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Im Wartehäuschen der Gegenwärtigkeit

Loel Zwecker
Ein Schritt zurück in die Zukunft
Was wir aus der Geschichte lernen können
Pantheon 2013

Die Rede davon, dass man die Menschen, seien es nun Schüler oder erwachsene Zeitgenossen, immer abholen müsse, wo sie gerade herumstehen, ist eine beliebte logistische Metapher für didaktische Methoden. Manchmal drängt sich allerdings auch der Eindruck auf, dass es sich einige im Wartehäuschen ihrer Gegenwartsbezogenheit gemütlich gemacht haben und von Linien, und seien es auch nur die Buslinien des historischen Sachbuchs, nichts wissen wollen.

Ihre Werte, ihre Einstellungen, ihre Gesinnungen sind ihnen wichtig, die Bedingungen ihrer Entstehung zeigte ihnen aber, dass sie entstanden sind und daher auch vergehen können. Wer nicht einsteigt, kann daher um so unnachgiebiger auf seine moralischen Ansprüche, seine Ansprüche überhaupt pochen. Da stehen sie in ihrem ewigen Jetzt, weigern sich einzusteigen, und bemessen alles nach den Ausmaßen ihres Wartehäuschens, ihrer Werte und ihrer heute gefassten Einstellungen.

Davon einmal wegzukommen, lädt Loel Zwecker sie ein. In seiner Weltgeschichte Was bisher geschah von 2010 hat er einen ersten Versuch im Genre des populären historischen Sachbuchs unternommen. Hier nun hält der Bus zum zweiten Mal und lässt seine Leser zusteigen.

Loel Zwecker schreibt Geschichte aus der Perspektive seiner Leser, die in Partnerschaften leben, die zur Arbeit gehen, Steuern zahlen, Kinder erziehen und Sport treiben und sich dann fragen, wie es dazu kam, ob das immer schon so war, wie es ist, und ob es so bleiben muss. Das gelingt ihm auf eine ebenso grundsolide wie unterhaltsame Art und Weise. Sein historischer Tiefblick lehrt alle, die sich auf ihre Gegenwärtigkeit etwas zu Gute halten, diese neu sehen.

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1812 ff.

Adam Zamoyski
1812
Napoleons Feldzug in Russland
C. H. Beck 2012

Das beste Buch über den Russlandfeldzug Napoleons schrieb natürlich Tolstoi mit Krieg und Frieden. Gar nicht so knapp dahinter ist Zamoyskis voluminöse Darstellung der Ereignisse. Manchmal geht einem beim Lesen solcher dicken Bücher durch den Kopf, dass man es vielleicht nicht so überaus genau wissen wolle. Doch hier, bei diesem Buch, da will man es ganz genau wissen. Und Adam Zamoyski verschafft Überblick, fasst zusammen und erklärt die Motive der einzelnen Protagonisten. Und er ist ein großartiger Erzähler aus den Quellen.

Tolstoi schaltet im neunten Teil des Romans eine historische Reflexion ein und schreibt: „Millionen Menschen mußten also, aller ihrer Menschengefühle und all ihres Menschenverstandes bar, von Westen nach Osten ziehen und ihresgleichen totschlagen“. Das ist so erstaunlich, so rätselhaft und im Grunde unerklärlich, dass die Erzählung davon, wie es dazu kam, wie es verlief und endete, nur im Geflecht eines umfangreichen Buches möglich ist, das Überblick über die großen Verläufe gibt und Einblick in die einzelnen Schicksale.

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Weltmacht Islam

Tom Holland
Im Schatten des Schwertes
Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreichs
Klett-Cotta 2012

Tom Holland ist ein Historiker, der mit Persischem Feuer und Millenium Werke vorgelegt hat, die sich ganz ihrem Stoff hingeben – und ihren Lesern. Der Stoff schreckt ihn nicht, gerade dürftige Quellenlagen sind Holland Herausforderung genug verstehen zu wollen. Seinen Lesern bietet er immer wieder kleine anachronistische Wendungen und Bemerkungen, die seinen Texten die notwendige Würze verleihen.

Mit seinem neuen Buch über die Jahrhunderte der Entstehung des arabischen Weltreichs im 7. Jahrhundert schließt er zugleich eine Lücke in der Chronologie seiner bisherigen Veröffentlichungen. Eine Losung, die erstmals 685 oder 686 auf einer Münze geprägt wurde, ist es, die nach Holland eine „ungeheure Durchschlagskraft“ entfaltet. Eine bloß militärisch herbeigeführte Einigung hält nur solange die Klammer der Waffengewalt hält, sie bedarf der Verbindung mit Gott. Die Botschaft lautete: „Bismallah Muhammad rasul Allah“ – „Im Namen Gottes, Mohammed ist der Bote Gottes“.