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Nicole Zepter
Kunst hassen
Eine enttäuschte Liebe
Tropen 2013
Schlimmeres als in Siegen oder Hamm, Mönchengladbach oder Herford im Museum zu landen, kann der Kunst nicht passieren. Oder doch: in einem Katalog besprochen zu werden. Hier vor allem ist Kunst immer Kunst. Aber auch in Frankfurt und Köln – im Katalog sowieso.
Das möchte man mal erleben, es kommt einer in die Ausstellung und ruft: „Wie scheiße ist das denn?“ Oder ein Handzettel im Museumsladen, auf dem steht: „Es gibt keinen Katalog zur Ausstellung. Die Werke von NN waren einfach nicht gut genug.“
Oder, wenn schon der Katalog unbedingt sein muss, den Hinweis des Kurators: „Die Bilder in den oberen Räumen sind so schlecht, es lohnt nicht auf sie einzugehen.“ Oder die Leute, die einem im Aufzug begegnen und sich trauen, vor den langweiligen Sachen im Obergeschoss zu warnen. Würde man ihnen Glauben schenken? Oder nach oben eilen und den Schwurbel anstieren, bis einer heult?
Was es bei jedem Fußballspiel gibt, gibt es in der Kunst nicht. Endlich gibts dafür immerhin Nicole Zepters Buch. Gebunden in das Sackleinen, bei dem, wenn man drauf haut, man zweifellos immer den richtigen trifft. – In dieser Buchbesprechung muss einer was loswerden: alle genannten Museen habe ich aufgesucht.
// Bücher
Unter dem Reihentitel Ästhetik des Buches gibt Klaus Detjen im Wallstein Verlag Bücher zur Buchform und zur Form des Buches heraus.
Den Auftakt bildet Hans Andrees faszinierende Erläuterungen zu Schriftgeschichte, gefolgt von Günter Karl Boses kurzen papier- und buchgeschichtlichen Überblick. Abschließend für dieses Jahr schreibt Gerd Fleischmann über den Typografen Jan Tschichold. Die Reihe wird fortgesetzt mit Büchern von Roland Reuß und Walter Pamminger.

Hans Andree
normal regular book roman
Ein Beitrag zur Schrift- und Typografiegeschichte
Wallstein 2013

Günter Karl Bose
Das Ende einer Last
Die Befreiung von den Büchern
Wallstein 2013

Gerd Fleischmann
Tschichold – na und?
Wallstein 2013
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Jan Plamper
Geschichte und Gefühl
Grundlagen der Emotionsgeschichte
Siedler 2012
Warum ergreifen den griechischen Helden die Gefühle als außer ihm liegende Mächte? Wie packte man sich im 18. Jahrhundert bei der Ehre, vor allem aber wo? Was ist das Ehrgefühl überhaupt? Oder kann man auch als Migrant „German Angst“ entwickeln?
Die Gefühle haben eine Geschichte. Schon allein darin ist Plampers überaus umfangreiche Gesamtdarstellung all dessen was man über Gefühle wusste und weiß, überall aufschlussreich.
Es gibt kein Gefühl an sich, das man im einen Augenblick formulieren und dann wie einen 3-D-Ausdruck zur Hand nehmen und wie zum Beweis vorzeigen kann. Die Verdinglichung des einen Gefühls, das man da und da hatte, wurde in den letzten Jahren von der Topologie der Gefühle im Gehirn, dem sich die Neurowissenschaften widmen, abgelöst.
Plamper zeigt, dass das bildgebende Verfahren der Gefühlslokalisierung immer dann ziemlich sicher in die Irre führt, wenn sich Kulturwissenschaften darauf beziehen. Sie gehen dann ein wenig wie derjenige vor, der aus aus dem Wärmebild eines Hauses Rückschlüsse auf die Familienverhältnisse unternimmt.