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Wie man die Knef wird

Anne Blenklein, buchhändlerische Auszubildende, schreibt über den zuerst 1970 veröffentlichten Erfolgstitel von Hildegard Knef. Ein Erfolg, der auch als eines der ersten Beispiele für die Vermarktung von Büchern durch und über die Talkshow gilt. Dass der Titel unserer Rezensentin am Ende recht wirr vorkam, tat dem Buch – das alles andere nur kein Roman ist wie die Neuausgabe frech behauptet – keinen Abbruch.


Hildegard Knef
Der geschenkte Gaul.
Bericht aus einem Leben.
Roman
edel Edition Moewig 2008

Hildegard Knef, eine Frau aus den Anfängen des 20. Jahrhundert: Über eine Kunstschule gelangt sie zum Schauspielerei und tritt schon bald in kleinen Stücken auf. Als besonders schön wird sie nicht bezeichnet, aber eben als etwas Besonderes. Der Krieg bricht aus und sie schlägt sich durch, ist Gefangene bei den Russen. Dann geht’s auf nach Amerika, natürlich nach Hollywood. Sie trifft Leute wie den Regisseur David Selznick, Henry Miller, Marlene Dietrich und Billy Wilder.

Der „Bericht aus einem Leben“ ist unstet von der Schreibweise her und wahrscheinlich war der Autorin innerlich auch so zumute. Sie schreibt anfangs erzählerisch, angenehm zu lesen, dann geht sie über in einen kurzen, Aussagen aneinanderreihenden Schreibstil, der oft sehr treffend, oft gehetzt daher kommt. Zuweilen auch schwierig zu lesen, man braucht etwas Geduld für manche Abschnitte. Viele Eindrücke beschreibt sie, wichtige Gespräche auch Wort für Wort. Später fügt sie eine Datumsangabe mit ein, währned anfangs die Kapitel nummeriert waren. Dann beginnt sie auch, in den Zeiten zu springen, von ’49 nach ’69 beispielsweise. Ob es nur mir so geht, dass ich nicht immer ganz folgen konnte, weiß ich nicht.

Das große Bücherfressen

Hektor Haarkötter
Der Bücherwurm.
Vergnügliches für den besonderen Leser
Primus Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2010

In Bibliotheken ist schlimmer noch als seine Fraßtätigkeit die Verunreinigung durch Kot und bandförmige Spinnfäden, mit denen sich die Puppe umgibt.

Leider führt Hektor Haarkötter ausgerechnet dieses viel versprechende tertium comparationis zwischen tatsächlichem und metaphorischem Bücherwurm nicht aus. Dabei ist die Verdauungsmetapher im Zusammenhang mit der Produktion von Sekundärliteratur nicht neu. Das wohl prominenteste Beispiel findet sich in den Xenien von Goethe und Schiller und ist mit dem Titel Geschwindschreiber versehen:
Was sie gestern gelernt, das wollen sie heute schon lehren –/Ach, was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm!
Nichtsdestotrotz sei weiterhin allen Bibliophilen ein guter Appetit und viel Freude beim Verunreinigen der Bibliotheken gewünscht!

Regionalisierung versus Globalisierung

Jeffrey Rubin
Warum die Welt immer kleiner wird. Öl und das Ende der Globalisierung.
Hanser 2009

Nicholas A. Christakis und James H. Fowler
Connected! Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist.
S. Fischer 2010

Vielleicht sind es ein alter industrieller Rohstoff und die neueste Entwicklung der Informationstechnologie, die sich zu einem überaschenden Gegentrend zur Globalisierung verbünden: einer neuerlichen Regionalisierung. Folgt man Jeff Rubin, dann werden die steigenden Ölpreise die ungeheuren weiltweiten Transportwege der Waren bald so verteuern, dass sich die Herstellung gleich um die Ecke wieder lohnen könnte.

Bei Nicholas A. Christakis und James H. Fowler allerdings liegt dieser Trend nicht so sehr auf der Hand, er ist dem Buch nur indirekt zu entnehmen.

Von der Einsicht in Netzwerke als Verstärkungsmedium sich abgeschließender und darum radikalisierter Gemeinschaften ist man in der Netzwerkforschung, wie sie Christakis und Fowler vertreten, noch weit entfernt. Die Ideologie einer netzgewirkten Demokratisierung und weitweiten Allverbundenheit der Teinehmer ist allerdings ein die Gemeinde stabilisierendes Produkt, das ihr noch ganz verborgen scheint.

Deutschlandradio Kultur. Lesart:
Das politische Buchmagazin.
Global und regional? -Zukunftstrends.
Rezensenten: Sylke Tempel und Michael Schikowski
Moderation: Florian Felix Weyh

Gesendet am 05.04.2010.

Hier der Link zum podcast.