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Hindenburg – the missing link

Wolfram Pyta
Hindenburg
Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler.
Siedler 2007

Gibt es nicht auch in Ihrer Stadt einen Hindenburgplatz oder eine Tannenbergstraße? Heute verbindet man mit Hindenburg kaum mehr, als dass er der altersschwache Steigbügelhalter Hitlers gewesen sei. Pytas Buch schließt nun wirklich eine Lücke. Hieß ein Klassiker von Sebastian Haffner „Von Bismarck zu Hitler“, liegt hier nun die Ausdeutung Hindenburgs vor als Übergangsfigur.

Und doch ist dieses großartige Buch viel mehr. Denn Pyta berichtet nicht bloß aus der Perspektive Hindenburgs, erläutert nicht nur sein politisches Kalkül als Angehöriger der OHL und als Reichspräsident. Er widmet sich darüber hinaus den übergeordneten Zusammenhängen und dies auf eine Weise, die man, wenn es das gäbe, im besten Sinne wissenschaftsgesättigt nennen muss.

Zugegeben, das Buch ist mit seinen mehr als 1000 Seiten umfangreich und ausführlich, aber auch nicht mehr als das. Na, wenn man die Fußnoten, die ich auch nicht gelesen habe, abzieht, sind es nur noch 800 Seiten.

Wie Granit entsteht

Jack Repchek
Der Mann, der die Zeit fand
James Hutton und die Entdeckung der Erdgeschichte.
Klett-Cotta 2007

Der Verlag mag dem Autor darin gefolgt sein, dass er die Geologie nicht gerade zu den glänzendsten Fachgebieten zählt. Die Leute, die sich für Steine interessieren, na ja! Was also tun? Man entschied sich, einen etwas umständlichen Titel zu wählen. Jedoch im Kern geht es in diesem Buch um die Frage, wie Granit entsteht, als Ergebnis der Verdunstung des Urozeans, wie Abraham Gottlob Werner meinte, oder vielmehr dadurch, wie James Hutton darlegte, durch Gesteinsschmelze. Im „Huttonsche Revolution“ überschriebenen meisterhaften Kapitel dieses Buches verbinden sich – wie metamorphes Gestein durch Hitze und Druck zu Granit – alle Ideen der Wissenschaftsgeschichte von James Hutton über Charles Lyell bis zur Evolutionstheorie von Charles Darwin.

Sich mit fremden Federn schmücken

Harro von Senger
(Moulüe) Supraplanung. Unerkannte Denkhorizonte aus dem Reich der Mitte
Hanser 2008

Um die Pointe vorwegzunehmen: die Bücher Harro von Sengers lassen sich adäquat nur dann lesen, wenn man sie selbst als ’strategemisch‘ betrachtet. Nehmen wir das Beispiel seines neuesten Buches: während Senger bislang beteuerte, seine ‚Strategemkunde‘, die auf einem altchinesischen Katalog von 36 Listtechniken beruht, habe nichts mit Strategie zu tun, überrascht er nun seine Leser mit einem Konzept von dem er behauptet, es gehe über das westliche Strategieverständnis hinaus. » weiter lesen