung

Imperium Konflikt Mythos – Varusschlacht und Hermannsdenkmal

Professor Arnulf Krause stellte sich im Lippischen Landesmuseum Detmold den Fragen des Publikums.

Die Geschichte und ihre Ereignisse sind von ihrer Bewirtschaftung durch Fachleute und den Schwarm interessierter Laien kaum mehr zu trennen. Die Varusschlacht wird daher auch als eine Medienschlacht immer wieder neu geschlagen. Im vergangenen Jahr wurde der Geschäftsführer der gemeinnützigen „Vaurusschlacht im Osnabrücker Land GmbH“ wegen Subventionsbetrug und Erschleichung von Fördergeldern angezeigt. Diese Anzeige kam aus dem Umfeld des Hermanndenkmals im lippischen Raum, wo man eine merklich nachlassende Attraktion zu bemerken glaubte und die „Standortfrage“ zu einem Bewirtschaftungsproblem geriet. Nicht anders – machen wir uns da nichts vor – unsere Autoren, auch sie bewirtschaften ihr Feld und dies manchmal hervorragend.
Als ich auf der Buchmesse danach gefragt wurde, ob ich denn schon den Märtin gelesen hätte, konnte ich mich zunächst nicht besinnen, wusste aber dass ich ihn schon in Händen gehalten hatte und dann fielen mir plötzlich die Plateausohlen des Kaiser Augustus ein. Ein Detail, das auch aus dem Handbuch des nutzlosen Wissens hätte stammen können, aber, wie mir nun einfiel, am Anfang von Märtins Buch steht, wo der reitende Bote, nachdem er dem schockierten Kaiser die Nachricht überbracht hat und auf eben dieses Detail in seiner Verbeugung blickt. So funktionieren nicht nur Geschichten, so funktioniert auch – denke ich – die Erinnerung. » weiter lesen

Kulturwissenschaftler auf der Steuerungsebene – Wer schützt die Kulturwissenschaft vor den Ansprüchen ihrer Vertreter?

Markus Fauser
Einführung in die Kulturwissenschaft
Wissenschaftliche Buchgesellschaft
4. Auflage 2008

Die Kulturwissenschaft ringt noch immer um ihr Selbst- und Fremdbild. Eine wichtige Rolle bei dieser Konstitution spielt das Genre des Lehrbuchs. Hierbei geht es zwar auch um wissenschaftliche Konstituentien, die eine wissenschaftliche Disziplin ausmachen, aber letztendlich auch um Einfluss, Reputation und Mittel. Dieses wissenschaftliche, institutionelle und ökonomische Feld möglichst weit abzustecken ist das Bestreben. Dabei erfreut sich die Kulturwissenschaft steigender Beliebtheit gerade auch außerhalb akademischer Kreise, wie man etwa an Neuauflagen der Texte von Egon Friedell erkennen kann. Ein gewichtiger Grund dafür dürfte in der Thematisierung des Alltags liegen (richtig: auch Simmel erfreut sich steigender Beliebtheit).

Denn seit Simmel und Elias ist der Alltag anerkannter Gegenstand (sozial)wissenschaftlicher Untersuchungen geworden, seit Foucault ist er sogar Mode und dadurch wissenschaftlicher Mainstream geworden. Nur wäre es für die Kulturwissenschaft ratsam, Überlegungen über den Stellenwert des Alltags in den Untersuchungen der genannten Autoren anzustellen. Simmel und Elias als Soziologen lag es insofern nahe, den Alltag zu untersuchen, als er ein Teilbereich des Gegenstands der Soziologie, nämlich der Gesellschaft ist. Foucault wiederum leitete aus bis dahin vernachlässigten Untersuchungsgegenständen wie dem Gefängnis weitreichende Thesen über die Funktionsweise von Diskursen und Gesellschaften ab.

Was dort genuiner Bestandteil des Untersuchungsgegenstands ist und hier Anlass für weiterführende Thesen gemäß einer zumindest teilweise elaborierten Methodik ist, wurde in jüngeren Texten häufig zum Selbstzweck. Das Salz beispielsweise an sich mag für einige von Interesse sein und sogar für eine historisch-soziologische Problemstellung, denn das Salz ist ein wichtiger Rohstoff und war einige Zeit ökonomisch sehr bedeutsam. Für ein Verständnis der Literaturgeschichte ist es nahezu bedeutungslos. Derartige Untersuchungen laufen dann so ab, dass der Verfasser sich ex- oder implizit zu Gute hält, ein Thema untersucht zu haben, das bislang (allerdings aus gutem Grund) vernachlässigt wurde. An diese Feststellung schließt sich eine kurze Darstellung des Gegenstands und dann wiederum ein herkömmlicher, sich an der Höhenkammliteratur abmühender ideengeschichtlicher Abriss über einige hundert Seiten an, wie er alle paar Wochen in einem Buch erscheint. » weiter lesen

Im Maschinenraum des Literaturbetriebs

Für den Literaturbetrieb lässt sich keine verlässliche Defintion auftreiben, meint Michael Buchmann. Daher hat er für seine Literaturbetriebsforschung in Karlsruhe einige historische Texte aus dem Maschinenraum der Literatur aufgesammelt und erörtert in seinem Seminar unter Mithilfe von Prof. Dr. Schmidt-Bergmann, Bernt Ture von zur Mühlen und Dr. Bernd Villhauer die Mechanik des Betriebs. Im Vorgriff auf meinen Beitrag zum Thema, der am 9. Juni 2009 unter dem Titel „Der Betrieb – Bücher machen, kommunizieren und verbreiten“ statt findet, hier einige Bemerkungen zu den Nebengeräuschen aus dem Maschinenraum des Literaturbetriebs.

Die Maschine ist zu laut

In besonders emphatischer Weise, die sich um keine empirische Grundierung der Überlegungen mehr kümmert, ist immer häufiger vom direkten Verhältnis des Autors zu seinen Lesern die Rede. Als sei der Weg vom Laptop des Autoren auf den Bildschirm des Lesers ein Weg, der die Mittler, die nichts weiter als Störer und Verhinderer seien, endlich überspringen kann. Allerdings, mit den Büchern und ihrer Digitalisierung verhält es sich wie mit der Schule, alle besuchten eine und daher können alle mitreden. Die Art der munteren Unmittelbarkeit zwischen Autor und Leser hat den Charme, den alle Ideen der Vereinfachung der Verhältnisse haben. Man stellt die Maschine ab und schickt die Belegschaft nach Hause. Dann ist Ruhe und Autor und Leser schauen sich tief in die Augen.

Vergleiche mit der Musikindustrie » weiter lesen