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Mäzene und ihre Mätzchen

Piroschka Dossi
Hype! Kunst und Geld
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Markt und Museum sind, was die Kunst angeht, für gewöhnlich zwei sauber geschiedene Sphären. Wie Geld und Geist. Bei Piroschka Dossi ist der Ort der Begegnung von Kunst und Geld der Hype. Hype ist der Wirbel, der um etwas gemacht wird. Dabei wird deutlich, dass hinter der großen Geste des kultivierten Sammlers und honorigen Kunstfreunds, der sein Geld mit Boulevardzeitungen oder Wasserhähnen oder irgendetwas anderem gemacht hat, unter Umständen gar nichts anderes steckt, als eben wieder nur Geld zu machen. Da werden die Aktivitäten der Mäzene nicht selten zu Mätzchen. Im Zusammenspiel der Ausstellungen (und ihrer öffentlichen Förderung), des Abdrucks im Katalog (der gut bezahlt wird) und der umfangreichen Berichterstattung wird Kunst wieder zu Geld. Dabei bilden die langen Besucherschlangen den Schweif dieses Hypes und machen Kunst zu sehr viel Geld. Mit vielen Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart erzählt Piroschka Dossi anschaulich und instruktiv vom Hype um Kunst und Geld.

Wie man in den Hörsaal hineinruft …

… so schallt es heraus! In der TAZ vom 25.04.2008 muss sich Jörg Friedrich von Tobias Schwartz genau dieses Echo als Fragen gefallen lassen. Er fragt Friedrich: „Ist Yalu Geschichtsschreibung oder Literatur?“ Der antwortet: „Der Unterschied zwischen Geschichtsschreibung und Literatur ist ein neuer. In der Antike galt die Geschichtsschreibung als eine Form der Literatur. Auch Homer ist ein Geschichtsschreiber. Auch Schiller war ein grandioser Geschichtsschreiber.“ Schwartz beharrt und stellt die Frage neu, indem er feststellt: „Trotzdem muss man unterscheiden zwischen Realität und Fiktion.“ Friedrich darauf: „Der Mensch ist beim Empfangen der Realität keine Kamera. Man kann nur versuchen, etwas Reales mit Worten widerzuspiegeln. Nennen Sie das ruhig literarische Mittel. Wie ist es denn möglich, etwas wie Hiroshima zu beschreiben, ohne literarische Mittel zu verwenden?“ Dann erläutert Friedrich später: „Viele Kollegen meinen, das hat in der Wissenschaft nichts zu suchen, ich bin da anderer Meinung. Wer die Erfahrungsgeschichte der Menschen in der Wissenschaft ausblendet, schafft Fiktion. Sicher kriege ich mit meiner Art der Darstellung keinen Lehrstuhl. Den will ich gar nicht, ich will Leser. Es ist der Sinn eines Buchs, dass es gelesen wird.“ Schwartz interessiert sich dafür aber nicht weiter und fragt nach dem Neuigkeitswert des Buchs. So muss man sich seine Vorzüge zum Vorwurf machen lassen. Das vollständige Interview finden Sie hier.
Ein Rezension der ersten Rezension unter dem Titel „Ein ärgerliches Buch“ – Rolf Steininger über Jörg Friedrichs Yalu findet sich unter sachbuchforschung.de.

Polniaden

Steffen Möller
Viva Polonia
Scherz 2008

Polen begegnen mir vor allem, außer in der tiefen Vergangenheit meiner ostpreußischen Vorfahren, auf der Autobahn. Da fahren Kamil und Karol von einem Innenausbau zum nächsten. Damit wir nun endlich mehr über unser Nachbarland erfahren, gibt es den gebürtigen Wuppertaler und Protestanten Steffen Möller, der seit vielen Jahren in Polen lebt und ein pointenreiches, witziges Buch über Polen geschrieben hat. So gut, dass es gelegentlich doch glatt in der Belletristik ausliegt.