Das Nibelungenlied. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

 

 

Uns ist in alten mæren wunders vil geseit

Das Nibelungenlied ist wie kaum ein anderer Text zum literarischen Urbild der Deutschheit erkoren worden. Heute in diesem Text zu lesen, heißt daher immer zugleich auch die fatale Wirkungsgeschichte des Textes mitzuteilen, in dem Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache im Mittelpunkt stehen. Die Figuren des Nibelungenliedes sind vor allem Verkörperungen von Rollen, deren Handlungen und Entscheidungen dem Gesellschaftsgefüge um 1200 entsprechen.

Die eigentliche Karriere des Nibelungenlied startete erst im 19. Jahrhundert mit ungezählten Verwertungen. 1924 kam der Stoff schließlich in die deutschen Kinos. Das Nibelungenlied ist ein Stoff, aus dem jede Zeit ihre je eigenen Ableitungen versuchte – bis zum Preußenkönig Friedrich II., der, offensichtlich von der sich entwickelnden Germanistik wenig überzeugt, verlauten ließ, dass das Nibelungenlied „keinen Schuss Pulver wert“ sei. Eine Aussage, die bis in die 1960er Jahre für Klassenarbeiten der Oberstufe geeignet erschien – das Gegenteil ist zu beweisen!

Der Odenwald und die Nibelungensage sind seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verwoben. Das mittelalterliche Epos erzählt die dramatische Geschichte um Liebe, Verrat und Rache – und verortet einen ihrer schicksalhaftesten Momente mitten in den dichten Wäldern der Region: die Ermordung des Helden Siegfried durch Hagen von Tronje.

Nach der Erzählung nutzte Hagen eine Jagd im Odenwald, um den schier unbesiegbaren Siegfried hinterrücks an einer Quelle zu erstechen. Bis heute streiten sich verschiedene Gemeinden in der Region leidenschaftlich darum, wo sich der historische Siegfriedbrunnen tatsächlich befunden hat. Ob in Grasellenbach, Mossautal, Lindenfels oder Zwingenberg – die Spuren der Sage sind im gesamten Odenwald präsent.

Als Teil der weltberühmten Nibelungenstraße zieht die sagenumwobene Mittelgebirgslandschaft mit ihren tiefen Tälern, mystischen Felsformationen und alten Burgruinen bis heute Besucher in ihren Bann. Der Odenwald verleiht dem Nibelungenlied so eine greifbare Kulisse, in der Geschichte und Mythos auf einzigartige Weise verschmelzen.

Mit Lesungen und begleitenden Erläuterungen werfen wir einen Blick auf längst Vergangenes, in dem uns das Gegenwärtige unheimlich nah kommt.

 

 

Autoren in der Rentmeisterei – Spezial
HR2Kultur – Literaturland Hessen – Ein Tag für die Literatur am 2. Mai
„Das Nibelungenlied“ – Lesung und Erläuterung: Michael Schikowski
Bad König – Großer Saal der Rentmeisterei – Am Schloßplatz
Sonntag, den 2. Mai 2027
Beginn: 19.30 Uhr
VVK: 14 Euro AK: 17 Euro unter: 06063 4115
Alle Infos unter: www.literaturhandlung-paperback.de

// Leseabend

Rainer Maria Rilke. Eine Leseabend mit Michael Schikowski

Lesung zum Rilke-Jahr 2026

Rilkes Gedichte sind vielen ein Leben lang geläufig. Sie wirken bis heute. Die Intensität seiner Prosa strebte die vollkommene Erfassung des Gegenstands an. Der Weg dorthin führte Rilke über das handwerkliche Können, das jede Äußerung, gerade auch die Briefe, einschloss. Im Brief an einen jungen Dichter nennt er sein Programm: Wie ein erster Mensch zu sagen, was wir sehen und erleben und lieben.

Die Nähe zum Journalismus, zu dem er alle Gaben besaß, fürchtete er. Im Journalismus, der sich zu seiner Zeit zu einem Höhenflug anschickte, hätte er ein Auskommen gehabt. (hier zur Lesung des offenen Briefs an Maximilian Harden). Rilke entschied sich für ein prekäres und zugleich luxuriöses Dasein, wurde er doch vielfach ein Protegé der Reichen. Als Besucher von Tolstoi wurde er diesem lästig, als Sekretär Rodins produktiv. Auch in Worpswede hielt er sich auf, heiratete die Bildhauerin Clare Westhoff, und trennte sich bald darauf.

Neben einigen Gedichten werden vor allem die Prosawerke Rilkes wie die Geschichten vom lieben Gott, die unvergänglichen Briefe an einen jungen Dichter und die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge im Mittelpunkt dieses Abends stehen.

 

Buchhandlung Stephanus, Trier
Montag, 12. Oktober 2026
Beginn 19 Uhr

Buchhandlung Siebenmorgen, Refrath
Donnerstag, 22. Oktober 2026
Beginn 19.30 Uhr

Literaturhaus Leipzig
Donnerstag, 19. November 2026
Beginn: 19 Uhr

Stadtbibliothek Wittenberg
Freitag, 20. November 2026
Beginn: 19 Uhr

Lüdinghausen
Donnerstag, 31. Dezember 2026
Beginn wird noch bekannt gegeben.

 

Aus: Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke:

 

 

 

 

E.T.A. Hoffmann. Ein Leseabend mit Michael Schikowski

Zum 250. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann

 

 

 

Das schriftstellerische Werk des Juristen, Komponisten und Kapellmeisters E.T.A. Hoffmann war überaus erfolgreich. Das Typische der „Klassiker“ hatte bei ihm allerdings keinerlei Platz –  ihn beschäftigte der normwidrige Charakter. Durch die Fantasiestücke, sein Erstling von 1814, wie die Nachtstücke von 1816 wurde er rasch als „Gespenster-Hoffmann“ populär.

Die Tiere wie Meister Floh, der Hund Berganza und Kater Murr nehmen bei Hoffmann eine titelgebende Rolle ein – eine auch unheimliche Seite des Lebendigen. Denn häufig begegnet den Figuren, wie Hoffmann einmal schreibt, „etwas fremdartig Bekanntes“, und markiert damit den Anfang der fantastischen Literatur.

In der Fantasie wird die Bindung an die Wirklichkeit aufgegeben, ihr ist in unzähligen Kombinationen alles möglich. Vor allem in der Musik bleiben die Begrenzungen der Sinnenwelt zurück. Statt bestimmter Gefühle ermöglicht sie, sich einer „unaussprechlichen Sehnsucht“ hinzugeben.

E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) lebte und schrieb in der nach-napoleonischen Zeit der Restauration und Demagogenverfolgung. Ihm bot allein die Kunst ein Ausweg. Im realen Leben ist ihre Verwirklichung allerdings nicht möglich. Wo dies versucht wird, schlagen die Ereignisse in Wollust, Verbrechen und Wahnsinn um.

Buchhandlung am Markt, Darmstadt
Donnerstag, 29. Oktober 2026
Beginn 18.30 Uhr

Buchhandlung Rheinschmökern, Krefeld
Sonntag, 8. November 2026
Beginn: 16 Uhr