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Die neuen Medien im alten Buch

Florian Felix Weyh in einer Sammelrezension zu Büchern über das Internet:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1448260/

Mit der Macht zur Marktmacht

Christian Adam
Lesen unter Hitler
Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich
Galiani 2010

Mit diesem Buch hat Christian Adam eine ebenso interessante wie gut lesbare Studie geschrieben, die uns den Schlüssel zum Verständnis von Opas Bücherschrank liefert. Wenn man sich, wie Victor Klemperer, dazu entschließt, die Bestseller der eigenen Zeit zu lesen, dann ist ihm das Ziel, das Denken der eigenen Zeit zu verstehen, Rechtfertigung genug. Uns heutigen sind viele der von Adam genannten Bücher fremd und fern. Allein, die entsetzliche Langeweile, die die Romane verströmen, ihre Abgedroschenheit und die perfide Argumentation der Sachbücher, die durch die Macht zur Marktmacht wurden, lehrt lesen.

Papier und Bleistift

Volker R. Remmert, Ute Schneider
Eine Disziplin und ihre Verleger
Disziplinenkultur und Publikationswesen der Mathematik in Deutschland
1871-1949 (= Mainzer Historische Kulturwissenschaften Bd. 4)
transcript 2010

In seiner 1939 erschienenen populären Darstellung Geist der Mathematik schrieb Max Bense: „Insofern die Mathematik gegenwärtig ihr höchstes Niveau erreicht, ist es notwendig, daß sie ein Beitrag der Bildung wird. Wenn auch vielleicht nicht ihre Erkenntnisse populär werden, so doch der Geist dieser Erkenntnisse, der ein Geist der kühnen Tiefe, der kühlen Klarheit und der verborgenen Gedankenleidenschaft ist.“

In diesen Sätzen, mit denen Max Bense sein Schreiben über die Mathematik rechtfertigt, lassen sich gut auf die Fragestellungen von Volker Remmert und Ute Schneider anwenden: Warum Mathematik verlegen? Wie wurde die Entwicklung der Disziplin Mathematik durch das Publikationswesen beeinflusst?

Mit Bense sieht man schon, wie sich hier die Mathematik durch pathetische Formeln von der ‚kühnen Tiefe und kühlen Klarheit‘ der sozialen Einbindung zu entziehen weiß. Papier und Bleistift, mehr braucht es danach nicht. Dagegen zeigen Remmert und Schneider wie beispielsweise die „Antimathematik“ vor 1900, die Wirtschaftskrise nach 1918 und der Nationalsozialismus ihre Spuren in der Entwicklung dieser Disziplin hinterlassen haben.