// Bücher
Oliver Lepsius, Reinhart
Meyer-Kalkus (Hrsg.)
Inszenierung als Beruf
Der Fall Guttenberg
Suhrkamp 2011
Selten hat man ein so knappes und klares Buch gemeinsamer Anstrengung von vierzehn Autorinnen und Autoren in der Hand, in dem sich politisches Grundwissen so kondensiert versammelt. Dabei wird der Fall Guttenberg, darin besteht genau die Wendung ins Politische, zu einem Fall der Öffentlichkeit. Einer Öffentlichkeit, die Inzsenierung mit Politik verwechselt. Im herausragenden Buch nochmals herausragend Tilman Allert mit seiner (familien)soziologischen Skizze und Sebastian Diziol, der die Rücktrittsrede in einer fulminanten Satz-für-Satz-Analyse erläutert. Nicht allein wegen seines Plagiats, sondern vor allem wegen seiner zutiefst unpolitischen Politik wird man Guttenberg vielleicht einmal als den ersten Piraten erkennen.
// Allgemein
Ricarda Huch musste ihr Buch über den Dreissigjährigen Krieg, das unter dem Titel Der große Krieg in Deutschland erschienen war, nach 1914 neu titeln. Die Verwechslungsgefahr mit den zahlreichen Büchern zum Ersten Weltkrieg war zu groß. Seitdem ist der Strom populärer Darstellungen des Ersten Weltkriegs nicht mehr abgerissen.

Herbst 2013 wird sich Non Fiktion. Arsenal der anderen Gattungen den populären Sachdarstellungen des Ersten Weltkrieg widmen. Der Arbeitstitel des Heftes:Materialschlacht.
1914 (nach Erscheinen)
Kautsky
Eugen Fischer(Baling): Die kritischen 39 Tage. Von Sarajewo bis zum Weltbrand.
Emil Ludwig: Juli 14. Rowohlt
Theodor Wolf: Vollendete Tatsachen 1914-1917
Theodor Plivier: Der Kaiser ging, die Generäle blieben
Latzko: Menschen im Krieg
Ernst Johannsen: Vier von der Infanterie
Bernhard Kellermann: Der 9. November
Geschichte (Sekundärliteratur)
Olaf Blaschke: Verleger machen Geschichte. Buchhandel und Historiker seit 1945 im deutsch-britischen Vergleich. Wallstein: Göttingen 2010. (= Moderne Zeit. Neue Forschungen zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd. XXII. Hrsg. von Ulrich Herbert und Lutz Raphael.)
Wolfgang Hardtwig, Erhard Schütz (Hrsg.): Geschichte für Leser. Populäre Geschichtsschreibung in Deutschland im 20. Jahrhundert. Franz Steiner Verlag 2005.
John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie. Kindler: Reinbek bei Hamburg 2000.
Ulrich Kittstein: „Mit Geschichte will man etwas“. Historisches Erzählen in der Weimarer Republik und im Exil (1918-1945). Würzburg 2006.
Barbara Korte, Sylvia Paletschek (Hrsg.): History goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres. Transcript: Bielefeld 2009.
Stefan Jaeger: Erzählen im historiographischen Diskurs. In: Christian Klein und Matías Martínez: Wirklichkeitserzählungen. Felder, Formen und Funktionen nicht-literarischen Erzählens. J. B. Metzler: Stuttgart 2009. S. 110-135.
Martin Nissen: Historische Sachbücher – historische Fachbücher: Der Fall Werner Maser. In: Barbara Korte, Sylvia Paletschek (Hrsg.): History goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres. Transcript: Bielefeld 2009. S. 103-119.
Wolf-Rüdiger Osburg: Hineingeworfen. Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer. Osburg: Berlin 2009.
Christian Schölzel: Rathenau. Eine Biographie. Schöningh: Paderborn 2006.
Mogk, Walter: Paul Rohrbach und das „größere Deutschland. Ethischer Imperialismus im wilhelminischen Zeitalter. Ein Beitrag zu Geschichte des Kulturprotestantismus. München 1972.
Andere:
Cecil Lewis: Schütze im Steigflug. Eichborn: Frankfurt 2008
Barbara Tuchmann: August 14. S. Fischer: Frankfurt
Massie: Die Schalen des Zorns. S. Fischer: Frankfurt
// Bücher
Ausgezeichnet werden Bücher in folgenden Kategorien: erzählendes zeitgeschichtliches Sachbuch, erzählendes historisches Sachbuch, erzählendes naturwissenschaftliches Sachbuch, Jugendsachbuch, Bildsachbuch, Reportage, Biografie und Ratgeber. Ein Preisgeld steht nicht zur Verfügung. Jury: Michael Schikowski.
Das beste Sachbuch des Jahres 2011:
Florian Werner
Dunkle Materie.
Die Geschichte der Scheiße
Nagel & Kimche 2011

Florian Werner denkt an seine Leser wie kaum ein anderer Sachbuchautor. Er weiß einfach, sie müssen auch mal.
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In der Kategorie
bestes erzählendes zeitgeschichtliches Sachbuch:
Michael Hampe
Tunguska
oder das Ende der Natur
Hanser 2011

Michael Hampe ist der wichtigste und mutigste Autor aus dem Entwicklungslabor für das moderne Sachbuch.
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In der Kategorie
bestes erzählendes historisches Sachbuch:
Erwin Seitz
Die Verfeinerung der Deutschen.
Eine andere Kulturgeschichte.
Insel 2011

Die schwer gestörte Selbstwahrnehmung der Deutschen arbeitet Erwin Seitz in vierzehn höchst harmonisch gebauten Kapiteln auf: eine Übung in Leichtigkeit und Glück.
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In der Kategorie
bestes erzählendes naturwissenschaftliches Sachbuch:
Joachim Radkau
Die Ära der Ökologie.
Eine Weltgeschichte
C. H. Beck 2011

Auf jeder Seite dieses Buchs erweist sich Radkau als der unbestrittene Meister der langen Strecke, die dem Leser nie zu lang wird.
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In der Kategorie
bestes Bildsachbuch:
Patricia Holm
Faszinierende Fische.
Biologie, Bedeutung und Zukunft
Haupt 2011

Patricia Holm gelingt schöne Wissenschaft.
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In der Kategorie
beste Reportage:
Torsten Körner
Probeliegen.
Geschichten vom Tod
Scherz 2011

Torsten Körner schreibt ohne den spitzen Entlarvungston mancher Kollegen, er recherchiert ohne selbst dauernd im Beobachtungsfeld herum zu stehen und hält einfache Sachen als einfach im Blick ohne sie umständlich aufzublasen. Was alles nicht bedeutet, dass diese Einfachheit einfach wäre. Torsten Körner interessiert sich für die Sache, über die er schreibt, und schon interessiert man sich mit.
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In der Kategorie
beste Biografie:
Rüdiger Schaper
Karl May.
Untertan, Hochstapler, Übermensch
Siedler 2011

Schaper hat nicht den falschen Ehrgeiz über Karl May alles nochmal zu sagen. Er schreibt also nicht alles auf, was er über Karl May weiß, aber was man zu lesen bekommt, ist alles ausgezeichnet durchdacht.
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In der Kategorie
bester Ratgeber:
Gian Domenico Borasio
Über das Sterben
Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen.
C. H. Beck 2011

Wie selten werden die besten Autorentugenden, Knappheit und Stil, im Buchtyp des Ratgebers verwirklicht. Borasio ist ein Meister. Warum? Weil er mit seinen Lesern wirklich spricht.
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Hier zu den besten deutschsprachigen Sachbüchern des Jahres 2014, des Jahres 2013, des Jahres 2012, des Jahres 2010, des Jahres 2009, des Jahres 2008.