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Biografie eines Bildes

Gijs van Hensbergen
Guernica
Biographie eines Bildes
Siedler 2007

Als die Nazis im Juni 1940 Frankreich besetzten, suchten einige von ihnen auch Picasso auf. Auf sein Bild Guernica deutend, fragte einer der Deutschen: „Was ist das denn?“. Picasso antwortete: „Das haben Sie gemacht.“ Nach der Lektüre von Gijs van Hensbergens Biographie dieses Bildes, weiß ich nun, dass diese Geschichte, die mir mein Kunstlehrer erzählte, nicht stimmen kann. Die Besuche der Gestapo waren gefährlich und schockierend für Picasso, der sich während des Krieges in Paris aufhielt, aber das Bild befand sich zu dieser Zeit schon in Amerika. Erschüttert von der Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor am 26. April 1937, hatte Picasso es im Auftrag der Spanischen Republik für die Weltausstellung in Paris gemalt. Überaus detailliert und hochinformativ erzählt Gijs van Hensbergen von Guernica, das sich auch als Starschnitt auf der Rückseite des Buchumschlags nichts vergibt.

Wofür fünf Goldtaler?

Neue Geschichte der deutschen Literatur Herausgegeben von David E. Wellbery, Judith Ryan, Hans Ulrich Gumbrecht, Anton Kaes, Joseph Leo Koerner. Übersetzt von Volker von Aue, Christian Döring, John von Düffel, Peter von Düffel, Helmut Ettinger, Gerhard Falkner.
Berlin University Press 2007

Ich habe mir immer schon mal gewünscht, ein Buch allein dadurch vorzustellen, dass ich Ihnen etwas aus dem Inhaltverzeichnis zitiere. Bei einem solchen Mammutwerk wäre das zu unserer Überraschung an keiner Stelle langweilig: 1147 – Hildegard von Bingen schreibt an Bernhard von Clairvaux; 12. November 1203 – Walther von der Vogelweide erhält fünf Goldtaler, um sich einen Pelzmantel kaufen zu können; Sommer 1805 – Goethe verfolgt hinter einem Vorhang verborgen Friedrich August Wolfs Vorlesung an der Universität Halle; 1818 – Daniel Schmolling wird für die Ermordung seiner Verlobten hingerichtet.
Wir fragen uns unwillkürlich, was schrieb Hildegard, wofür fünf Goldtaler, wieso hinter einem Vorhang? Bei dem Mord des Daniel Schmolling liegt die Pointe darin, dass der Richter im Berufungsverfahren kein Geringerer als E.T.A. Hoffmann war.
Mit diesem feuilletonistischen Verfahren, ein besonderes Vorkommnis an den Anfang der germanistischen und kuturwissenschaftlichen Aufsätze zu stellen, wird ein Schlaglicht auf ein Netzwerk von Verbindungen wirklicher Menschen geworfen, Menschen, die reden, schreiben und handeln, die sich hinter einem Vorhang verstecken oder sich, da nur wirkliche Menschen wirklich frieren, für fünf Goldtaler einen wärmenden Mantel kaufen – da sind die paar Euro für diese Schatz- und Fundgrube der deutschen Literatur nicht weniger gut angelegt, auch wenn Eichendorff, der Jubilar des Jahres 2007 fehlt.

Der Vater der Konsumforschung

Johannes Willms
Balzac
Eine Biographie.
Diogenes 2007

Sicher war er als Fínanzgenie, für das er sich hielt, nicht so einflussreich, aber mindestens so selbstbewusst wie Alan Greenspan. Die Rede ist von Honore de Balzac. Alle die Johannes Willms Napoleon-Biographie gerne gelesen haben, werden auch dieses Buch gerne lesen! » weiter lesen