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Das Betriebssystem der Unterdrückung


Ernst Dronke

Berlin
Die Andere Bibliothek 2019

Ein Buch, das sofort, noch im Druck, 1846 von der Zensur verboten wurde. Dronke schildert Berlin in der Zeit der Industrialisierung unter den politischen Bedingungen der preußischen Unterdrückung. Den enormen sozialen Druck auf dem Kessel, den man im Vielvölkerstaat Österreich eher zu mildern trachtete, den hielt man in Preußen mit der Hilfe des Militärs gut aus. Damit die Grundstückspreise weiter steigen konnten, wuchs Berlin nur langsam, wurden die Wohnquartiere, die berüchtigten Berliner Hinterhöfe, stets enger und elender.

Dem Elend zu entkommen, war es naheliegend, die Aufstiegsmöglichkeiten über den Weg des Militärs zu nutzen. Womit das Elend diejenigen hervorbrachte, die die Elenden in Schach hielten. Ein Betriebssystem, in dem Elend und Unterdrückung sich gegenseitig regulierten. Die Titelillustration auf dem Buch kombiniert daher Elends- und Militärdarstellung in diesem Sinne.

Dronke schätzt, dass zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Berliner Bevölkerung von Prostitution und Diebstahl leben müssen. Ernst Dronke wurde in Koblenz geboren und starb, wie so viele der 1848er-Revolutionäre, in der Emigration. Er wird von der Bonner Universität relegiert. Er lebt in Berlin, wo er promovieren will und sein Buch entsteht. Mit zeitgenössischen Illustrationen versehen und im grauen Sackleinen des Elends gebunden, wird Ernst Dronkes große Sozialstudie wieder zugänglich gemacht.

Das erbarmungslose Lachen Gottes

 

Giosuè Calaciura
Die Kinder des Borgo Vecchio
Roman
Aufbau 2019

Calaciura erzählt in diesem Roman die Geschichte dreier Kinder in Palermo. Hier herrschen Verwahrlosung und Armut. Er erzählt auch von den Straßenverkäufern. Darunter ist der Radikalste derjenige, der versucht, einen einzelnen Schuh zu verkaufen:

Die Kinder waren angerannt gekommen und hatten ihm erzählt, von der anderen Seite des Platzes humpele ein einbeiniger Provinzler auf einer Krücke herüber, der sich trotz der unbequemen Busfahrt und der beschwerlichen Wanderung aus seinem Dorf herausgewagt hatte, weil die Kunde des wunderschönen Einzelschuhs bis in die Berge vorgedrungen war. Mit torkelnden Schritten lahmte er heran und griff schwer atmend nach dem Schuh. Die Größe stimmte, genau danach hatte er gesucht, und während der alte Verkäufer ihn auf die fein gearbeiteten Nähte, die durablen Schuhbänder und das weiche Leder hinwies, blickten sie einander plötzlich ins Gesicht, weil sie das erbarmungslose Lachen Gottes vernommen hatten: Der Schuh war perfekt, jedoch für den fehlenden Fuß.

Der unwichtige Otto

 

 

 

 

 

Hans Fallada
Der eiserne Gustav
Roman in der Originalfassung
Aufbau 2019

Zum Anhören: Hans Fallada, Der eiserne Gustav. Aufbau 2019. S. 124 f. und 128 f.